Architektur

Das Meisterhaus, ein Objekt der Superlative

In Mitte entsteht die teuerste Immobilie der Stadt. Punkten soll das Gebäude mit neuester Technik und räumlicher Weite

Man könnte denken, das Haus stünde am Stadtrand. Vögel zwitschern, auf dem kleinen Platz bauen Händler die Stände eines Wochenmarktes auf. Man kennt sich und ruft sich zu. Nur wenige Meter entfernt verläuft die viel befahrene Leipziger Straße, und doch geht es an dieser Ecke von Berlins Mitte recht ruhig zu. Der Hausvogteiplatz liegt inmitten der Stadt und wirkt doch fast ein wenig abgeschieden.

Maik Uwe Hinkel geht mit flottem Schritt auf seinen Neubau zu. Er begrüßt einige Handwerker - noch ist das Gebäude nicht fertig, auch wenn sich der Bau in den letzten Zügen befindet. Dann läuft der 49-Jährige die Atriumstreppe hinauf und führt durch Wohnungen der nach seinen Angaben teuersten Immobilie der Stadt. Das Haus, das Hinkel vorfinanziert und gebaut hat, lässt keine Wünsche offen. Alle technischen Raffinessen, die es heute beim Bau gibt, sind verwirklicht. Hinkels Weg führt in die Tiefgarage, wo er zeigt, dass das Haus auf Stahlfedern montiert wurde. Man hört die älteste U-Bahn Berlins, die U 2, vorbeirattern - doch wackeln tut nichts. "In einer Wohnung des gehobenen Segments mit einem Verkaufspreis von 16.000 Euro pro Quadratmeter darf nicht die Kaffeetasse wackeln, wenn die U-Bahn vorbeifährt", erklärt er. Die Gesamtinvestitionssumme beläuft sich nicht von ungefähr auf etwa 25 Millionen Euro.

Privatsphäre bleibt gewahrt

Kein Wunder, denn das Gebäude bietet zahlreiche Finessen. Große Fensterflächen lassen viel Licht in die Wohnungen, die Zimmer sind ein wenig zurückgesetzt, damit die Privatsphäre gewahrt bleibt. Man hat einen wunderbaren Blick auf den Hausvogteiplatz, kann das Treiben beobachten, ohne selbst gesehen zu werden. Nach hinten hinaus fällt der Blick in Gärten von Townhouses, vom Dach aus kann man bis zum Berliner Dom sehen. Kein Wunder, dass zur Käuferklientel Berühmtheiten zählen; Namen dürfen aber nicht genannt werden.

Hinkel erzählt lieber davon, wie schwierig der Bau eines solchen Gebäudes heutzutage ist. "Gebaut nach den gültigen Effizienzrichtlinien ist der Ankauf unter 2000 Euro pro Quadratmeter nicht mehr möglich." Im Vergleich zu den Preisen in London oder Paris sei Berlin günstig. Zudem sei der Bau eines solchen Hauses in Innenstadtlage mit vielen Auflagen verbunden. "Man muss sogar auf Einflugschneisen von Schmetterlingen achten oder angeben, wo Turmfalken nisten könnten, obwohl hier schon seit Jahren keine mehr gesehen wurden."

Nach allen Schwierigkeiten ist das Gebäude nun fast fertig und besticht durch offene Architektur und großmaßstäbliche Gliederung. Wie schon die alte Hausvogtei im Bau der Reichsbank erkennbar blieb, finden sich nun beide Vorgängerbauten in der neuen Fassade wieder. Die circa 2,60 Meter tiefe Fassade wird im oberen Teil durch scheibenförmige Bauteile fächerartig in Loggien und Wintergärten gegliedert. Ein Raumabschluss für den Hausvogteiplatz und Kontinuität des Stadtraums sollen so gleichermaßen erreicht werden. Ein spezielles LED-Beleuchtungskonzept umfasst Gebäude und Wohnungen.

Insgesamt sind zehn Geschosswohnungen mit einer Gebäudetiefe von 16 Metern entstanden sowie zwei Ladeneinheiten im Erdgeschoss.

Vor allem innen hat das Haus seine Werte: "Es besitzt ein Staubsaugersystem, das durch das ganze Haus führt und mit dem die Luft sauber gehalten wird. Die 2,75 Meter hohen Türen ziehen sich automatisch zu. Fußbodenheizung und Kühldecken sorgen für angenehmes Raumklima", erläutert Hinkel. Das Penthouse warte darüber hinaus mit weiteren Finessen auf. Es verfüge über einen Weinkeller im Untergeschoss, einen Whirlpool auf der Dachterrasse, einen eingebauten Barbecue-Grill, Fitnessraum und Sauna, zwei Kamine und zwei Safes.

Quartier im stetigen Wandel

Auch die gebürtigen Spanier Paula Freitas da Costa und Luis Garrote de Alameda haben in eine Gewerbeimmobilie in diesem Haus investiert. Nach dem Verkauf ihrer Firma hatten die beiden die Wahl zwischen dem Umzug nach New York oder Berlin. Entschieden haben sie sich für die deutsche Hauptstadt, weil hier und besonders in Mitte architektonisch vieles möglich sei. Seit fünf Jahren leben sie im Quartier, in der ebenfalls von Hinkel errichteten Oxfordresidenz gleich nebenan an der Kleinen Jägerstraße. In dem an ein englisches Stadthaus erinnernden, barrierefreien Gebäude haben sie eine 280 Quadratmeter große Wohnung gekauft. "Seitdem erleben wir den stetigen Wandel und die Entwicklung dieses Stadtquartiers mit Spannung", sagt Paula Freitas da Costa. Als sie mit ihrem Mann in ihrer Immobilie vorbeischaut, werden sie von den dort arbeitenden Menschen freundschaftlich begrüßt - erneut geht es mitten in der Stadt zu wie auf dem Dorf.

"Bauen ist ein organischer Prozess, alles ändert sich immer wieder", sagt Hinkel, der bereits viele solcher Projekte in Berlin verwirklicht hat. Aus seinem 1995 gegründeten Immobilienprojektentwicklungs-Unternehmen cic group ging 2009 Living Bauhaus hervor. Die Firma vereint alle Leistungen von Projektsteuerung über Innenausbau bis zu Conciergeservice sowie Steuer- und Rechtsberatung unter einem Produktnamen. Hinkel konzentriert sich auf den Bau exklusiver Wohn- und Geschäftshäuser in Berlin - der Name "Living Bauhaus" soll Programm sein.

Meisterhaus als Meisterstück

Im Erdgeschoss der 2007 fertiggestellten Oxfordresidenz an der Kleinen Jägerstraße, 50 Meter entfernt vom Hausvogteiplatz, befindet sich das Büro von Living Bauhaus. In der Vergangenheit sanierte und modernisierte Hinkel ein Altbauensemble an der Schlegelstraße in Mitte und schuf eines seiner Lieblingsprojekte, die "Kastaniengärten" im Bezirk Prenzlauer Berg. "Jedes Projekt ist mir auf seine Art lieb und hat etwas ganz Besonderes in seinem jeweiligen Quartier", sagt Maik Uwe Hinkel. Mit dem Meisterhaus am Hausvogteiplatz lieferte er sein Meisterstück ab.