Eigentum

Warum die Innenstadt junge Familien anzieht

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Oliver Klempert

Im "Parkquartier Dolziger" entstehen im Friedrichshainer Samariterviertel 40 neue Wohnungen

Lisa und Samuel Schwarz stehen mit ihrem elfmonatigen Sohn Linus vor einer riesigen Baugrube. Über ihnen drehen sich große Baukräne. Noch müssen sie sich gut ein Jahr gedulden - doch dann wollen sie hier in ihre neue Eigentumswohnung einziehen. "Aktuell suchen wir die Küche aus", sagt Sportsoldat Schwarz, der als Eisschnellläufer bekannt ist und bereits an den Olympischen Winterspielen in Vancouver und Weltmeisterschaften teilgenommen hat. Während er in seinem Sport mit bis zu 60 Stundenkilometern über das Eis rast, ist er an "seiner" Baugrube nur Beobachter des Baufortschritts: "Nachher trage ich in mein kleines Bautagebuch ein, dass derzeit das Fundament und der Keller entstehen."

Der Wohntraum der Familie erfüllt sich im Samariterviertel in Friedrichshain, direkt im Herzen von Berlin. Dort baut das Immobilienunternehmen Agromex seit September 2011 eine neue Wohnanlage mit 40 Wohneinheiten, das "Parkquartier Dolziger". Dazu gehören auch fünf Dachwohnungen mit eigener Dachterrasse und zwei Stadthäuser mit Gartenanteil. Die Wohnungen haben zwei, drei, vier oder fünf Zimmer sowie einen Balkon, Dachterrasse oder Gartenanteil. Alle Etagen sind per Fahrstuhl zu erreichen. Die Tiefgarage bietet neun Einzel- und 18 Doppelparkplätze. Im Eingangsbereich sollen später große Glasflächen und Naturstein dominieren.

Parkanlage zum Entspannen

Damit sich insbesondere junge Familien angesprochen fühlen, schafft Agromex eine großzügig angelegte Umgebung mit viel Raum und Ruhe. Bäume, Blumen, Sträucher und ein eigenes Wasserspiel sollen den Garten zur Parkanlage aufwerten und zum Entspannen einladen. Man habe bei der Planung des Gebäudeensembles bewusst darauf verzichtet, die gesamte Fläche von 3000 Quadratmetern zu bebauen, erklären die Planer. Stattdessen wurde ein 1500 Quadratmeter großes, zum Haus gehörendes parkähnliches Areal in die Wohnanlage integriert. Das ist auch Samuel Schwarz wichtig: "So kann man die Kinder auch mal zum Spielen runter schicken, ohne Angst haben zu müssen."

Auch das Energiekonzept ist besonders. Es ist umweltfreundlich und auf geringe Unterhaltskosten ausgelegt. Die Heizung erfolgt zentral über eine Holzpellet-Anlage, die Warmwasser-Aufbereitung über Solarenergie. Die im Mehrfamilienhausbereich immer noch innovative Kombination von Pelletheizung und Solarthermie soll die Bewohner von zukünftigen Preisentwicklungen bei Öl und Gas gänzlich unabhängig machen - denn anders als bei Öl und Gas sind die Verfügbarkeit und die Preisstabilität der Pellets langfristig sichergestellt, da Deutschland europaweit die höchste Pelletproduktion hat.

Die Sonne heizt das Wasser

Durch die Kombination wird zusätzlich die kostenlose Energie der Sonne für die Warmwasserbereitung genutzt. So kann jährlich ein Anteil von 50 bis 65 Prozent des Warmwasserbedarfs mit Sonnenenergie abgedeckt werden. Im Sommer soll die Solaranlage meistens für das gesamte Warmwasser sorgen, so dass die Pellet-Heizanlage abgeschaltet werden kann. Eine derart große Wohnanlage, die ausschließlich mit erneuerbaren Energien heizt, hat in Deutschland immer noch Seltenheitswert.

Kiez im Wandel

Das Energiekonzept zur Wärmeerzeugung setzt einen hohen Standard bei der Dämmung des Gebäudes voraus. Daher wird das Parkquartier im KfW-70-Standard gebaut und hat damit lediglich einen Primärenergiebedarf von 70 Prozent eines "normalen" Neubaus nach Energie-Einspar-Verordnung (EnEV) und höchstens 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

"Gefunden haben wir das Projekt im Internet, und wir waren schnell vom Gesamtpaket überzeugt", sagt Samuel Schwarz. Nach dem Besuch an der Baustelle spaziert das Paar noch durch den Samariterkiez. "Ein wenig Bedenken hatten wir beim Kauf schon, vor allem, weil manche Bewohner denken könnten, dass jetzt Neureiche kommen", sagt Grundschullehrerin Lisa Schwarz nachdenklich. Diese Befürchtungen sind nicht grundlos - in den vergangenen Jahren sind die Mieten und die Immobilenpreise in Friedrichshain stark gestiegen, was die bisherige Bevölkerungsstruktur stark verändert.

Großes Abenteuer

Heute gibt es viele neu zugezogene Bewohner. "Aber auch wir haben für die Wohnung einen Kredit aufgenommen und haben normale Berufe", betont Schwarz. Auch sie müssten rechnen: "Laminat oder Parkettboden - das ist durchaus eine Frage, die uns bewegt." Im Übrigen stamme Samuel Schwarz aus Prenzlauer Berg, seine Frau Lisa kommt aus Tempelhof.

Die Preise für Eigentum in Friedrichshain liegen laut Wohnungsreport der GSW bei bis zu 3700 Euro pro Quadratmeter, im Durchschnitt sind es 2300 Euro pro Quadratmeter. Warum sich Familie Schwarz trotzdem für das Samariterviertel entschieden hat, ist schnell erklärt. "Zum einen wollen wir in der Innenstadt bleiben, ein Haus draußen vor der Stadt wäre nicht unsere Sache", sagt Samuel Schwarz, aber auch die Vorteile des Viertels selbst (siehe Kasten) überzeugen sie. Mittlerweile kann er es kaum abwarten, endlich im neuen Kiez einzuziehen. "Dass wir dabei sind, wie ein neues Stück dieses alten Kiezes entsteht, ist ein großes Abenteuer", sagt Schwarz - ein fast so großes Abenteuer wie ein richtiger Hausbau.