Zusatzausgaben

Fast alle Bauverträge haben große Mängel

Verbraucherschützer raten, Unterlagen von Fachleuten prüfen zu lassen

- Kaum ein Bauherr ahnt, dass schon mit Abschluss des Bauvertrags der Grundstein für viele Probleme gelegt wird. Was Bau-Experten seit Langem monieren, bestätigt jetzt eine Studie des Instituts Privater Bauherren: Fast alle Bauverträge (97 Prozent), die private Bauherren mit Generalunternehmen oder Bauträgern abschließen, haben gravierende Mängel. Damit kann es für die Häuslebauer erheblich teurer werden als gedacht. Komplettanbieter argumentieren in ihren Werbebroschüren mit der Kostensicherheit, die der Kauf ihrer Objekte mit sich bringt. Doch oft tauchen wesentliche Leistungen nicht im Vertrag auf.

So mancher Bauherr erlebt böse Überraschungen mit seinem vermeintlich "schlüsselfertigen" Haus. "Zusatzausgaben aufgrund unvollständiger Leistungsbeschreibungen sind üblich", sagt Thomas Penningh, Präsident des Verbands Privater Bauherrn (VPB). Regelmäßig werden Leistungen wie der Erdaushub der Baustelle "vergessen", oder auch Hausanschlüsse nicht mit eingerechnet, weil diese "dem Tiefbau zuzuordnen seien", reden sich viele Anbieter heraus. Sie böten nur den kompletten Bau des Hauses an. Anschlüsse für Wasser, Elektrik, Telekommunikation, Gas oder Erdwärme müssen häufig extra aufgebracht werden und belaufen sich auf bis zu 50.000 Euro.

Als Sachverständiger kennt Bauingenieur Martin Wüstefeld die Tücken, die viele Verträge der Kompakt-Anbieter beinhalten. "Das Hauptargument für mangelhafte Bauverträge ist immer dasselbe", sagt Wüstefeld. "Wir lassen das alles aus den Verträgen raus, weil es die anderen ja auch machen", heißt es. "Sonst wären die Angebote nicht vergleichbar." So aber vergleichen die Kunden Vertragsgerippe miteinander und ahnen nicht, dass sie eine "unvollständige" Immobilie kaufen. "Häufig erfahren sie erst auf Nachfrage, dass das Haus keinen Keller hat", sagt Wüstefeld. Wer zusätzlich einen Keller einbauen lassen will, zahlt bis zu 50.000 Euro mehr.

Auch der fixe Einzugstermin ist ein wichtiger Grund für Bauherrn, sich für ein schlüsselfertiges Objekt zu entscheiden. Aber auch dort wird getrickst: Statt eines konkreten Termins wird meist nur von Wochen oder Monaten gesprochen. Strafen für verzögerte Fertigstellungen sehen die meisten Verträge gar nicht vor. "Sehr häufig wird ein ,voraussichtlicher' Einzugstermin genannt", sagt Wüstefeld. "Da das kein rechtssicherer Begriff ist, kann niemand haftbar gemacht werden."

Ein weiterer Klassiker ist auch das Aussparen von Malerarbeiten. Manches Angebot ist dadurch preislich attraktiver - birgt aber hohe Folgekosten. "Privatleute denken nicht daran, dass auch Außenanstriche notwendig sind, zum Beispiel bei den Dachüberständen", sagt Wüstefeld.

Verbraucherschützer raten dringend, Bauverträge von einem Fachmann prüfen zu lassen. Architekten oder Bauingenieure können das genauso wie freie Projektsteuerer. Die Analyse des Vertragswerks gibt es schon für 200 bis 250 Euro.