Gastkolumne

Mit "Neuen" auskommen

Hans-Georg Kranz ist Geschäftsführer der Strabag RPS (eh. BWG), einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Nach mir die Sintflut, denkt sich mancher, der seine Wohnung veräußert. Der Meistbietende ist ihm recht, egal ob nett oder unfreundlich, jung oder alt, rechtschaffener Bürger oder unangenehmer Zeitgenosse.

Die verbleibenden Wohnungseigentümer sehen das meist anders. Schließlich müssen sie mit dem "Neuen" auskommen. Vor allem sind sie rechtlich mit ihm verbunden: Der Erwerber wird Mitglied der Eigentümergemeinschaft.

Soweit in der Teilungserklärung eine Veräußerungsbeschränkung gemäß § 12 WEG aufgenommen wurde, unterliegt ein veräußernder Wohnungseigentümer der Zustimmung anderer Wohnungseigentümer oder eines Dritten. Meist wird diese Aufgabe auf die Verwaltung übertragen. Die Zustimmung kann nur aus einem wichtigen Grund versagt werden, dieser muss in der Person des Erwerbers begründet sein.

Gleich vorweg: Mit nett oder unfreundlich hat das nichts zu tun. Auch bestimmte Personengruppen, kinderreiche Familien oder Ausländer dürfen nicht ausgeschlossen werden. Grundsätzlich steht dem Veräußerer frei, an wen er sein Sondereigentum veräußert.

Berücksichtigt werden die Bereitschaft, sich in die Gemeinschaft einzuordnen, sowie die finanzielle Voraussetzung des Erwerbers, wenn begründete Zweifel bestehen, dass er die ihm gegenüber der Gemeinschaft obliegenden finanziellen Verpflichtungen nicht ordnungsgemäß erfüllen wird. Ebenso die Absicht, die Veränderung des Bestimmungszwecks zu erwirken. Es müssen gewichtige Gründe vorliegen, dass die Verwaltung von der Veräußerungsbeschränkung Gebrauch macht. Ehemalige Hausgeldschulden oder Zwangsversteigerungen würden diese rechtfertigen. In den meisten Veräußerungsfällen handelt es sich um einen formalen Akt. Die Verwalterbestellung muss bis zum Eingang des Eigentumsumschreibungsantrages beim Grundbuchamt fortbestehen. Dies ist auch erforderlich, wenn der Erwerber bereits Teil der Gemeinschaft oder Ex-Gatte des Veräußerers ist. Die Gemeinschaft kann auf die Veräußerungsbeschränkung verzichten, hierfür ist ein Mehrheitsbeschluss erforderlich.

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