Eigene Wohnung

Abschied vom Hotel Mama

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Aliki Nassoufis

Woran Eltern und Kinder denken müssen, wenn Jugendliche eine eigene Wohnung beziehen

Morgens ewig ausschlafen, ohne dass jemand rummeckert, das Zimmer aufräumen, wann man will und sich tagelang von Tiefkühlpizza ernähren: Argumente für die eigenen vier Wände gibt es viele. Sie gelten nicht nur für Studenten, sondern auch viele Jugendliche packen irgendwann ihre Sachen und ziehen in die erste eigene Wohnung.

Bei den meisten Eltern kommen erst einmal Bedenken auf, wenn sie von den Auszugsplänen ihrer Kinder hören. "Sie denken, das ist zu früh", sagt Beate Friese vom Jugendtelefon "Nummer gegen Kummer" in Wuppertal. Dabei spreche nichts dagegen, schon als Teenager bei den Eltern auszuziehen.

Wer noch nicht volljährig ist, muss dabei allerdings einiges bedenken. "Minderjährige sind nach dem Gesetz beschränkt geschäftsfähig", erklärt Rechtsanwalt Thomas Hannemann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwaltverein in Berlin. Das bedeutet, dass sie allein Verträge nicht rechtswirksam unterschreiben können.

Will man also unter 18 Jahren alleine wohnen, braucht man die Einwilligung seiner Eltern oder des gesetzlichen Vertreters. Dabei gibt es laut Anwalt Hannemann mehrere Möglichkeiten. "Man kann sich von seinen gesetzlichen Vertretern wie den Eltern eine Einwilligung einholen." In der könne zum Beispiel stehen, dass sie damit einverstanden sind, dass ihr Kind einen Mietvertrag unterschreibt und sich beim Stromanbieter anmeldet. Möglich ist auch, dass die Eltern unterschreiben. Damit sind sie zum Beispiel Mieter und lassen ihren Sohn oder ihre Tochter in die Wohnung einziehen. "Allerdings können die Eltern den Vertrag dann auch wieder kündigen, auch gegen den Willen des Kindes", sagt Hannemann.

Ist eine Wohnung gefunden, geht es ans Einrichten. Alles neu kaufen sei für die meisten Jugendlichen zu teuer. "Es lohnt sich, im Familien- und Bekanntenkreis nach Geschirr, Besteck und Möbeln herumzufragen."

Nach dem Umzug müssen sich Jugendliche beim Einwohnermeldeamt ummelden. "Das sollten sie innerhalb einer Woche nach Einzug machen und dafür den Mietvertrag mitnehmen", erklärt Hannemann. Die Eltern brauchen bei Minderjährigen nicht mitzukommen, sofern sie mit dem Mietvertragsabschluss einverstanden waren. Sei der Lebensmittelpunkt bezogen auf ein Jahr überwiegend in der neuen Wohnung, müsse dort der Hauptwohnsitz angemeldet werden. Bei einem Zweitwohnsitz könne unter Umständen Zweitwohnungssteuern anfallen.

So aufregend der Auszug auch ist: In der neuen Wohnung angekommen, kann Teenagern schon mal die Decke auf den Kopf fallen. "Das ist ja ein großer Schritt, mit dem man eine Lebensphase - das Zuhause-Wohnen - beendet. Das ist einerseits aufregend, kann aber Angst machen", sagt Maria El-Safti-Jütte, Erziehungs- und Familienberaterin in Berlin. Es spreche also nichts dagegen, immer mal wieder nach Hause zu fahren. Um gar nicht erst Heimweh zu bekommen, sollten Jugendliche für die ersten Wochenenden alleine etwas planen. Zum Beispiel Sehenswürdigkeiten in der Stadt besichtigen, die Umgebung erkunden oder eine Radtour in den Nachbarort zu machen. Gut sei auch, neue Kontakte zu knüpfen - bei der Lehrstelle, im Studium oder über Vereine, rät El-Safti-Jütte.