Deko

Lichtermeer in Lichtenrade

Nach US-amerikanischem Vorbild illuminieren Bundesbürger zur Weihnachtszeit ihre Häuser

Zuckerstangen weisen den Weg zur Haustür. Ein Busch ist mit einem Lichternetz überzogen. Ein erleuchtetes Reh dreht scheu den Kopf hin und her - und an der Haustür hängt ein illuminierter Weihnachtskranz. Dies sind nur einige Bestandteile der Weihnachtsbeleuchtung von Familie Domagalla aus Lichtenrade. "Die Weihnachtszeit ist für uns eine besondere Zeit", sagt Daniela Domagalla, "da stecken wir besonders viel Kreativität in unser Haus." Deshalb ist das Haus in diesen Wochen nicht nur von außen, sondern auch innen voll auf Weihnachten getrimmt. Die 36-jährige Polizeiobersekretärin führt ins Haus - und in der Tat: An jedem Fenster prangen Lichterketten oder Schneeflocken, auf einem Flügel thront ein Riesenschneemann mit Geschenken, im Regal stehen Dutzende beleuchtete Weihnachtsdekorationen.

Die Domagallas sind ein lebendes Beispiel für einen stark zunehmenden Trend: Vor wenigen Jahren noch waren beim Thema Weihnachtsbeleuchtung Hausbesitzer in den USA das Maß aller Dinge. Deutsche Leuchtfreunde sahen neidisch auf die Lichtkanonaden, die sich auf US-Fassaden abspielten. Doch sie holen auf. Mitunter werden Tausende von Glühlampen zusammengeschaltet. Die Prachtbeleuchtung geht ins Geld. Den betroffenen Stromkunden ist das jedoch nicht wichtig. So sagt Marc Domagalla, dass die diesjährige Weihnachtsbeleuchtung mit rund 220 Euro an Stromkosten zu Buche schlagen wird - Geld, das er gut angelegt sieht, auch trotz der derzeit stark steigenden Strompreise. "In der Vorweihnachtszeit schaue ich mich in Baumärkten um", sagt Marc Domagalla. Dieses Jahr hat er einen Lichtschlauch gekauft, in dem die Lämpchen so gesteuert werden, dass das Ganze wie ein Wasserfall wirkt - ein steter Lichtstrom ergießt sich in seinen Garten.

Dass der Absatz von Lichtilluminationen besonders zur Weihnachtszeit steigt, hat dabei auch eine psychologische Komponente. "Licht hat in der dunklen Jahreszeit eine erhellende Wirkung. Wir schätzen die Vergrößerung des Wohnraums durch Erleuchtung des Gartens, weil schwarze Fensterscheiben durch die Gartenbeleuchtung durchsichtig werden und den Garten als erweiterten Wohnraum sichtbar werden lassen", sagt Wohnpsychologe Uwe Linke. Mehr noch: Illuminierte Fensterscheiben, strahlende Balkone und Dächer könnten gar Ausdruck einer Sehnsucht nach einer heileren Welt sein.

Dutzende Weihnachtshäuser

Das sind einleuchtende Gedankenansätze - in Berlin ist Familie Domagalla mit ihrer Festtagsbeleuchtung trotzdem eine Ausnahme. Meist wird Weihnachtsbeleuchtung eher dezent eingesetzt, auch weil in der Großstadt die meisten Menschen in Wohnungen leben. Dass es aber auch noch ganz anders geht, zeigen jedes Jahr Dutzende Weihnachtshäuser in ganz Deutschland. In Pöcking am Starnberger See hat Nikolas Heinecke dieses Jahr insgesamt 52.000 Lämpchen an sein Haus angebracht. Vom ersten Advent bis zum 6. Januar darf der ganze Ort an seiner Weihnachtsfreude teilhaben. Im gesamten Landkreis kennt man das "Weihnachtshaus", bei Glühwein trifft man sich zum Plausch. Was für die einen nach ökologischem Irrsinn klingt, ist für Heinecke eine lieb gewonnene Investition: Insgesamt zahlt er für die vier Wochen Festtagsbeleuchtung rund 400 Euro. Allerdings: Weihnachten wird bei der Familie Heinecke grundsolide gefeiert, mit Weihnachtsbaum, Musik und Geschenken - und vergleichsweise kleiner Lichterkette.

Anders bei Familie Domagalla aus Berlin. Dort wird der Weihnachtsbaum zwar ebenfalls erst kurz vor Heiligabend aufgestellt. "Der hat es aber in sich", sagt Marc Domagalla. Er sei sozusagen eine Miniaturausgabe des Weihnachtsbaumes, der jedes Jahr vor dem Rockefeller Center in New York steht - "und er hat mindestens genauso viele Lichter."