Architektur

Neues Leben im Allkupferhaus

In dem Baudenkmal in Rahnsdorf war sogar schon mal ein Direktor des MoMa aus New York zu Gast

Susanne Tiedemann war enorm aufgeregt. "Ich habe drei Nächte nicht geschlafen und mein Englisch aufgebessert", sagt sie. Schließlich hatte sich vor gut drei Jahren mit dem damaligen Leiter der Architekturabteilung des berühmten Museum of Modern Art in New York ein echter Kenner der Architektur-Szene als Gast angekündigt. "Meine Familie lebt schon lange in einem architektonischen Denkmal, aber einen derart hohen Besuch hatten wir noch nie", sagt sie.

Mit architektonischem Denkmal meint die Softwareberaterin ihr Allkupferhaus in Rahnsdorf. Es ist eines von insgesamt 54 Fertighäusern, die - komplett aus Kupfer und Blech - zwischen 1931 und 1933 in Deutschland produziert wurden.

Das Besondere am Haus der Berlinerin ist jedoch, dass 1931, als ihr Haus aufgestellt wurde, der bekannte Architekt Walter Gropius Leiter der Bauplanungsabteilung der Hirsch Kupfer- und Messingwerke war, die die Allkupferhäuser vertrieben.

In 24 Stunden aufgebaut

"Nun stand der Museumsleiter im Wohnzimmer, sprach sehr gut Deutsch und war selbst aufgeregt. Schließlich wollte er unbedingt mal ein echtes, bewohntes Allkupferhaus besuchen", sagt Susanne Tiedemann und fügt lachend an: "Dann haben wir Mohnkuchen gegessen und geplaudert. Er wollte wissen, wie es sich in dem Haus aus Metall lebt, und ich sagte ihm, dass ich mich einfach wohl fühle."

Seit 20 Jahren lebt Susanne Tiedemann mit ihrer Familie in dem ungewöhnlichen Haus. "Wir wollten damals mit unseren kleinen Kindern raus aus Neukölln und aufs Land ziehen. Über Bekannte hörten wir von dem Haus und wohnten zunächst zwei Jahre zur Miete. Dann bot uns der Besitzer das Haus samt 1000 Quadratmetern Grundstück zum Kauf an", sagt sie und holt einen Ordner aus dem Regal.

Darin verbergen sich wahre Schätze, so auch der Kaufvertrag von 1931. Der erste Käufer hatte einst 17.312,50 Reichsmark für das ungewöhnliche Objekt bezahlt. "Viel Geld für die damalige Zeit noch vor der Weltwirtschaftskrise. Das neuartige Projekt sollte hauptsächlich gut betuchte und innovativ denkende Menschen erreichen. Es war kein Haus von der Stange, sondern hochwertige Qualität", sagt die Softwareberaterin.

Ähnlich wird das Projekt in einem Prospekt von 1931 angepriesen. "Wohnen Sie in unserem Allkupferhaus - das beste Einfamilienhaus der Welt, mit abwaschbaren Wänden, hygienisch einwandfrei - in nur 24 Stunden aufgebaut und voll unterkellert ..." heißt es darin. Wie es der Name sagt, bestehen Allkupferhäuser tatsächlich aus Kupfer. Beim Aufbau wurden Stahlplatten, von außen mit gerippten Kupferblech belegt, auf eine Holzständerkonstruktion geschraubt. "Als Isolierung diente Aluminiumfolie mit sechs Lagen Pappe. Von Innen wurden die Häuser mit buntem Blech verkleidet - anstelle von Betonwänden. Die Eigentümer hatten für den Innenbereich die Wahl zwischen Mustern in so schön klingenden Farben wie Nilgrün, Pastellblau oder Korallenrot", zitiert Susanne Tiedemann aus einem Fachbuch.

Sie lobt die gute Dämmung des Hauses. "Unsere Heizkosten sind niedriger als die eines Berliner Altbaus", sagt sie. So hätten sie über die Jahre lediglich das Dach gedämmt und Kältebrücken zwischen den Geschossebenen ausgebessert. Die Familie heizt mit einer Gaszentralheizung. "Das Haus wärmt sich schnell auf, da kein dickes Mauerwerk vorhanden ist. Es speichert die Hitze aber nicht lang und kühlt im Winter wieder schnell ab. Ärger mit Hitzestau oder Schimmel haben wir nie gehabt", erklärt sie. Überhaupt sei die Instandsetzung des denkmalgeschützten Gebäudes nicht sehr aufwendig.

Anders als bei einer Holz- oder Mauerfassade, müsse ein Allkupferhaus nicht von außen gestrichen werden. Es hat noch die Fassade von 1931. Auch die Holzfenster seinen noch original. "Selbst wenn wir vom Denkmalamt aus dürften und wollten, könnten wir die Rahmen nicht austauschen, sie sind fester Bestandteil der Fassade", sagt die Berlinerin.

Der einzig größere Umbau sei der Anbau eines Wintergartens im Jahr 2003 gewesen. So habe sich die Größe des Hauses auf 107 Quadratmeter erhöht. Die Aufstockung des Wintergartens passt sich mit der Fortführung der Kupferverblechung an das Vorhandene an. Die ums Eck führende Verglasung in Form von 54 Lamellenfenstern orientiert sich in der Höhe an den Holzfenstern des Bestandes.

Empfehlen würde Susanne Tiedemann das Leben in einem Allkupferhaus besonders Allergikern. "Wir haben keinen Staub, keinen Schimmel, alle Wände sind abwaschbar", sagt sie. Der einzige Nachteil: "Der Handyempfang ist schlecht, und fürs Radio brauchen wir eine besondere Antenne - kein Wunder, bei so viel Blech", sagt sie lachend.