Bauwirtschaft

Günstige Wohnungen durch teure finanzieren

Bezahlbarer Wohnraum in Berlin wird knapp. Gebaut werden zurzeit vor allem Luxuswohnungen

Die Berliner Bauwirtschaft will günstigen Wohnraum durch den Bau teurer Wohnungen querfinanzieren. Dazu solle das Land beim Verkauf von Grundstücken festschreiben, wie viele preiswerte Wohnungen hier entstehen müssen, erläutert der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands, Axel Wunschel. Die bezahlbaren Wohnungen sollten an öffentliche Wohnungsbaugesellschaften verkauft werden. Auf dem Rest des Grundstücks könnten teure Wohnungen entstehen.

So werde die anhaltende Nachfrage nach hochwertigem Wohnraum genutzt, um mehr bezahlbaren Wohnungen für Normalverdiener zu schaffen, sagt Wunschel. Rund 40 Prozent der Berliner Haushalte habe monatlich nur maximal 1300 Euro zur Verfügung, so der Hauptgeschäftsführer. "Gerade Familien haben Probleme, adäquaten Wohnraum zu bekommen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau, Reinhold Dellmann. Wichtig seien daher in allen Bezirken bezahlbare Wohnungen.

Unter einem Quadratmeterpreis von 8,50 Euro könne derzeit aber nicht gebaut werden, betont Dellmann. Nur eine Quersubventionierung mache es möglich, Wohnungen auch zu Quadratmeterpreisen von 7 Euro zu vergeben. Für die öffentliche Hand sei der Plan der Bauwirtschaft ein Nullsummenspiel, betont Wunschel.

Das Konzept funktioniere einerseits bei einem Grundstück, das räumlich in günstiges Wohnen auf der einen und teure Eigentumswohnungen auf der anderen Seite unterteilt werde. Denkbar seien aber auch Pakete mehrerer Grundstücke, von denen eins mit günstigen Wohnungen und eins mit teuren bebaut werde. Ideal wäre allerdings eine soziale Durchmischung auch in den beliebten Vierteln innerhalb des S-Bahn-Rings, hieß es aus der Bauwirtschaft.

Das Vorhaben der rot-schwarzen Berliner Koalition, jährlich mindestens 6000 neue Wohnungen zu errichten, sei bislang "ein frommer Wunsch", sagt Wunschel. So seien bis September 2012 lediglich 5085 Wohnungen genehmigt und längst noch nicht alle gebaut worden. Beim Senat sei der Vorschlag daher auf positive Resonanz gestoßen. Ebenso sei eine Übertragung auf private Grundstücke denkbar.