Gartenstadt

Endlich gemeinsam bauen

In Karlshorst entsteht derzeit eines der größten Wohnbauprojekte Berlins. Hier wird der Traum vom Leben im Grünen für 2000 Menschen Realität

Konstantin Dudel spaziert mit seinem dreijährigen Sohn durch den Rohbau seines Hauses. "Vor zwei Monaten stand hier noch nichts. Ende des Jahres sollen wir bereits einziehen können." Der 33-jährige Projektmanager ist erstaunt darüber, wie schnell heutzutage ein Einfamilienhaus hochgezogen wird. Sein Haus steht noch ein wenig einsam auf einer riesigen weiten Fläche, wo nach und nach in den kommenden Jahren die Gartenstadt Karlshorst entstehen soll. Der zweifache Familienvater hatte sich erst vor wenigen Monaten für den Bau eines Hauses entschieden, weil ihm in Berlin die Mieten zu teuer werden. "Für das Geld, das wir für eine Miete aufbringen müssen, können wir auch unser Haus finanzieren", sagt er. Dudels Grundstück ist circa 400 Quadratmeter groß, die Wohnfläche beträgt 130 Quadratmeter. Der Berliner hat sich mit seiner Familie dabei für ein "Rundum Sorglos"-Paket entschieden. Das Haus wird nicht nur schlüsselfertig, sondern sogar bezugsfertig gebaut - "inklusive Farbe an den Wänden".

Im Innenraum möchten die Dudels sich familiengerecht aber modern einrichten - zum Beispiel mit einer offenen Wohnküche. Gleichzeitig ist das Haus, für das sich Dudel entschieden hat, auf junge Familien ausgerichtet - teure Anbauten wie ein Balkon oder ein Keller fehlen zum Beispiel, stattdessen gibt es einen Hauswirtschaftsraum. Um Kosten zu drücken, lässt der Bauherr zudem den Dachboden des zweistöckigen Hauses unausgebaut.

Rund 40 Hektar umfasst das Gelände im Berlin-Lichtenberger Stadtteil Karlshorst-Ost, auf dem eines der größten Wohnbauvorhaben Berlins umgesetzt werden soll. Ein Großteil der entstehenden Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser, Stadtvillen, Townhouses und Geschosswohnungen ist schon jetzt verkauft - und Dudel ist einer der Käufer. Weil er sich so früh entschieden hatte, steht sein Haus nun als eines der ersten.

Federführend bei diesem Projekt ist die in Karlshorst ansässige WPK Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH. Sie hat die einzelnen Grundstücke von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und dem Liegenschaftsfonds Berlin erworben und treibt nun die Bebauung in enger Zusammenarbeit mit dem Bezirk Lichtenberg voran. In den nächsten vier bis fünf Jahren sollen von ihr insgesamt 750 Wohneinheiten gebaut werden. Insgesamt entstehen mit anderen Bauträgern gemeinsam 900 Wohneinheiten. Über 2000 Menschen sollen in der Gartenstadt Karlshorst eines Tages leben können.

Daher ist zum Beispiel auch die Errichtung einer neuen Grundschule und einer Kita geplant. So soll sich das neue Quartier in die gewachsenen Strukturen des Stadtteils einfügen und ihn sozusagen vervollständigen. "Die Lage der zukünftigen Gartenstadt ist für uns reizvoll: Im Stadtinnern gelegen, trotzdem ruhig und trotzdem braucht man nur wenige Minuten bis zum öffentlichen Nahverkehr", sagt Dudel. Er selbst arbeitet im quirligen Bezirk Friedrichshain, will seinen Arbeitsweg künftig mit dem Fahrrad zurücklegen.

Grünflächen setzen Akzente

Die grüne Stadt ist ein Entwurf des Berliner Architekten Professor Klaus Theo Brenner, der bereits unter anderem durch die Projekte wie die Rummelsburger Bucht, Waldstadt Hüttenweg, den Diplomatenpark Tiergarten und Wasserstadt Spindlersfeld bekannt wurde. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Brite Ebenezer Howard den Typ der "Gartenstadt" als den Ort für "gutes Wohnen" entworfen. "Das Konzept der Gartenstadt Karlshorst knüpft an diese Tradition an - gleichzeitig als Gegenmodell zum aufgelösten Siedlungsbau auf der grünen Wiese", sagt der Architekt dazu.

Der Bebauungsplan sieht vor, dass Häuser mit Vorgärten die Straßen flankieren - und markante Straßenkreuzungen, Plätze und öffentliche Grünflächen weitere Akzente setzen. In Form und Größe verschiedene Haustypen werden den verschiedenen Vierteln der Gartenstadt zugeordnet, wobei insbesondere das Dach und die Dachform eine Rolle im spielen werden. Architekt Brenner eine strebt übergeordnete Harmonie und Einheit an, zum Beispiel bezüglich Farben, Materialien bis hin zur Gestaltung der Vorgärten.

Die ersten Baumaßnahmen im Sinne einer Bestandssanierung werden gegenwärtig an den zwölf denkmalgeschützten Altbauten des Festungsanlage durchgeführt sowie Neubaumaßnahmen eingeleitet. Dabei entstehen derzeit auch Reihenhäuser des so genannten "InCasa Familiendomizils". Nach dem Abschluss der Maßnahmen im Bereich der Festungspionierschule sollen dort weitere 340 Wohnungen bezugsfertig sein.

Gliederung in drei Stadtteile

Die Gartenstadt Karlshorst selbst gliedert sich in drei Stadtteile: Im Norden das Quartier "Am Biesenhorster Sand" mit einem alten Bunker, der zu einem Ausstellungshaus umgebaut werden soll. An dieses Gebiet schließt sich unmittelbar das künftige Natur- und Landschaftsschutzgebiet Biesenhorster Sand an. Südlich davon, um den neuen Stadtgarten herum, wird das Quartier "Am Stadtgarten" mit der ehemaligen Pionierschule entstehen, welches mit dem Deutsch-Russischen Museum abschließt und zum Quartier "An der Promenade" überleitet. Dessen Hauptachse, die sogenannte Promenade, führt an denkmalgeschützten, ehemaligen Flugzeughallen entlang, welche ebenfalls zu Wohnhäusern umgebaut werden sollen, und bildet einen südlichen Abschluss. In der Mitte des neuen Stadtviertels liegt der Hauptzugang zur Gartenstadt mit einem öffentlichen Platz, an dem dann ein Zentrumshaus mit Läden und Büros liegen soll.

Betonung auf Nachhaltigkeit

Je nach Lage innerhalb der Gartenstadt und seiner Quartiere wird eine ganze Reihe unterschiedlicher Haustypen angeboten - darunter 130 frei stehende Häuser, 30 Stadtvillen und 80 Reihenhäuser. Dieses Angebot an Haustypen wird weiterhin ergänzt durch Varianten in Größe und Dachform.

"Bei aller Vielfalt geht es dennoch um Harmonie im Ganzen, um eine sichtbare Form von Gemeinschaftlichkeit, die unter anderem verhindern soll, dass die jeweils eigene Investition wegen minderwertiger Architekturen in der Nachbarschaft ihren Wert auf Dauer gesehen verliert", betont Architekt Brenner. Das Gegenteil sei beabsichtigt - Nachhaltigkeit und Wertzuwachs für das einzelne Haus durch dessen Einbindung in ein qualitätsvolles Stadtviertel, dessen Bau bestimmten Regeln und Ausführungsstandards gefolgt ist.

Das soll später dann zum Beispiel auch für Dudels Haus gelten. Zu seinem "Rundum Sorglos"-Paket zählen nämlich auch klassische Holzfenster. "Die Fenster aus Holz machen das Wohnen nicht nur natürlicher, sondern sehen auch noch schöner aus und werten das Haus auf", sagt der Bauherr und Familienvater mit Vorfreude.