Interview

"Schon Details werten die Wohnung auf"

Die Planerin ist Expertin für Wohnraumgestaltung - sie begrüßt die Zusammenarbeit mit Architekten

Oliver Klempert befragte Jana Korbel, Planerin und Innenarchitektin.

Berliner Morgenpost:

Können Sie kurz Ihr Arbeitsfeld umreißen?

Jana Korbel:

Zur Aufgabe eines Innenarchitekten gehört das Gestalten und Planen von Räumen, angepasst an die Bedürfnisse des jeweiligen Nutzers. Zur Schaffung einer Raumatmosphäre spielen viele Komponenten eine Rolle, die gilt es in Einklang zu bringen. Dazu zählen Farbe, Licht und Material, genauso wie Proportionsverhältnisse von Bauteilen oder Funktionsabläufe, die im alltäglichen Leben eine logische Struktur vorgeben.

Mit welchen Herausforderungen ist ein Innenarchitekt heute konfrontiert?

Die Anforderungen an Wohnräume sind heute sehr vielschichtig. Unsere Lebensräume überschneiden sich. Arbeit findet nicht mehr ausschließlich an Arbeitsstätten statt, sondern kann auch vor dem Laptop am Küchentisch geschehen. Wir erleben soziale Gemeinschaft beim Kochen mit Freunden oder der Familie. Vielleicht möchten wir längerfristig mit mehreren Generationen unter einem Dach leben. Dies setzt voraus, dass wir unsere Wohnräume flexibel an unser Leben anpassen können.

Was ist schwieriger - Bauen im Bestand oder ein Neubau?

Vor allem das Bauen im Bestand ist eine Herausforderung. Hier ist viel Kreativität und Tüftelei im Detail erforderlich, um ein gutes Konzept und gute räumliche Lösungen zu entwickeln. Oft muss man bis auf die Grundsubstanz zurückbauen, um den ursprünglichen Charakter eines Hauses wiederzufinden. Auf dieser Basis lassen sich dann neue Räumlichkeiten entwickeln, die es ermöglichen, den Charakter des Hauses zu bewahren. Das ist zum Beispiel beim Reichspostverteilzentrum gut gelungen - hier wurde die Bausubstanz aufgenommen und in die Moderne transportiert. Im Neubau hat man hingegen die Möglichkeit, alles von Grund auf zu entwickeln - der Trend geht hier zu weiten Räumen und fließenden Übergängen.

Wie funktioniert das Zusammenspiel von Architekt und Innenarchitekt?

Für mich sind die Grenzen zwischen Außen- und Innenraumgestaltung fließend, so auch die Arbeitsfelder in denen wir uns bewegen. Wenn wir planerische Aussagen in unterschiedlichen Maßstäben treffen können und den nächsten Schritt berücksichtigt haben, führt dies zu einem durchdachten Konzept für Außen- und Innenraum. Architekt und Innenarchitekt sollten von Beginn an zusammenarbeiten. Eine gute Zusammenarbeit gibt es zum Beispiel bei Einfamilienhausbauern - private Bauherren können schon während der Bauphase entscheiden, wo eine Innenwand hinkommen soll.

Können Sie einige Tipps geben, wie man mit einfachen Tricks seine Wohnung verschönern und wohnlicher machen kann?

Gut ist es immer, alten Ballast loswerden und neue Freiräume zu schaffen. Das kann zum Beispiel gelingen, indem man störende Innenwände entfernt, sofern sie keine tragenden Wände sind. Dunkle Ecken kann man mit Tageslichtsimulationen aufhellen, Fenster lassen sich vergrößern. Manchmal reicht auch schon ein kleine Durchreiche, um Licht in einen anderen Raum fallen zu lassen und unnütze Wege zu verkürzen. Ein Bild oder ein Farbton an der richtigen Stelle kann einem Raum eine ganz neue Stimmung geben. Schon kleine Details können deshalb eine Wohnung deutlich aufwerten.