Versicherungen

Nach dem Einbruch folgt die "Stehlgutliste"

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Andreas Kunze

Nur wer sie vorlegt, behält den Versicherungsschutz

Nach einem Wohnungseinbruch ist die Aufregung verständlicherweise groß. Dennoch ist eine kühle Bestandsaufnahme unverzichtbar: Der Polizei und dem Versicherer muss so schnell es geht eine "Stehlgutliste" vorgelegt werden, sonst kann der Versicherungsschutz gefährdet sein.

Einbruchdiebstahl gehört zu den versicherten Risiken einer Hausratversicherung. Ein typischer Irrtum ist jedoch, dass nach einem Einbruch nur eine Schadenmeldung bei der Versicherungsgesellschaft sowie die Anzeige bei der Polizei zu erfolgen habe. Dabei ist mehr nötig, damit es bei der Schadenregulierung später keine Schwierigkeiten gibt: Unverzüglich müssen die Versicherungsgesellschaft und die Polizei ein Verzeichnis der verschwundenen Gegenstände erhalten - im Versicherungsdeutsch "Stehlgutliste" genannt. Dazu gehören möglichst präzise Angaben wie "ein Laptop Marke XYZ, Gerätenummer 123, gekauft Sommer 2011 für ca. 700 Euro".

Keine festen Fristen

Mit der Abgabe einer Stehlgutliste bei der Polizei erfüllt der Versicherungskunde eine Vertragspflicht, die in den Versicherungsbedingungen geregelt ist. Hintergrund: "Nur wenn die Polizei schnell ein solches Verzeichnis erhält, ist eine Erfolg versprechende Sachfahndung und Ermittlungsarbeit möglich, und die Chancen zur Wiedererlangung der Beute steigen", sagt Martina Susenberger von der Gothaer Versicherung in Köln.

"Unverzüglich" soll die Stehlgutliste vorliegen. Juristen übersetzen das mit: ohne schuldhaftes Zögern. Es gibt dafür keine festen Fristen, es kommt auf die persönliche Situation an. Wenn ein Kunde zum Beispiel schwer erkrankt ist und sich sonst niemand um die Stehlgutliste kümmern kann, bleibt mehr Zeit. "Ab drei Wochen gilt eine Einreichung aber regelmäßig als verspätet", sagt Susenberger. So sah das Landgericht Oldenburg (Az: 13 O 3064/09) zum Beispiel einen Monat als viel zu lang an, um noch "unverzüglich" zu sein. Bei diesem Fall war Hausrat in überschaubarer Menge aus einem aufgebrochenen Auto verschwunden.

Wer sich mit der Stehlgutliste zu lange Zeit lässt, muss damit rechnen, dass der Versicherer die Schadenregulierung ganz oder teilweise verweigert. Das darf aber nur im Verhältnis zum Verschulden geschehen. Dabei ist wichtig, ob eine fehlende Stehlgutliste die Fahndung erschwert hat. Die Oldenburger Richter sahen eine Kürzung von 40 Prozent als angemessen an.

( ftx )