Gastkolumne

Hausflur als Schuhschrank

Die Wohnung gehört einem, das Treppenhaus allen - und damit keinem.

So einfach lässt sich der Gebrauch vom Gemeinschaftseigentum wie Hausflur und Treppe zusammenfassen. Aber: Nicht jeder Wohnungseigentümer möchte das so hinnehmen.

Besonders der Bereich vor der Wohnungstüre wird gerne als "erweiterter Wohnraum" betrachtet. Von Schuhen, Mülltüten bis hin zu Schränkchen wird dort alles abgestellt, was in der Wohnung keinen Platz mehr findet oder stört. Insbesondere im Winter stapeln sich oft matschige Schuhe neben frostscheuen Balkonpflanzen. Auch persönliche Deko-Aktionen machen vor dem Treppenhaus keinen Halt: Wände werden mit Urlaubsfotos, Spiegeln oder Postern dekoriert. Dies führt häufig zu Streit unter den Eigentümern.

Das Treppenhaus ist gemäß § 1 Abs. 5 Gemeinschaftseigentum und darf nicht beliebig genutzt werden. Die Nutzung soll zweckbestimmt erfolgen: dem Zugang zu den Wohnungen.

Dies mag auf den ersten Blick kleinlich erscheinen, jedoch sind Treppenhäuser auch Rettungs- und Fluchtwege. Insbesondere im Brandfalle können von abgestellten Gegenständen ernste Gefahren ausgehen.

Einen Streitfall stellen oft Kinderwagen dar, die Zugänge zu Kellern oder Briefkästen erschweren. Hier ist die Rechtsprechung nicht eindeutig, und somit kommt es immer auf den Einzelfall an. Generell lässt sich sagen: Fluchtwege müssen frei bleiben. Gibt es also andere Abstellmöglichkeiten in Haus oder Keller, sind diese unbedingt zu nutzen. Beliebt sind in letzter Zeit auch kleine Garagen für den Hof. Wie immer bei nachbarschaftlichen Angelegenheiten sollte man mit der Gemeinschaft zu guten Lösungen kommen. Immer daran denken: Es könnte auch der eigene Rollator sein, der irgendwo abgestellt werden muss.

Nächste Woche: Was ist erlaubt (Teil 4): Gartengestaltung