Finanzierung

Teures Leben im Denkmal

| Lesedauer: 4 Minuten

Wird die Sanierung ungenau geplant, droht die Kostenexplosion - Förderung erleichtert

Leben im Denkmal - davon träumen viele. Zunehmend investieren Kapitalanleger und Privatkäufer deshalb auch in denkmalgeschützte Gebäude, die zudem oft zentrumsnah und in begehrten Wohngegenden liegen. Allerdings müssen die meisten aufgrund von energetischen und sicherheitstechnischen Aspekten saniert werden, und das birgt auch Tücken.

"Die Möglichkeiten der energetischen Ertüchtigung der Gebäude sind sehr begrenzt", warnt Dietmar Häßler, Experte für Bauschadensbegutachtung und Vertragspartner der Gesellschaft für Technische Überwachung GmbH (GTÜ): "Denn Bauherren müssen die Auflagen der Denkmalschutzbehörde und des Brandschutzes beachten sowie das äußere Erscheinungsbild der Fassade erhalten." Zudem gelte es, die Standards von Neubauten zu erreichen, um den Ansprüchen von künftigen Mietern und Eigentümern gerecht zu werden.

Neue Regeln für KfW-Hilfe

Zumindest die Fördervoraussetzungen für entsprechende Maßnahmen hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Rahmen ihrer Programme Energieeffizient Sanieren - Kredit (151/152) und Energieeffizient Sanieren - Investitionszuschuss (430) erleichtert. Das betrifft vor allem die Sanierung der Gebäudehülle, da aufwendig gestaltete und erhaltenswerte Fassaden bei Altbauten wärmeschutztechnisch meist schwer zu optimieren sind.

Zur Förderung zum KfW-Effizienzhaus-Standard Denkmal ist vor allem die Senkung des Primärenergiebedarfs in den Vordergrund gerückt, eine komplette Fassadendämmung ist nicht mehr erforderlich. Gefördert werden die Komplettsanierung zum KfW-Effizienzhaus Denkmal sowie Einzelmaßnahmen an Wohngebäuden, die als Baudenkmal oder als sonstige besonders erhaltenswerte Bausubstanz eingestuft werden. Die Förderung erfolgt durch Darlehen zu vergünstigten Zinssätzen und Tilgungszuschüsse von 2,5 Prozent der Darlehenssumme oder alternativ mit Investitionszuschüssen.

Genau untersuchen

"Ohne ausführliche Voruntersuchungen am Bauwerk ist eine denkmalgerechte Sanierungsplanung und Bauausführung allerdings risikoreich", warnt Gutachter Häßler. Die Sanierungskosten könnten schnell aus dem Ruder laufen, oder nach wenigen Jahren könnten erneute Sanierungsarbeiten anstehen. Deshalb rät Häßler zu einer ausführlichen Bestandsaufnahme des Gebäudes. Dazu gehöre sowohl die Bewertung von Fundament, Mauerwerkswänden und Deckenbalken als auch von Besonderheiten der Fassade wie Verankerungen der Gesimse, Fensterbekrönungen und Balkone.

Hohe Anforderungen

Wichtig sei auch, die Kennwerte vorhandener Baustoffe zu bestimmen, um deren Verträglichkeit mit neuen Materialien beurteilen zu können. Zudem gelte es, Baugrund und hydrologische Verhältnisse zu prüfen, Bauschäden zu dokumentieren sowie gezielt nach Schadstoffen wie Asbest, PCP/DDT, Teer oder Blei zu suchen - am besten mit Hilfe eines Experten für Bauschadensbegutachtung und baubegleitende Qualitätskontrolle.

Der Jahres-Primärenergiebedarf eines KfW-Effizienzhaus Denkmal darf den errechneten Wert des Referenzgebäudes nach EnEV 2009 um bis zu 60 Prozent überschreiten. Für den Transmissionswärmeverlust bestehen keine festen Vorgaben. Für die Planung der energetischen Maßnahmen am Baudenkmal und die notwendigen Berechnungen vom erreichten KfW-Effizienzhaus-Niveau muss allerdings ein Energieberater für Baudenkmale eingeschaltet werden.

Fördermittel aufgestockt

Sind die Auflagen des Denkmalamtes so umfangreich, dass auch der Zielwert des Jahres-Primärenergiebedarfs von 160 Prozent nicht erreichbar ist, können genau wie bei Einzelmaßnahmen wie der Wanddämmung und der Erneuerung von Fenstern spezielle Ausnahmeregelungen greifen - wenn das Urteil eines Sachverständigen dazu vorliegt.

Auch grundsätzlich können Haus- und Wohnungseigentümer in Berlin wieder mit mehr Geld für klimagerechte Sanierungen rechnen. Für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm der KfW werden im Bundeshaushalt bis 2014 feste Fördermittel von 1,5 Milliarden Euro bereitgestellt, erklärt Erhard Strobel, der Berliner Bezirksvorsitzende der IG Bau: "Damit steigen die Chancen, Fördergelder zu bekommen." Allein im vergangenen Jahr seien durch das Gebäudesanierungsprogramm 18.540 Wohneinheiten in Berlin gefördert worden. Laut IG Bau sind für die energetische Sanierung rund 171 Millionen Euro an zinsgünstigen Krediten aus dem KfW-Programm nach Berlin geflossen. Über die Details zu ihren Förderungen informiert die KfW unter der kostenfreien Servicenummer 0800 539-90 02.

( koj )