Interview mit Florian Köhl

Andere Bedürfnisse - dieselbe Baugruppe

Der individuell gestaltete Wohnraum trägt zur Vielfalt der Stadt bei und ist finanziell attraktiv

Immer mehr Menschen wollen mitten in der Stadt in einer auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Wohnung leben. Die Lösung ist die Baugruppe. Der Architekt Florian Köhl (45), Mitglied im Netzwerk Berliner Baugruppen Architekten (NBBA), hat sich darauf spezialisiert. Isabell Jürgens sprach mit ihm.

Berliner Morgenpost:

Herr Köhl, was war die Initialzündung für das Projekt?

Florian Köhl:

Angefangen hat alles mit der Ausstellung "Aufeinander Bauen" im Deutschen Architekturzentrum DAZ. Das war 2007, da waren Baugemeinschaften noch ein exotisches Thema. Bei vielen Architekten, die an der Ausstellung mitgewirkt haben, kam der Wunsch auf, nicht nur ein einzelnes Haus, sondern auch mal ein ganzes Stück Stadt zu gestalten. Ein gutes Dutzend Architekten hat sich daraufhin zum Netzwerk NBBA zusammengeschlossen. Damit war es für mehrere Büros möglich, ein durchmischtes Projekt zu entwickeln.

Wie sind Sie an die entsprechend großen Grundstücke gekommen?

Das ist eine große Herausforderung. Unsere Anfragen beim Senat oder auch in den Bezirken sind leider alle im Sande verlaufen. Die Baugrundstücke in Friedrichshain hat ein NBBA-Mitglied, der auch als Projektsteuerer tätig ist, nach und nach zusammengekauft. Der erste Bauabschnitt an der Simplonstraße konnte deshalb 2009 beginnen und wurde Ende 2011 bezogen. Der letzte Bauabschnitt mit drei Häusern wird Anfang 2013 fertig. Insgesamt bauen wir acht Häuser mit 100 Wohnungen.

Was ist das Besondere am Bauen in der Gruppe?

Für uns Architekten erlaubt das Modell differenzierte Mischung von Wohnungstypologien für unterschiedliche Lebens- und Arbeitsmodelle. Das ist die Grundlage für eine durchmischte Stadt. Für die Bauherren bietet es die Möglichkeit, mit persönlichem Engagement ihren eigenen Ort in der Stadt zu schaffen. Das gilt auch für Bauherren mit weniger Geld. Im Stadtzentrum entsteht Geschosswohnungsbau in der Regel sonst nur durch große Bauträger, denen man dann eine Eigentumswohnung abkauft. Die Wohnungen sind aus Gründen der Gewinnmaximierung ähnlich groß.

Wie preiswert bauen Sie?

Der Quadratmeterpreis in den acht Wohngebäuden zwischen Revaler und Simplonstraße liegt im Durchschnitt bei 2150 Euro - inklusive aller Nebenkosten wie Grundstück, Steuern, Architektenhonorare und so weiter. Die ersten vier Häuser haben eine gemeinschaftliche Dachterrasse, für zwei Parteien war es zu teuer. So genannte Paten haben dann deren Anteil übernommen.

Entstehen dadurch nicht auch Konflikte?

Doch, unterschiedliche Vorstellungen können zu einem ernsten Problem werden und unser Berufsbild sieht diese Auseinandersetzung nicht vor. Die Dynamik in einer Gruppe kann schwierig werden, gerade wenn es um die Einhaltung der Baukosten geht. Das ist beispielsweise ein Engagement des NBBAs, eine Fortbildung für Architekten, mit der Dynamik der Gruppe umzugehen.

Gibt es noch weitere Risiken?

Es gibt die üblichen Risiken, die jeder Bauherr trägt. Wenn das Dach undicht ist, teile ich als Mitglied der Baugruppe die Verantwortung und kann die Beseitigung nicht von einem Bauträger verlangen. Diese Verantwortlichkeit muss jedem klar sein. Die Gefahr, dass eine Baugruppe Pleite geht, ist jedoch gering. Das kann nur eintreten, wenn mehrere Mitglieder dieser Gruppe auf einmal zahlungsunfähig würden.