Gastkolumne

Von Nachbarn und Zwergen

Es gibt nicht nur sieben Zwerge, nein Hunderte: mit oder ohne Laterne, neben Plastik-Bambi, als FKK-Modell oder Werder-Bremen-Fan.

Bei Gartenzwergen scheiden sich die Geister. Ein Drittel liebt, zwei Drittel hassen sie - nach einer Umfrage der Statista GmbH. Im Privatgarten kann jeder so viele Zwerge aufstellen, Bäume pflanzen oder Zäune ziehen, wie er lustig ist - für Besitzer von Eigentumswohnungen gelten andere Regeln.

Eigentümer eines Gemeinschaftsgartens müssen sich arrangieren. Meist gibt es die Gruppe derjenigen, die Pflegeaufwand und Kosten so minimal wie möglich halten wollen. Auf der anderen Seite gibt es Eigentümer, die einen höheren Pflegestandard und eine aufwändigere Gestaltung der Grünanlage wünschen oder selbst gerne gärtnern und buddeln.

Sind keine Sondernutzungsrechte vergeben, gelten die Gartenflächen des Mehrfamilienhauses als zwingendes Gemeinschaftseigentum. Die ausschließliche Nutzung durch einzelne Eigentümer müsste in der Teilungserklärung festgelegt sein - diese könnten in ihrem Gartenstück machen, was sie wollten; mehr oder weniger.

Sind alle zum Mitgebrauch der Grünflächen berechtigt, gilt dies unabhängig von der Größe des Miteigentumsanteils, wie das Bayerische Oberlandesgericht schon im Jahr 1972 entschied. Dies bedeutet, dass jeder Eigentümer den Garten nutzen darf, ohne dass einem der anderen Miteigentümer hieraus ein Nachteil erwächst. In der Praxis gibt es häufig unterschiedliche Auffassungen zum Umfang der "üblichen Nutzung", sodass es sich bewährt hat, in der Hausordnung Regelungen zur Gartennutzung zu treffen. In manchen Anlagen, in denen die Nutzung des Gartens intensiv erfolgt, ist es sogar sinnvoll, gemeinsam eine explizite "Gartenordnung" zu entwerfen und zu beschließen.

In jedem Fall sollten dauerhafte Veränderungen durch einzelne Eigentümer wie zum Beispiel das Fällen von Bäumen unterbleiben. Dies bleibt dem Beschluss der Gemeinschaft vorbehalten. Und die Zwergenfrage? Nun ja, vielleicht kann sich die Eigentümerversammlung auf das Modell "erstochener Gartenzwerg" einigen. Angeblich ein Bestseller.

Ingo Schatz ist WEG-Experte bei der Berliner STRABAG Residential Property Services

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