Gastkolumne

In einem sehr langen Winter

Hans-Georg Kranz ist WEG-Experte und Geschäftsführer der Strabag RPS (ehemals BWG), Berlin

Der Winter 2009/2010 überwinterte sich selbst. Im Prinzip dauert er sogar noch an, denn seine Folgen kommen dieses Jahr erst so richtig zum Vorschein. Zumindest für alle Grundstückseigentümer in Berlin.

Über Monate schneite es. Der Schnee fror immer wieder fest, es bildeten sich Eisschichten, die viele Gehwege unpassierbar machten. Die hals- und beinbrecherischen Zustände sorgten für Gesprächsstoff, sogar im Berliner Abgeordnetenhaus. Somit wurde am 11. November 2010 die 7. Novelle zum Straßenreinigungsgesetz beschlossen, die ab diesem Winter gilt.

Mit Trampelpfaden soll nun Schluss sein. Die Räumbreite auf öffentlichen Wegen wurde auf 1,50 Meter heraufgesetzt. Dies ist eine der wichtigsten Änderungen der neuen Winterdienst-Bestimmungen. Auch der Umgang mit Glatteis wurde neu aufgenommen: Demnach müssen festgefrorener Schnee und Eis nun beseitigt werden, wenn "durch Streuen nicht mehr ausreichend entgegengewirkt werden kann". Erwünschter Effekt ist, dass die Gehwege so schnell von Schnee geräumt werden, dass sich erst gar kein Eis bilden kann. Überfrierende Nässe darf durch Streuen abgestumpft werden. Auftaumittel, wie Salz, bleiben jedoch verboten. Sollten sich dennoch dicke Eisschichten gebildet haben, sind die Eigentümer verpflichtet, diese zu beseitigen. Das ist harte Arbeit.

Außerdem zählt seit Inkrafttreten der Novelle nicht mehr das "Bekämpfen" von Schnee und Glätte, sondern die Beseitigung. Bemühen reicht nicht, das Ergebnis ist ausschlaggebend. Da alles an Wochentagen vor 7 Uhr morgens und am Wochenende vor 9 Uhr passieren und bis 20 Uhr durchgeführt werden muss, setzen viele Eigentümer auf gewerbliche Winterdienstleister. Bei Vertragsabschluss sollte darauf geachtet werden, dass sich dieser nicht mit einer Klausel aus der Pflicht zur Eisbeseitigung befreit. Arbeitsprotokolle über dessen Arbeit sind im Interesse des Auftraggebers, denn die "Winterdienstverpflichteten" bleiben die Anlieger mit Grundstücken an öffentlichen Straßen.

Hoffen, dass nichts passiert, ist keine gute Lösung. Hoffen, dass der Winter 2012/2013 kürzer und milder wird als der vor drei Jahren, ist aber legitim.

Nächste Woche: Teil 2 - Auf dem Fußweg ausgerutscht, was nun?