Umwelt

Das Klo spült auch mit Regenwasser

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Stephanie Hoenig

Auffanganlagen für das kostbare Nass im Eigenheim lohnen sich - vor allem für die Umwelt

Trinkwasser ist kostbar und teuer. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserversorger (BDEW) in Berlin lag der durchschnittliche Wasserverbrauch 2011 bei 122 Litern pro Person und Tag. Durch die Toilette rauschten allein 33 Liter, fürs Wäschewaschen wurden 15 Liter und fürs Putzen, die Autopflege und den Garten sieben Liter verbraucht. Mancher Bauherr und Hausbesitzer denkt deshalb darüber nach, Regenwasser nicht nur zur Gartenbewässerung einzusetzen. Denn auch im Haus lässt es sich für die WC-Spülung oder die Waschmaschine nutzen.

"Die Voraussetzung, Regenwasser im Haus zu verwenden, ist eine fachgerecht installierte Regenwassernutzungsanlage", sagt Dietmar Sperfeld von der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung (fbr) in Darmstadt. Ideal für den Einbau einer Hausanlage sei ein schräges Dach. Zu der Anlage gehören ein Wasserspeicher aus Beton oder Kunststoff, ein Rohr- und Filtersystem und eine möglichst effiziente Pumpe. Der Preis liege bei etwa 3000 bis 5000 Euro. Angemeldet werden muss die Anlage beim Wasserversorger, und vor Inbetriebnahme ist sie dem Gesundheitsamt anzuzeigen.

Öltanks als Speicher

"Eine Regenwassernutzungsanlage sollte immer von qualifizierten Handwerkern eingebaut werden", sagt Franz-Josef Heinrichs vom Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima in Bad Augustin. Außerdem müssten beim Bau der Anlage gesetzliche Bestimmungen nach der DIN-Norm 1989-1 eingehalten werden. Wichtigster Punkt: "Es darf keine direkte Verbindung zwischen Trink- und Regenwasserkreislauf geben", sagt Heinrichs.

So ein Regenwasserspeicher kann entweder im Keller oder außerhalb im Erdreich des Gartens aufgestellt werden. "Für das Sammeln von Regenwasser sind sowohl Beton- als auch Kunststoffspeicher geeignet", erläutert der Sanitärexperte. Auch stillgelegte Öltanks oder Abwassergruben können nach gründlicher Reinigung durch eine Fachfirma im Einzelfall genutzt werden. Kellertanks sollten aus lichtundurchlässigem Kunststoff bestehen, damit sich im Gefäß keine Algen bilden.

Der Regenwasserspeicher muss den Angaben zufolge mit einem Überlauf ausgestattet sein, wenn zu viel Nass vom Himmel kommt. Ist es aber mal über längere Zeit trocken, müsse die Anlage auch mit Trinkwasser aufgefüllt werden können. Hierbei dürfe Regenwasser aber nicht mit der Trinkwasserinstallation in Verbindung kommen.

Dachgröße ist wichtig

"Ob sich Regenwasser mit einer solchen Anlage effektiv nutzen lässt, hängt von vielen Faktoren ab", erklärt Sebastian Schönauer, Wasserexperte beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Rothenbuch (Bayern). Dazu gehören zum Beispiel die Größe des Dachs, die zu erwartende Niederschlagsmenge sowie die Anzahl der Personen im Haushalt. "Besonders interessant ist Regenwassernutzung für einen Hausbesitzer mit großem Garten, der in Trockenperioden gewässert werden muss", sagt Schönauer und betont: Für die Umwelt zahle sich der Einbau von Zisternen immer aus. Denn mit ausreichend großen Regenspeichern werde das Niederschlagswasser aufgefangen und damit vom schnellen Abfluss Richtung Gewässer oder Kläranlagen abgehalten.

Waschmittel sparen

Auch zum Wäschewaschen ist Regenwasser gut geeignet. "Wer weiches Regenwasser für die Waschmaschine nutzt, spart Waschmittel und Weichspüler und belastet damit das Abwasser weniger mit Chemikalien", sagt Dirk Petersen von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Mieter müssen allerdings immer selbst entscheiden können, ob sie ihre Wäsche mit Trinkwasser oder Regenwasser waschen wollen", betont Franz-Josef Heinrichs.

Die Wasserwirtschaft sieht Regenwasseranlagen eher kritisch. Wer in einer Zisterne Regenwasser sammelt, fängt damit häufig das vom Dach ablaufende Wasser ab. "Es ist kein pures Regenwasser, denn es löst Schadstoffe von den Dachflächen ab: Schwermetalle, Bakterien, Krankheitserreger. Sie gelangen dann in die Zisterne", heißt es beim Bundesverband der Energie- und Wasserversorger. Zudem sei der Einbau einer sachgerecht konzipierten Anlage fast immer ein wirtschaftliches Zuschussgeschäft.

( dpa )