Gastkolumne

Am besten plus/minus null

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Hans-Georg Kranz ist Experte und Geschäftsführer der BWG, einem der größten WEG-Verwalter Berlins.

Über ein kleines Guthaben freut sich am Ende jeder. Weist die Jahresabrechnung bei einigen Eigentümern aber „ein fettes Minus“ auf, müssen diese eine Nachzahlung leisten und sind verärgert. Zu Recht, denn dies kann ein Zeichen sein, dass der Verwalter keinen auskömmlichen Wirtschaftsplan erstellt hat.

Dabei ist dies eine seiner zentralen Aufgaben – geregelt im § 28 Absatz 1 WEG. Basierend auf den Einnahmen und Ausgaben des letzten Wirtschaftsjahres sollte der Wirtschaftsplan jedes Kalenderjahr auf die zu erwartenden Preissteigerungen hin angepasst werden, sodass bei der Jahresabrechnung alle Kosten gut abgedeckt sind: Versicherungsprämien, Treppenhausreinigung und Gartenpflege, Wartung des Aufzugs, Verwaltungskosten und natürlich auch Reparaturen oder Instandhaltungen. Die Kunst ist es, alle Kostenpositionen möglichst genau zu kalkulieren, dass am Ende des Wirtschaftsjahres bestenfalls „plus/ minus null“ herauskommt.

Dabei muss neben den anfallenden Lasten und Kosten auch der jeweilige Verteilerschlüssel berücksichtigt werden – der Gesamtwirtschaftsplan der Gemeinschaft ist die Summe der Einzelwirtschaftspläne aller Wohnungen. So berechnet sich das Hausgeld, das monatlich für eine Eigentumswohnung gezahlt werden muss, ähnlich der Betriebskostenvorauszahlung bei Mietwohnungen. Beim Hausgeld werden jedoch auch Kosten für laufende Reparaturen und Instandhaltungen und die Instandhaltungsrücklage berücksichtigt.

Der Wirtschaftsplan lässt sich nicht umgehen, auch nicht per Beschluss in der Versammlung. Schließlich geht es um die Liquidität der Gemeinschaft. Im Normalfall beschließt diese auf der jährlichen Eigentümerversammlung den mit dem Verwaltungsbeirat abgestimmten Wirtschaftsplan, der für den beschlossenen Zeitraum gilt.

Ist wider Erwarten „Ebbe“ in der Kasse, aber es sind Rechnungen noch nicht bezahlt, müssen unverzüglich die erforderlichen Mittel durch die Eigentümer zur Verfügung gestellt werden. Dies kann durch Beschluss eines Nachtragshaushaltes oder durch Erhebung von zweckgebundenen Sonderumlagen erreicht werden.

Nächste Woche: Einladung zur Eigentümerversammlung