Architektur

"Der natürliche Baustoff Holz wirkt behaglich"

Mitten in der Hauptstadt ist ein moderner Neubau mit Altbauflair in Systembauweise entstanden

Daniel Rozynski ist Architekt und Mitbegründer vom "Institut für urbanen Holzbau". Oliver Klempert sprach mit ihm über die Vorteile des Baustoffs Holz.

Berliner Morgenpost:

Woher kam Ihr Interesse an der Verwendung von Holz im innerstädtischen Raum?

Daniel Rozynski:

Die industrielle Vorfertigung im Wohnungsbau konzentriert sich gegenwärtig fast ausschließlich auf Einfamilienhäuser im ländlichen Bereich. Diese Häuser sind zum überwiegenden Teil in Holzbauweisen konstruiert. Dabei können die hochflexiblen Produktionsverfahren im Holzbau auch Typologien jenseits des freistehenden Einfamilienhauses bedienen.

Deutschland, Österreich und die Schweiz sind heutzutage technisch führend beim Bau von mehrgeschossigen Wohnhäusern aus Holz. Durch die aktuellen Klimadebatten wurde Holz als CO2-neutraler Baustoff nun auch in Deutschland wieder entdeckt. In Verbindung mit der aktuellen Gesetzgebung ist endlich der Weg für diese nachhaltige Bauweise freigeräumt. Die novellierten Länderbauordnungen erlauben mittlerweile in der Gebäudeklasse 4 bis zu fünfgeschossige Holzkonstruktionen. Für den urbanen Wohnungsbau in Holzbauweise sind somit die grundlegenden Voraussetzungen geschaffen und Holz kann erstmals in großem Stil in der Innenstadt verwendet werden.

Was sind die Kernpunkte des Projektes "Fertighauscity 5+"?

Hinter dem Objekt "Fertighauscity 5+" verbirgt sich ein fünfgeschossiges Stadthaus, das wie ein Maßanzug angepasst werden kann und das unterschiedlichsten Nutzergruppen schon im Planungsstadium ermöglicht, großen Einfluss auf die Gestalt ihres späteren Wohnraumes zu nehmen. Wir wollten damit den Beweis antreten, dass der urbane Holzbau heute eine Alternative zum konventionellen Massivbau ist.

Worin sehen Sie die Vorteile von Holz?

Holz ist eine nachwachsende Ressource, die Kohlendioxid im Bauwerk speichert und nicht wie beim Massivbau viel Energie beim Bauen verzehrt. Der natürliche Baustoff wirkt zudem behaglich und trägt zur Wohngesundheit bei. Darüber hinaus ist Holz optimal für die moderne Vorfertigung. Die Bauelemente können nach Wunsch vorfabriziert und schnell auf der Baustelle eingesetzt werden. Die Konstruktionen zeichnen sich durch hervorragende Wärmedämmeigenschaften, geringes Gewicht, leichte Verarbeitbarkeit, hohe statische Belastbarkeit und gute Brandschutzeigenschaften aus. Zudem ist die Werthaltigkeit bei einem Lebenszyklus von zirka 80 bis 100 Jahren mit einem Massivbau absolut vergleichbar.

Was sagen Sie zu der Befürchtung, Holzhäuser hätten naturgemäß ein höheres Feuerrisiko?

Das Risiko ist nicht höher als in einem Massivbau. Im Gegenteil: Holzkonstruktionen haben ein sehr gutes Brandverhalten, da sie im Falle eines Brandes die Tragfähigkeit nicht verlieren. Bei Wohnungsbränden kommen die meisten Personen auch nicht durch Feuer, sondern durch den Rauch ums Leben.

Welche Arbeitsschwerpunkte verfolgt das Institut?

Wir forschen etwa zusammen mit der Universität der Künste in Berlin unter anderem an Plusenergiehäusern in Holzbauweise, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Ferner betreiben wir Forschungen mit einem Industriepartner zur Optimierung des Schallschutzes von Holzdeckenkonstruktionen.