Gastkolumne

Die Schulden der anderen

Hans-Georg Kranz ist Experte und Geschäftsführer der BWG, einem der größten WEG-Verwalter Berlins.

Eigentum verpflichtet! Es ist ein Irrtum, dass man in seiner Eigentumswohnung gratis wohnt. Auch wenn die eigenen vier Wände abbezahlt sind und somit keine monatliche Rate an die Bank gezahlt werden muss - das sogenannte Hausgeld wird dennoch fällig. Jeder Eigentümer muss einen Betrag, der im Wirtschaftsplan festgelegt ist, auf das gemeinschaftliche Konto der Wohneigentümergemeinschaft (WEG) überweisen. So wie bei den Betriebskosten einer Mietwohnung handelt es sich um eine monatliche Vorauszahlung. Schließlich muss die Liquidität der WEG gegenüber allen Dienstleistern wie Wasserwerken, Müllabfuhr, Versicherern oder Handwerkern gewährleistet werden. Die Höhe des Hausgeldes hängt vom Zustand des Gebäudes sowie vom Energieverbrauch ab. Im Gegensatz zu Mietern haben Eigentümer allerdings kein Recht, diese Zahlungen auf eigene Faust auszusetzen oder zu kürzen, wenn es Mängel gibt. Gerät ein Eigentümer in eine finanzielle Schieflage, beginnen die Probleme für alle.

Denn was passiert, wenn ein Mitglied der WEG nicht oder nicht genug bezahlt? Dann sind die Schulden des einen schnell auch die Schulden der anderen, denn in der Tat haftet die ganze WEG und muss Fehlbeträge ausgleichen und vorstrecken, bis der säumige Nachbar wieder bezahlen kann. Bis dahin ist es Aufgabe des Verwalters, ihn dazu aufzufordern. Der erste Schritt sind Mahnungen. Wenn das nicht hilft, bleibt nur ein gerichtliches Klageverfahren. Die Ermächtigung ergibt sich meist aus der Teilungserklärung der WEG oder aus dem Verwaltervertrag - schließlich ist die Eintreibung der Schulden ja im Interesse der Gemeinschaft.

In den meisten Fällen zeigt ein erstes Schreiben eines Rechtsanwaltes schnell Wirkung. Für hartnäckige Schuldner kann das Ganze aber zum persönlichen und finanziellen Fiasko werden - am Ende bleibt sogar die Zwangsversteigerung der Wohnung nicht aus. Aus dem Erlös, der in den meisten Fällen viel geringer ausfällt als beim Verkauf, werden dann auch die Schulden der Gemeinschaft und anderer Gläubiger ausgeglichen. Für den bisherigen Eigentümer gilt "Eigentum verpflichtet" dann nicht mehr, denn das Eigentum ist - weg.

Nächste Woche: Gemeinschaftseigentum