Vorräte

Wenn plötzlich der Strom ausfällt

Experten empfehlen sich mit ausreichenden Vorräten und einem Notfallhandy auszustatten

Ein Stromausfall ist wie ein Sprung in eine frühere Zeit: Licht, Fernseher und Internet gehen plötzlich nicht mehr. Und wenn auch die Heizung ausfällt, wird es im Winter schnell kalt in der Wohnung. Was tun?

Ohne Strom steht heute der gesamte Haushalt still. Doch in der Regel ist eine solche Störung schnell wieder behoben: Knapp eine Viertelstunde mussten deutsche Haushalte durchschnittlich im Jahr 2010 ohne Strom auskommen, hat die Bundesnetzagentur ermittelt. Oft passiert das am Tag und sogar mit Ankündigung, etwa wegen einer Kabelreparatur. Aber ab und an fällt der Strom überraschend und stunden- bis tagelang aus. Und dann?

Wichtig ist dann, zunächst zu klären: Was ist passiert? Bin nur ich betroffen oder die ganze Stadt? Daher sollte immer ein Handy aufgeladen und die Nummer des Stromversorgers darin gespeichert sein, erläutert Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion "Das sichere Haus" (DSH) in Hamburg. Denn die meisten Telefone funktionieren heute nicht mehr ohne Strom: Sie sind an einen Internetrouter angeschlossen oder ihre Basisstation hängt am Netz.

Bitte nicht die 110 oder 112 wählen, warnt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in einer Broschüre. Denn ein Stromausfall sei kein Notfall. Viele Anrufe beim Notruf überlasten die Leitungen, echte Notfälle kommen dann nicht mehr durch. Der Stromversorger könne sogar besser sagen, woran es liegt und wie lange das Ganze wohl noch dauern wird, sagt Woelk.

Der nächste Schritt ist, für Licht zu sorgen. Kerzen, Halter und Streichhölzer sollten an einem bestimmten Ort liegen, etwa in der Küchenschublade, empfiehlt die DSH. Für Taschenlampen sollten genug Batterien im Haus sein. Mit Hilfe eines batteriebetriebenen Radios sollten die Nachrichten verfolgt werden. So bleiben die Betroffenen auf dem Laufenden über Ankündigungen der Behörden und Stromversorger.

Fällt die strombetriebene Heizung wie bei Modellen mit Öl- oder Pelletbrenner aus, halten Decken oder Winterkleidung warm. Das reiche in unseren Breiten in der Regel für einen gewissen Zeitraum, beruhigt die DSH. Wer eine Ölheizung hat, die mit Kohle oder Briketts befeuert werden kann, sollte für den Notfall aber die Brennstoffe auf Lager haben. Um Kühlschrank und die Gefriertruhe müssen sich Betroffene erst mal keine Sorgen machen. Denn die Kühlgeräte halten sich einige Stunden kalt. Am besten ist daher: "Die Tür zulassen, damit die Restkälte nicht entweichen kann", rät Woelk.

Das BBK empfiehlt, einen Gas- oder Campingkocher sowie immer Vorräte in Dosen im Haus zu haben. "Aber ich mag nicht raten, einen Gaskocher im Wohnzimmer anzuwerfen. Das ist zu gefährlich", sagt Woelk. Was dann? Als Erstes die schon weiche Butter aus dem Kühlschrank auf Brot essen und weitere sensible Lebensmittel aufbrauchen. "Oder eben im Freien kochen, wenn es draußen nicht zu kalt ist", rät Woelk.

Wer ein Stromaggregat anwerfen will, sollte dies nur im Freien tun. Der Verbrennungsmotor könne giftige Abgase ausstoßen, erläutert das BBK. "Es ist sinnvoll, keinen Kühlschrank oder Elektroherd ranzuhängen, aber Kleingeräte wie eine Lampe oder das Ladegerät des Telefons gehen", rät Wolfgang Glaunsinger vom Elektro-Branchenverband VDE in Frankfurt. Er hat noch einen Tipp für Besitzer von Photovoltaikanlagen: Der Stromspeicher überbrückt im Notfall. Aber auch er kann nur kleinere Geräte versorgen. Stromfresser wie der Kühlschrank sollten daher vom Hausnetz genommen werden.

Grundsätzlich sollten alle Elektrogeräte, die zum Zeitpunkt des Stromausfalls liefen, ausgeschaltet werden. "Fließt der Strom wieder, kommt es sonst zu einem sogenannten Einschalt-Rush", erläutert Glaunsinger. Gehen viele Geräte auf einmal an, wird dem Netz in kurzer Zeit viel Strom entzogen, und dann fliegt die Sicherung raus. Eine Lampe oder ein Radio können aber an bleiben, um anzuzeigen, wenn der Strom wieder fließt.

Außerdem sollten Stolperfallen aus dem Weg geräumt werden. Die DSH rät, zur eigenen Sicherheit vor dem Zubettgehen Ordnung im Haus zu schaffen. Wer nachts Durst bekommt, läuft sonst im Dunklen Gefahr zu fallen. Vorsorge muss auch sein, wenn Pflegebedürftige im Haushalt leben. Das BBK rät, mit Pflegediensten zu besprechen, ob und wie diese im Falle eines längerfristigen Stromausfalls die Versorgung aufrechterhalten. Und wer kein Handy hat, sollte sich bei der Gemeinde- oder Stadtverwaltung erkundigen, wo im Fall der Fälle ein Notfalltelefon ist.

Kommt der Strom wieder, sollten die Geräte erst nach und nach wieder angeschaltet werden. Sonst kann das Netz wieder zusammenbrechen. Dann kann der Alltag wieder beginnen: Die Lebensmittel im Kühlschrank müssen überprüft und notfalls weggeworfen und die Uhren nachgestellt werden.