Interview mit Constance Cremer

"Die Wohnprojekte leben vom Miteinander"

Wer sich für eine der 250 Berliner Gruppen interessiert, muss offen, kommunikativ und geduldig sein - und kompromissbereit

Das Interesse an generationsübergreifendem Wohnen wird immer größer, erklärt Constance Cremer von der Berliner Netzwerkagentur Generationenwohnen. Ihre Agentur hilft auch bei der Projektsuche und führt mittlerweile 1000 Interessierte auf der Mieterliste. Mit der Diplom-Ingenieurin sprach Anna Klar.

Berliner Morgenpost:

Welche Eigenschaften muss jemand mitbringen, um in einem generationenübergreifenden Wohnprojekt zu leben?

Constance Cremer:

Wohnprojekte leben im Wesentlichen vom Element des Miteinanders. Man sollte daher kommunikativ, offen und kompromissbereit sein. Mitzubringen sind ebenfalls Geduld, Zeit und der Wille zur Übernahme von Verantwortung für Aufgaben in der Gruppe.

Wie findet sich das richtige Projekt?

In Berlin gibt es inzwischen etwa 250 Projekte. Wichtig ist, dass die eigenen Ziele und Möglichkeiten geklärt sind. Es ist möglich, ein bestehendes Projekt zu finden, sich einer bestehenden Gruppe anzuschließen und ein Projekt gemeinsam zu entwickeln. Ohne Wille zur Gemeinschaft und eigene Aktivität wird es in keinem Falle gehen.

Wie können Sie helfen?

Die Netzwerkagentur unterstützt kostenfrei bei der Beratung und Suche. Jeder Interessierte kann Kontakt aufnehmen oder zu uns kommen. Wir vermitteln zur Wohnungswirtschaft, sind Berater in Fragen des generationenübergreifenden Wohnens, unterstützen bei der Entwicklung und Umsetzung von Projektideen und vernetzen Initiativen und Fachleute.

Werden auch Projekte gefördert?

Unsere Agentur arbeitet im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Die Beratung ist kostenlos. Zur Unterstützung von Baugemeinschaften und generationenübergreifenden Wohngruppen hat der Berliner Senat 2009 beschlossen, dass der Liegenschaftsfonds Grundstücke in einem Festpreisverfahren anbietet. Entscheidend ist das beste Konzept und nicht der höchste Preis. Eine direkte Wohnungsbauförderung gibt es nicht, umso wichtiger sind Beratungs- und Vernetzungsangebote.

Kann man in einem generationenübergreifenden Wohnprojekt auch zur Miete leben?

Baugemeinschaften werden meist als Eigentumsprojekte realisiert, hier wird man Teil der Baugemeinschaft und kauft eine Wohnung. Es gibt aber ebenso Projekte in Genossenschaften oder zur Miete.

Wie hoch ist die Nachfrage?

Für beide Segmente ist die Nachfrage hoch und in der Tendenz steigend. Familien möchten in der Stadt bleiben und realisieren diesen Traum oft über eine Baugemeinschaft. Inzwischen werden rund zehn Prozent des Neubauvolumens in Berlin durch Baugemeinschaften errichtet. Für die Älteren, die nach einer Alternative zu betreutem Wohnen und zum Heim suchen, ist die Stadt ebenfalls attraktiv, und neue Lebensmodelle werden erprobt. Etwa 1000 Interessierte führen wir auf unserer Mieterliste.

Wie lange dauert es, bis ein neues Projekt abgeschlossen und bezugsfertig ist?

Von der Idee bis zum Einzug vergehen mindestens zwei bis drei Jahre.

Vermitteln Sie auch freie Wohnungen in bereits abgeschlossenen Projekten?

Ja, uns werden ab und zu freie Wohnungen in Projekten gemeldet, die wir im Newsletter veröffentlichen, und es gibt regelmäßig Projektbörsen. Die meisten Projekte haben ein eigenes Auswahlverfahren, daher vermitteln wir direkt dorthin.

Weitere Informationen unter: www.netzwerk-generationen.de