Urteil

Barrierefrei: Auch die Terrasse muss ohne Schwellen zugänglich sein

Bietet ein Bauträger laut Baubeschreibung barrierefreien Wohnraum an, der bequem und ohne Schwellen zu erreichen ist, müssen auch die Zugänge zu den Terrassen schwellenfrei sein.

Das ergibt sich aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe (4 U 160/08), teilt der Verbraucherschutzverein "wohnen im eigentum" mit. Entscheidend war für das Gericht, dass es im notariellen Kaufvertrag ausdrücklich hieß, der Wohnraum sei für Senioren ab 60 Jahren und Schwerbehinderte mit Betreuungsbedarf bestimmt. Dazu gehört laut Gericht Barrierefreiheit. Konsequenz: Der Bauträger muss die Schwellen an den Balkonen auf seine Kosten beseitigen.

Wer allerdings in einer Wohnung wohnt, die nicht barrierefrei ist und trotz Bedarfs nicht umziehen möchte - für den ist wichtig zu wissen, wie die nötigen Umbauten finanziert werden können, insbesondere wenn die Eigenmittel nicht reichen. Die Pflegekasse etwa kann bis zu 2557 Euro zuschießen.

Recht auf Umbauten

Außerdem gibt es die Möglichkeit eines KfW-Darlehens: Mit dem Programm "Altersgerecht umbauen" werden sowohl Vermieter und Wohnungsbaugenossenschaften als auch selbstnutzende Eigentümer gefördert. "Die KfW-Bankengruppe gewährt spezielle Umbau-Kredite von bis zu 50.000 Euro", erklärt Katrin Hodler, Vorstandsvorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung, im Patientenmagazin "HausArzt". Allerdings können Mieter nicht selbst Hilfe aus dem Programm beantragen. Sie müssen sich an den Vermieter wenden, haben aber ein Recht auf die entsprechenden Umbauten, betont Hodler: "Schließlich ist das Recht auf Barrierefreiheit im Paragrafen 554a des Bürgerlichen Gesetzbuches festgeschrieben."

( BM )