Ferienimmobilien

Der Traum vom Schwedenhaus

Serie über Ferienimmobilien, Teil 2: Skandinavien ist bei deutschen Urlaubern begehrt

- Ob in den schwedischen Nationalfarben Blau und Gelb oder im Norweger-Rot: Ein Holzhaus an einem großen Fjord oder einem kleinen See in Skandinavien ist für Millionen Deutsche der Inbegriff von Ruhe und Erholung. Immerhin rund 10 000 Bundesbürger haben sich nach einer Erhebung der Maklervereinigung des Landes seit dem Jahr 2007 allein in Schweden den Traum von der eigenen "Villa Kunterbunt" erfüllt. Doch zunehmend drängt eine weitere Käufergruppe verstärkt an den Markt, sagt Theo Neugebauer aus Herten, der sich als Immobilienmakler auf den Markt im Ikea-Mutterland spezialisiert hat. "Es sind immer mehr Schweizer, die sich nach einem Ferienhaus in Schweden umsehen." Fast jeder zweite Interessent, der sich Hilfe suchend an ihn wende, stamme inzwischen bereits aus der Alpenrepublik.

Der Grund dafür sind die in den vergangenen Jahren drastisch gestiegenen Immobilienpreise in der Schweiz. Weil immer mehr Deutsche, Österreicher, Belgier und Niederländer aus Angst vor einem Zusammenbruch der Euro-Zone ihr Geld in sicher geglaubtem Betongold zwischen Zermatt und dem Lago Maggiore anlegen wollen, haben sich Eigenheime und Eigentumswohnungen in der Schweiz seit dem Jahr 2009 immens verteuert. Die Nationalbank der Eidgenossen warnt seit mehr als einem Jahr vor der drohenden Spekulationsblase. "Manche Schweizer sehen im Kauf eines schwedischen Ferienhauses eine Möglichkeit, dem eigenen Markt entkommen zu können", sagt Tobias Just, Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienwirtschaft am IREBS-Institut der Universität im bayerischen Regensburg.

Ein sicherer Hafen für das Kapital

Was Ferienimmobilien in Skandinavien jetzt in der Krise der europäischen Gemeinschaftswährung interessant macht: Mit ihren Kronen haben Schweden und Norwegen jeweils eigene Währungen. Genau wie die Schweiz mit dem Franken. Viele Käufer sehen die Immobilienmärkte im hohen Norden im Sturm der Euro-Krise als einen vergleichsweise sicheren Hafen für ihr Kapital. "Und viele Schweizer setzen darauf, dass schwedische Häuser heute ein deutlich höheres Wertsteigerungspotenzial haben als die Objekte in ihrem eigenen Land", sagt Neugebauer. Denn in Schweden hat sich der Markt seit Ausbruch der Finanzkrise nur verhalten entwickelt. "Seit dem April 2011 haben sich Häuser im Schnitt wieder um etwa 3,7 Prozent verbilligt", sagt Kate Everett, Analystin für internationale Wohnimmobilienmärkte bei der britischen Beratungsgesellschaft Knight Frank. Damit ist gut die Hälfte der leichten Wertsteigerung wieder zunichtegemacht worden, die schwedische Eigenheime in den Jahren 2009 und 2010 erfahren hatten.

Ganz anders stellt sich die Situation in Norwegen dar. Immer mehr Einwohner im Königreich schaffen sich edle Zweitwohnsitze an, weil die großen Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee den Menschen im Land einen ständig wachsenden Wohlstand bescheren. Im Land der tiefen Fjorde sind die Immobilienpreise nach Knight-Frank-Berechnung deshalb seit Anfang 2009 im Schnitt um rund 30 Prozent gestiegen.

Feriendomizile nahe der Hauptstadt Oslo haben sich sogar noch weit mehr verteuert, sagt der auf Objekte in Norwegen spezialisierte Makler Hans-Peter Kleensang aus dem schleswig-holsteinischen Kisdorf. "Für eine kleine Hütte ohne Stromanschluss am Oslofjord zahlen Käufer inzwischen umgerechnet eine Million Euro." Erst weit oben im Norden, jenseits von Trondheim, seien noch Häuser für 100 000 Euro zu bekommen.

Dass der Markt im Nachbarland nicht ebenso boomt, liegt auch daran, dass sich viele Schweden noch gut an die Folgen der Immobilienblase in den 90er-Jahren erinnern. Viele Menschen verloren damals ihre Ersparnisse. Die Regierung musste Milliardenbeträge aufwenden, um die Banken im Land vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Das lässt nun viele Menschen im Land sensibel auf Preissteigerungen am Häusermarkt reagieren: Verteuern sich die Immobilien, halten sich die Schweden mit Käufen deutlich zurück.

Darüber hinaus dämpft die Euro-Krise die Konjunkturaussichten im Land. "Rund 35 Prozent der schwedischen Exporte gehen in die Euro-Zone", erläutert Torsten Gellert, Geschäftsführer des Brokerhauses FXCM, wie sehr das skandinavische Land von der Wirtschaftsentwicklung in den Staaten der Gemeinschaftswährung abhängt. Im Jahr 2011 war das Bruttoinlandsprodukt in Schweden noch um 3,9 Prozent gestiegen. Für dieses Jahr hat die Regierung in Stockholm jüngst die Prognose auf ein Plus von gerade noch 0,4 Prozent gesenkt. "Die Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung und die Sorge um den Arbeitsplatz dämpfen gegenwärtig das Interesse vieler Schweden am Erwerb eines Zweitdomizils", sagt Lehrstuhlinhaber Just.

Häuser in Lappland für 60 000 Euro

Diese Sorge teilen auch viele deutsche Familien aus dem Mittelstand mit mehreren Kindern. Sie bilden bislang nach den Dänen unter den Ausländern die größte Käufergruppe am schwedischen Ferienimmobilienmarkt. "Das Interesse an einem Zweitdomizil in Schweden ist bei dieser Klientel zwar ungebrochen", sagt Makler Neugebauer. "Aber viele zögern mit dem Kauf, weil sie nicht wissen, wie es in Deutschland mit der Konjunktur weitergehen wird."

Die Schweizer Käufer stoßen zwar nun in die Lücke, die durch die Zurückhaltung der Schweden und Deutschen entstanden ist. Doch das hat bislang nicht genügt, um die Preise wieder in die Höhe zu treiben. "Deshalb", meint Schweden-Experte Neugebauer, "ist jetzt die richtige Zeit, um sich günstig ein Haus zu sichern." Bereits für weniger als 100 000 Euro werden derzeit Holzvillen an Seen in Südschweden angeboten. Für eine Villa mit Sauna, Kamin, 3000 Quadratmeter großem Grundstück samt eigenem Bootssteg am Seeufer werden rund 300 000 Euro aufgerufen. Wen es in die raue Wildnis Nordschwedens zieht, wo im Juni und Juli die Sonne niemals untergeht, der muss sogar noch deutlich weniger zahlen, sagt Neugebauer. "In Lappland kosten Häuser meist weniger als 60 000 Euro."

In jüngster Zeit interessieren sich auch immer mehr deutsche Rentner für eine Immobilie in Südschweden. Nicht als Zweitdomizil, sondern als Hauptwohnsitz. Dies sind vor allem sportlich aktive Senioren. "Wer gerne wandert, angelt oder im Winter Langlauf betreibt, kann in Schweden herrlich den Ruhestand verbringen", sagt Neugebauer. Auch das gute Gesundheitssystem locke Senioren - insbesondere aus ländlichen Regionen in Deutschland, in denen sich immer weniger Ärzte niederlassen wollen. In Südschweden gibt es im Umkreis von 40 Kilometern immer eine Klinik.

Egal, ob in Norwegen oder Schweden nach dem Traumdomizil im hohen Norden gesucht wird - auf eines sollten Interessenten immer achten. "Wenn es in einem Haus muffig riecht, ist Vorsicht angebracht", warnt Immobilienmakler Neugebauer. Ein modriger Geruch sei ein deutlicher Hinweis darauf, dass irgendwo am Haus das Holz zu faulen beginne. Und dies ist eine Gefahr, der sich die an solide Ziegelhäuser gewöhnten Kaufinteressenten aus Deutschland häufig gar nicht bewusst sind.