Gastkolumne

Sparen ist die sichere Bank

Die Bank verspricht es in der Werbung: Ist der Wunsch größer als das Portemonnaie - macht nichts, sie erfüllt sie ihn dennoch gerne. Kostet nur ein bisschen Zinsen.

Manche Menschen in einer Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) wünschen sich ein neues Dach, einen Fahrstuhl, oder eine Wärmedämmung an der Fassade. In Abhängigkeit von dem Gesamtzustand des Objektes, dem Bestreben nach Modernisierungen und der Finanzkraft der einzelnen Eigentümer kommt dann die Idee einer Kreditfinanzierung auf.

Nun könnte man meinen, dass die Banken sofort "Hier!" schreien. Mehrere Schuldner samt großer Immobilie als Sicherheit, das klingt nach gutem Geschäft. Aber weit gefehlt. Eigentümergemeinschaften sind noch immer die "Stiefkinder", wenn es um Kredite geht. Aufgrund der nur quotalen Haftung der einzelnen Eigentümer im Außenverhältnis erhöht sich für die finanzierende Bank das Ausfallrisiko, sodass viele auf einer dinglichen Sicherung oder einer entsprechenden Bürgschaft bestehen. Per Beschluss ist es jedoch nicht möglich, einen Eigentümer zu verpflichten, seinen Grundbesitz als Sicherheit zu belasten.

Einen Versuch ist es dennoch wert. Zuerst ist der Verwalter gefragt. Nach dem WEG-Beschluss muss zunächst der Finanzbedarf ermittelt werden. Danach kann die Gemeinschaft eine Kreditaufnahme beschließen. Für eine konkrete Beschlussformulierung braucht sie fachkundigen Rat, um nicht bereits im Vorfeld durch einen Formfehler eine Beschlussanfechtung zu riskieren.

Die wenigen Banken, welche nicht auf einer dinglichen Sicherung bestehen, haben sehr hohe Anforderungen an die einzureichenden Unterlagen. So ist es nicht unüblich, dass die Bank von jedem Eigentümer eine Selbstauskunft abfordert. Für diese Prüfungen entstehen hohe Bearbeitungsgebühren, sodass der vermeintlich niedrige Zinssatz nicht der tatsächlichen Belastung entspricht.

Und wenn die Bank die Wünsche gar nicht erfüllt? Dann hilft nur langfristiges Ansparen: Durch Anpassen der Instandhaltungsrücklage oder Sonderumlagen lässt sich in WEGs Geld sammeln. Und das ist dann die "sichere Bank".

Ingo Schatz ist WEG-Experte der Strabag RPS (eh. BWG), einem der größten WEG-Verwalter Berlins

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