Wohndesign

Mehr Kunstwerk als Möbelstück

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Uta Abendroth

Designer bieten Tische für jeden Geschmack an. Meist sind die Formen eher schlicht

In den vergangenen Jahren wurde geloungt, gelümmelt, auf der Couch abgehangen. Doch drei Strömungen rücken den Tisch plötzlich in den Fokus. Nummer eins ist das Kochen: Wenn das Essen schon mit viel Mühe zubereitet wird, sollen die Gäste auch an einem schönen Tisch speisen können. Nummer zwei sind innovative Materialien: Sie machen ganz neuartige Konstruktionen möglich. Und Nummer drei ist die Sammelleidenschaft von Designliebhabern, die ihr Augenmerk bisher auf Stühle und Liegen gerichtet hatten, und nun den Tisch für sich entdeckt haben.

Dünne Carbonplatte

"Am Tisch verbringt man intensive Zeit des Nachdenkens oder versammelt Familie und Freunde zum gemeinsamen Speisen", erläutert Birgit Gebhard vom Trendbüro Hamburg. "Damit erhält das Möbel einen symbolischen, einen sinnstiftenden Wert." Für Tische namhafter Designer müssen Kunden dabei einiges investieren: Sie kosten schon mal fünf- bis sechsstellige Summen. Dafür sind solche Tische echte Hingucker. Das gilt für die Stücke aus dem Haus der Firma Established & Sons. Die Briten vereinen in ihren Entwürfen ein bisschen Kunst, eine große Dosis Design, eine Prise Mode und ziehen damit Prominente an, die solche Entwürfe lieben.

Eine Faszination löst der "Surface Table" von Terence Woodgate und Formel-1-Ingenieur John Barnard aus, den sie ebenfalls für Established & Sons kreiert haben. Sie entwarfen in einer kühnen Kombination von aktuellster Rennwagen- und Flugzeugtechnik ein hauchdünnes Etwas aus Carbonfasern: Die Platte des Tisches hat bei einer Länge von drei Metern gerade einmal eine Stärke von zwei Millimetern. Das ist fünfmal weniger als jedes annähernd vergleichbare Objekt. Ein weiteres Beispiel kommt aus Holland: "Wir lieben das Alte, aber wir wollen was Neues und auch scheinbar unmögliche Wege einschlagen", sagt Jeroen Verhoeven, einer von drei Designern des Trios Demakersvan aus Rotterdam. Ein Beispiel ihrer Arbeit ist der "Cinderella Table", ein Realität gewordenes Fantasiemöbelstück: Es ist eine Neuinterpretation alter Stücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert, in dem sich Tisch und Kommode vermengen. Von vorn wirkt das Möbel kompakt, auf der Rückseite ist es hohl. Es gibt die hölzerne Version und nur sechs 200 Kilogramm schwere Stücke aus Carrara-Marmor. Einen hat Schauspieler Brad Pitt gekauft, einer steht im Londoner Victoria & Albert Museum.

Ohne digitale Zeichenprogramme und eine computergesteuerte Fräse wäre diese Tischskulptur unmöglich gewesen. "Es geht darum, etwas Einzigartiges mit einer intelligenten Maschine zu schaffen, die normalerweise für die Massenproduktion eingesetzt wird", erklärt Verhoeven.

Marmor oder Esche

Die Qual der Wahl überlässt die italienische Möbelmarke Minotti beim Esstisch "Claydon" seinen Kunden: Für den Tisch von Rodolfo Dordoni mit vierfüßigem Sockel kann für die Platte zwischen Portoro- oder Emperador-Marmor, mokkafarbener Esche oder einer MDF-Platte mit Hochglanzlackierung gewählt werden. Dadurch und durch die verschiedenen Preise dürfte der Tisch für einen größeren Kundenkreis interessant sein - schließlich kann nicht jedes Unternehmen auf Sammler setzen.

( dpa )