Preise für Wohnraum

Teurer wohnen in Berlin

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Eigentumswohnungen kosteten 2011 im Schnitt 8,6 Prozent mehr. Dennoch kann sich der Kauf rechnen

- Der Traum von den eigenen vier Wänden wird auch in diesem Jahr deutlich teurer: Die Preise für Wohnraum in Deutschland steigen bis Jahresende voraussichtlich um 2,0 bis 3,5 Prozent, wie die Landesbausparkassen (LBS) in Berlin meldeten. Bereits im vergangenen Jahr mussten Interessenten mehr für eigenen Wohnraum ausgeben. Die Preise für Eigentumswohnungen in Großstädten stiegen 2011 teilweise sogar um 8,7 Prozent, wie die Zeitschrift "Finanztest" in ihrer neuen Ausgabe berichtet. Wegen der Euro-Krise versuchen immer mehr Anleger, ihr Geld in Immobilien anzulegen.

Am meisten stiegen die Preise in München (im Schnitt um 8,7 Prozent) und Berlin (8,6 Prozent), gefolgt von Hamburg mit 8,1 Prozent. Das Niveau ist allerdings ein anderes: In Berlin kostet eine Eigentumswohnung in guter Lage mit guter Ausstattung "Finanztest" zufolge 2485 Euro pro Quadratmeter, in Hamburg sind es 3465 Euro, in München 4230 Euro. In Potsdam kostete der Quadratmeter 2145 Euro. Im Schnitt waren es 4,1 Prozent mehr. In den meisten der mehr als 400 deutschen Städte und Landkreise dagegen stiegen die Preise nur um ein bis drei Prozent.

Sorge ums Vermögen

Auch Einfamilienhäuser verteuerten sich in Berlin im vergangenen Jahr, "Finanztest" berichtet von 2,6 Prozent im Schnitt. In Hamburg waren es 3,9 Prozent, in München 4,3 Prozent. Der Quadratmeter eines guten Hauses in guter Lage kostete 2855 Euro (Berlin), 2810 Euro (Hamburg) und 4970 Euro (München). In Potsdamm mussten im Schnitt 2600 Euro bezahlt werden, im Schnitt ein Plus von 2,3 Prozent.

"Finanztest" untersuchte die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser, die 2000 oder später gebaut wurden. Die Zeitschrift wertete Daten aus 28 Städten und 22 Landkreise aus, die der Verband der Pfandbriefbanken bereitstellte. Er erhebt seit zehn Jahren, wie viel Käufer für ihre Immobilie tatsächlich bezahlt haben. Die Daten stammen von den 41 Mitgliedsbanken und sind vergleichbar, weil sie nach einem einheitlichen Verfahren erfasst werden.

Die Deutschen haben anders als viele ihrer europäischen Nachbarn im vergangenen Jahr gut verdient, gleichzeitig sorgen sich viele wegen der Euro-Krise um ihre Ersparnisse. Viele stecken das Geld in eine Immobilie. Die Nachfrage habe sich deutlich erhöht, weshalb auch die Preise gestiegen seien, sagte LBS-Verbandsdirektor Hartwig Hamm unter Berufung auf die Analyse "Markt für Wohnimmobilien 2012". Dieser Preisauftrieb setze sich fort, am stärksten im Süden und Südwesten. Besonders neu gebaute Eigentumswohnungen verteuerten sich deutlich.

Die Nachfrage nach gebrauchten Eigentumswohnungen sei ebenfalls hoch, sagte Hamm. Jedoch sei hier das Angebot am Markt noch groß, was die Preise drücke. Bei frei stehenden Einfamilienhäusern gebe es große regionale Unterschiede, auch im Vergleich der Immobilienmärkte verschiedener Großstädte. Bei neuen Reihenhäusern sei mit einem Preisanstieg zu rechnen, gebrauchte Reihenhäuser seien deutlich günstiger. Auch Bauland könne teurer werden, da sich das Angebot vorerst wohl nicht vergrößere.

Die LBS werteten für die Untersuchung den Immobilienmarkt in 680 deutschen Städten aus. Die Bausparkassen bilden eigenen Angaben zufolge die größte Gruppe von Immobilienmaklern in Deutschland.

Moderate Preise

In den meisten Teilen des Landes müssen sich Käufer laut "Finanztest" jedoch nicht mit finanzkräftigen Investoren messen. In mittelgroßen Städten wie Kiel, Bremen, Magdeburg, Leipzig, Dresden oder Halle seien die Preise moderat. Preise und Mieten seien meist stabil. Die niedrigsten Immobilienpreise werden demnach im Osten Deutschlands verlangt.

Trotz der Preissteigerungen lohnt sich laut "Finanztest" häufig der Kauf einer Immobilie, statt Miete zu zahlen. Langfristig sei das Vermögen des Käufers wertvoller als das Ersparte des Mieters. Unabhängig davon, ob die neue Immobilie in der Stadt oder auf dem Land stehen soll, seien Lage, Bauqualität und die Ausstattung sehr wichtig. Allerdings könne es sich durchaus lohnen, eine Wohnung in guter Lage, aber mit einfacher Ausstattung zu kaufen. In diese könne später investiert werden, an der Lage lasse sich nichts mehr ändern.

Nach einer Umfrage der Hochschule Nürtingen-Geislingen in Zusammenarbeit mit dem Immobilienportal Immowelt können Makler wegen der hohen Nachfrage nach Wohnraum mittlerweile sogar Ladenhüter verkaufen. Nach Angaben von einem Fünftel der befragten Makler kauften private Investoren momentan auch bislang verschmähte Objekte. Ein gleichhoher Anteil der Experten sagte, die Kunden nähmen für Immobilien auch überhöhte Preise in Kauf. Fast die Hälfte der Makler erklärte, Kunden kauften Wohnobjekte, weil ihnen derzeit attraktive Alternativen zur Anlage fehlten.

( AFP/art )