Baustoff

Besser bauen mit Holz

Das Zukunftsmaterial verzeichnet Zuwachsraten von drei Prozent und 6,15 Mrd. Euro

Kein Baustoff durchlebt derzeit eine solche Renaissance wie Holz. Denn im modernen Holzbau sind die Möglichkeiten nahezu unendlich geworden. Nachdem hölzerne Einfamilienhäuser, Lagerhallen und Bürogebäude in den letzten Jahren bereits ihre Zukunftstauglichkeit bewiesen haben, zieht der Rohstoff Holz nun in die Städte ein.

Das vergangene Jahr bescherte dem deutschen Holzbau einen Umsatzzuwachs von hochgerechnet zehn Prozent auf 5,97 Mrd. Euro. Für das laufende Jahr wird ein Umsatzzuwachs von drei Prozent auf 6,15 Mrd. prognostiziert. Das Wachstum verteilt sich auf den Wohnungsbau und den Nichtwohnungsbau.

Ein Plus ist die Vorfertigung

Bei der Umsatzsteigerung im Wohnungsbau macht sich auch die wieder belebte Neubautätigkeit bemerkbar. Allerdings wird weiterhin knapp die Hälfte des Umsatzes im Modernisierungsbereich erwirtschaftet. Begünstigt wird die Entwicklung durch einen stabilen Arbeitsmarkt, steigende Einkommen und die Vermögensanlage in Immobilien aus Sorge um die Unsicherheiten aus der Euro- und Finanzkrise. Diese Angaben machte Holzbau Deutschland - Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes in seinem Anfang Juli erschienenen Lagebericht. Der moderne Holzbau zeichnet sich durch seine industrielle Vorfertigung aus. Prozesse, die bei der herkömmlichen Bauweise nur auf der Baustelle umgesetzt werden können, werden in computergesteuerte Fertigungsanlagen verlegt. Inzwischen werden ganze Raumzellen in Hallen vorgefertigt und vor Ort nur noch zusammengefügt.

Mittlerweile ist die Fertigung von computergenau gefrästen Bauteilen aus Holz durch CNC-Werkzeugmaschinen so präzisiert, dass sie sogar Stahlbauten schlagen. "Der große Vorteil moderner Vorfertigungsmethoden im Holzbau besteht darin, dass in der Halle kein uniformes Serienprodukt entsteht. Die Vorfertigung begrenzt die Individualität nicht", sagt Hermann Kaufmann, Professor für Architektur, Fachgebiet Holz an der TU München. "Ein Holzgebäude brennt nicht öfter als ein konventionelles", räumt der Professor mit einem Vorurteil auf.

Holz spricht die Sinne an

Lange Zeit galt Holz als bieder und angestaubt, nicht modern genug. Dies hat sich geändert. Holz ist wieder da. Wahrscheinlich gegenwärtiger, als gedacht.

Matteo Thun, renommierter italienischer Architekt und Designer, ist derselben Meinung: "Ich glaube, dass Holz das Material des 21. Jahrhunderts ist. Es ist das einzige nachwachsende Baumaterial und ist aus Architektur und Design nicht mehr wegzudenken." Holz spricht die Sinne an, beruhigt nachweislich den Organismus und ist durch seine Maserung optisch erlebbar.