Intelligentes Wohnen

"Geschosswohnungsbau ist unsexy, aber wichtig"

Birgit Wilkes, Professorin für Telematik, über smarte Platten und intelligente Wohntechnologie

Mit Birgit Wilkes von der Technischen Hochschule Wildau sprach Sally Meukow über das Wohnen 2050.

Berliner Morgenpost:

Bitte erklären Sie den Studiengang Telematik.

Birgit Wilkes:

Telematik ist ein Kunstwort, das sich aus "Telekommunikation" und "Informatik" zusammensetzt. Wir beschäftigen uns mit intelligenten, aber immer auch vernetzten Systemen. Telematik gibt es schon in vielen Bereichen, etwa in der Medizin zum Monitoring oder eben auch in Gebäuden zur Steuerung von Heizung, Lüftung und der gesamten Wohnumgebung. Es ist ein zukunftsorientiertes Studium mit vielen Arbeitsmöglichkeiten, und unsere Studenten sind auf dem Markt sehr gefragt.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem e-Wohnen-Projekt?

Mein Forschungsgebiet ist die Gebäudetelematik. Das e-wohnen-Projekt gestaltet ein innovatives und effizientes Wohn- und Arbeitsumfeld auch mit Technik. Wir haben uns also vor einigen Jahren durch die Überschneidung unserer Arbeitsgebiete zwangsläufig kennengelernt. Die kreativen technischen Ideen unserer Studenten waren bei e-wohnen sofort willkommen.

Wie werden wir 2050 leben?

Wir werden in der Wohnung der Zukunft eine intelligente Grundausstattung haben, die sich je nach Lebenslage anpasst. Wichtig ist dabei, dass die Technologie vernetzt ist. Ein Beispiel: Ein Fenster schließt sich automatisch, wenn es zu regnen beginnt, und Geräte schalten sich mithilfe von Sensoren automatisch aus, sobald der Bewohner das Haus verlässt. Die Wohnung erkennt jeden Bewohner und passt bei seinem Eintreffen das Licht, die Wärme und die Umgebung seinen Vorlieben an. Das Haus der Zukunft wird Sicherheit geben, mithilfe von Sensorik passt es auf die Bewohner auf. Sicherheit auch für Kinder oder ältere Menschen. Licht ist dabei ganz wichtig, denn vollautomatische Lichtgänge sind die beste Sturzprophylaxe. Auch ein intelligenter Fußbodenbelag wird in Zukunft Standard sein, damit schnell Hilfe kommen kann, wenn der Bewohner doch gestürzt ist.

Wie wohnen Sie eigentlich privat?

Ich wohne so halbintelligent. Ich schalte mit nur einem Tastendruck beim Verlassen des Hauses alle von mir definierten Geräte und Steckdosen sowie das Licht im ganzen Haus ab. Meine Heizungssteuerung lernt selbstständig, wann welcher Raum genutzt wird, und senkt in der ungenutzten Zeit die Raumtemperatur ab. Zukünftig möchte ich auch einige Dinge zu Hause ausprobieren, die unsere Studenten bauen und programmieren.

Die Wohnung der Zukunft muss sich an den Menschen anpassen, warum?

Der Mensch muss Herr im Haus bleiben. Die Technik soll den Menschen unterstützen, dabei aber im Hintergrund bleiben. Deshalb ist das e-wohnen-Projekt gut, weil es die Alltagstauglichkeit von Technologien direkt durch die Bewohner testen lässt. Geschosswohnungsbau ist unsexy, aber wichtig. Unser Ziel ist die smarte Platte. Smarte Villa kann schließlich jeder.

Was muss sich in der Forschung und auch in der Ausbildung von Bauingenieuren, Handwerkern und auch Architekten ändern?

Für viele Entwickler und Ingenieure steht noch die Technik im Vordergrund, nicht der Mensch und seine Bedürfnisse. Daraus resultiert mangelnde Akzeptanz bei den Nutzern.