Finanzierung

Mit Sondertilgungen Geld sparen

Experten raten zu individuellem Finanzmodell bei Rückzahlung von Immobilienkrediten

Durch Fehler bei der Tilgungswahl verlieren Immobilienkäufer immer wieder viel Geld. Entweder werden Sondertilgungsoptionen teuer erkauft und nicht ausreichend genutzt. Oder Kreditnehmer tilgen zu wenig, was die Laufzeit in die Höhe treibt. "Wer die Tilgungshöhe bestimmen will, muss vor dem Immobilienkauf einen Kassensturz machen und seine Einnahmesituation realistisch einschätzen", sagt Manfred Hölscher vom Baugeldvermittler Enderlein.

Dabei müssen teure Sondertilgungsoptionen nicht sein. Die meisten Banken gewähren kostenfreie Sondertilgungsoptionen von jährlich bis zu fünf Prozent. "Man sollte genau prüfen, ob darüber hinaus Sondertilgungen benötigt werden. Denn: Zusätzliche Rückzahlungsoptionen verteuern das Darlehen", sagt Hölscher. Erfahrungsgemäß werden Sondertilgungen vom Kreditnehmer nur selten genutzt. Wer zeitnah hohe Geldzuflüsse erwartet, sollte variable Kredite prüfen, die komplett zurückgezahlt werden können. Oder aber die Laufzeit des Darlehens wird auf einen Betrag zu einem bestimmten Zeitpunkt abgestimmt - zum Beispiel bei Auszahlung der Lebensversicherung.

Eine allgemeingültige Tilgungshöhe gibt es nicht - aber eine individuelle. Die hängt laut Enderlein von der Zinsbindung, den Kreditzinsen und der Einnahmesituation ab. Unabhängig davon gilt: Bei einem Kreditzinsniveau von rund drei Prozent ist für den Eigennutzer eine Anfangstilgung von mindestens zwei Prozent eigentlich Pflicht; genauso wie eine langfristige Zinsfestschreibung. Alleine schon aus dem Grund der möglichen Zinssteigerung.

"Wir gehen langfristig von steigenden Zinsen aus, wenn die EZB erst einmal beginnt, im großen Stil Anleihen aufzukaufen", sagt Stephan Gawarecki vom Finanzdienstleister Dr. Klein. Bei den derzeit günstigen Zinsen sollte man deshalb auch an eine passende Anschlussfinanzierung denken, um schneller schuldenfrei zu sein.

In jedem Fall sollte die Tilgung nicht so hoch gewählt werden, dass die monatliche Darlehensrate dem Kreditnehmer keine Luft mehr zum Atmen lässt. Stellt sich jedoch nach Jahren heraus, dass die Rate doch zu hoch ist, so erweist es sich als ratsam, einen kostenfreien Tilgungssatzwechsel zu vereinbaren.