Immobilienboom

Bauland ist noch immer günstig

Eigentümer baureifer Grundstücke profitieren bislang nicht vom Immobilienboom

Baulandbesitzer haben aus der durch die Finanzkrise ausgelösten Flucht der Anleger in Immobilien bislang noch keinen großen Nutzen ziehen können. Laut Statistischem Bundesamt betrug der durchschnittliche Quadratmeterpreis für baureifes Land zum Ende des dritten Quartals des vergangenen Jahres 130,03 Euro. Damit waren Baugrundstücke 3,2 Prozent günstiger als 2007. Im Jahr vor Beginn der Kapitalmarkt-Turbulenzen betrug der Quadratmeterpreis im Mittel noch 134,29 Euro.

Am teuersten ist baureifes Land in Hamburg und Berlin. Den Statistikern zufolge betrug der durchschnittliche Quadratmeterpreis in der Elbmetropole Ende September vergangenen Jahres 488,21 Euro. Berlin liegt mit 348,31 Euro an zweiter Stelle. In beiden Städten ist die Nachfrage nach Baugrundstücken durch die steigende Einwohnerzahl groß, während nur geringe Flächen zur Verfügung stehen.

Gefragt sind Wohnungen

In Bremen hingegen betrug der Durchschnittspreis aufgrund der geringen Nachfrage nur 110,60 Euro pro Quadratmeter. Am billigsten ist Bauland in den ostdeutschen Flächenstaaten mit schrumpfender Einwohnerzahl. In Sachsen-Anhalt kostete der Quadratmeter nur 25,93 Euro und in Thüringen 35,36 Euro.

Grundsätzlich konzentriere sich der Investmentboom auf fertiggestellte Objekte in den Großstädten, sagt Andreas Schulten, Vorstand der Immobilienforschungsgesellschaft BulwienGesa. "Anleger suchen vor allem Eigentumswohnungen in zentralen Lagen der Metropolen." Hingegen sei das Interesse an Bauland für die Errichtung neuer Eigenheime im Grünen gering. "Die unterschiedliche Entwicklung der Preise bei Eigentumswohnungen und baureifen Grundstücken zeigt, dass die Finanzkrise und die niedrigen Zinsen keinen Bauboom im Eigenheimsegment ausgelöst haben", sagt Schulten.

Viele Käufer seien an Kapitalanlageobjekten interessiert, die sie nicht selber nutzen, sondern vermieten wollten, erklärt Thomas Beyerle, Chefresearcher der Immobiliengesellschaft IVG. "Dazu eignen sich Wohnungen und Mehrfamilienhäuser in urbanen Lagen, nicht aber Eigenheime in der Peripherie." Tatsächlich haben die meisten potenziellen Eigennutzer - die klassische Gruppe der Baulanderwerber - den Traum vom eigenen Heim nach Ausbruch der Finanzkrise zunächst zurückgestellt. Das zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Preisentwicklung bei baureifen Grundstücken in den vergangenen fünf Jahren.

2007 betrug der Durchschnittspreis für baureifes Land noch 134,29 Euro pro Quadratmeter. Als im Jahr darauf die Turbulenzen an den Kapitalmärkten begannen, verbilligten sich Baugrundstücke um 5,7 Prozent auf im Mittel 126,58 Euro pro Quadratmeter. Mit der globalen Rezession 2009 fielen die Preise um weitere 3,6 Prozent auf 122,05 Euro im Durchschnitt. "Die Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung und die Sorge um ihren Arbeitsplatz hielt damals viele potenzielle Häuslebauer davon ab, ein Baugrundstück zu erwerben und ein Eigenheim zu errichten", sagt Beyerle.

Auswahlkriterium S-Bahn

Erst 2010, als die Konjunktur wieder anzog, legten auch die Baulandpreise wieder zu. Mit durchschnittlich 129,67 Euro pro Quadratmeter waren Grundstücke aber noch 3,5 Prozent günstiger als vor Ausbruch der Finanzkrise. In den ersten neun Monaten des vergangen Jahres dämpfte die Staatsschuldenkrise die Nachfrage erneut, und die Preise legten bis Ende September 2011 nur noch um 0,28 Prozent auf 130,03 Euro pro Quadratmeter zu.

Auch in den kommenden Jahren sei nicht mit einer signifikanten Teuerung beim Bauland zu rechnen, meint Günter Vornholz, Professor für Immobilienwirtschaft bei der EBZ Business School in Bochum. "Der stark gestiegene Ölpreis treibt immer mehr Menschen dazu, möglichst nahe bei ihren Arbeitsplätzen in den Städten zu wohnen." In den Speckgürteln der Metropolen seien Immobilien deshalb nur noch in Orten mit S-Bahn-Anschluss gefragt. Gerade diese Gemeinden hätten in den Jahren vor Beginn der Finanzkrise jedoch in großem Umfang neue Baugebiete ausgewiesen, sagt Vornholz. "Das Angebot an freien Baugrundstücken ist groß genug, um die Nachfrage zu befriedigen."