Expertenrat

Demokratie ist auch Arbeit

Wer Eigentum in einer Wohnanlage hat, weiß: So ähnlich muss Politik sein.

Denn Demokratie ist eine feine Sache, aber auch Arbeit. Ohne Lobbyisten geht nichts.

Schließlich müssen in einer Eigentümergemeinschaft Mehrheiten gefunden werden. Ohne Mehrheit kein Beschluss, ohne Beschluss keine Umsetzung, sprich: Es geht nichts voran. Wenn es um Modernisierungen geht, haben manche Eigentümer große Ideen, andere schlichtweg kein Interesse. Oder kein Geld. Oder beides nicht.

Da hilft nur Überzeugungsarbeit. Gerade bei Modernisierungen - dazu gehören alle Maßnahmen mit nachhaltiger Erhöhung des Gebrauchswertes und der Verbesserung der Wohnverhältnisse wie Wärmedämmung, Einbau eines Aufzugs oder einer Gegensprechanlage - müssen drei Viertel der Eigentümer zustimmen. Gezählt werden müssen die "Köpfe" sowie mehr als die Hälfte aller Miteigentumsanteile.

Etwas einfacher durchzusetzen sind sogenannte modernisierende Instandsetzungen, da hier schon eine einfache 51-Prozent-Mehrheit genügt. Allerdings muss bereits ein Reparaturbedarf bestehen. Ist die Hauseingangstür kaputt und muss sowieso ausgetauscht werden, kann man auch gleich über eine Sicherheitstür oder den Einbau einer Gegensprechanlage nachdenken.

In jedem Fall lohnt es sich, im Vorfeld der Versammlung die Nachbarn zu überzeugen, wenn man ein derartiges Anliegen hat - Lobbyarbeit eben. Denn ein Anspruch auf eine Modernisierung besteht nicht. Das Gute aber: Ein einziger Nörgler kann auch nichts verhindern. Das alles hat das WEG-Recht klar geregelt (§ 22. Abs. 2)

Umso wichtiger ist es, sein Stimmrecht auf der Eigentümerversammlung auszuüben. Wer keine Zeit hat, daran teilzunehmen, tut gut daran, sich per Vollmacht vertreten zu lassen, damit seine Stimme zählt. Denn: Ist die Zahl der Anwesenden zu klein, können keine Beschlüsse gefasst werden. Dann muss eine Wiederholungsversammlung einberufen werden. Überträgt man seine Stimme per Vollmacht - das kann auch an den Verwaltungsbeirat sein -, steht einer ordentlichen Abstimmung über die Tagesordnungspunkte nichts im Wege.

Hans-Georg Kranz ist Experte und Geschäftsführer der BWG, einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Nächste Woche: Mehrheiten bei der Eigentümerversammlung