Wohnungsmarkt

Finanzinvestoren sind auf Einkaufstour

Cerberus übernimmt 26.000 deutsche Wohnungen - auch in Berlin

Auf dem deutschen Wohnungsmarkt bahnt sich eine weitere große Übernahme an. Der US-Finanzinvestor Cerberus will mit der deutschen Corpus Sireo ein Immobilienportfolio der angeschlagenen britischen Gesellschaft Speymill übernehmen, die zuletzt einen Bestand von rund 26.000 Wohnungen in ganz Deutschland managte. Die Transaktion wurde bereits vom Kartellamt abgesegnet. Cerberus wollte sich dazu nicht äußern.

In Branchenkreisen hieß es, Cerberus sei an insgesamt 22.000 Wohnungen von Speymill interessiert. Der US-Investor zahle rund 900 Millionen Euro, bestätigte Speymill-Manager Nigel Caine. Das läge eher am unteren Ende der marktüblichen Preise, meinen Analysten. Der Sanierungsaufwand in dem Bestand sei hoch und die Verwaltung wegen der breiten regionalen Streuung der Wohnungen schwierig, hieß es. Zuletzt sollen auch der Goldman Sachs-Fonds Whitehall und die schweizerische Corestate im Rennen gewesen sein.

Zuvor hatte das britische Fondshaus Benson Elliot 3000 Wohnungen in 80 Objekten aus dem notleidenden Speymill-Portfolio übernommen. Mehr als 60 Prozent dieses Bestandes befinde sich in Berlin, teile der Investor mit. Finanziert hatte diese Übernahme die Landesbank Berlin. 2010 hatten die Briten bereits das Silvertower Portfolio mit 700 Einheiten in der Hauptstadt übernommen.

Der Deal von Cerberus ist schon der dritte große Immobilienverkauf in Deutschland in diesem Jahr: Zuerst gingen 21.000 LBBW-Wohnungen für 1,4 Milliarden Euro an die Augsburger Gesellschaft Patrizia Immobilien in Kooperation mit Versicherungen und Pensionskassen. Und erst vor wenigen Wochen verkaufte die BayernLB ihre ostdeutsche Tochter DKB Immobilien mit insgesamt 25.000 Wohnungen für knapp eine Milliarde Euro inklusive Schulden an das Hamburger Unternehmen TAG.

Auch der Bund will verkaufen

Weitere Transaktionen dürften in den nächsten Monaten folgen: Der Bund privatisiert gegenwärtige die milliardenschwere ostdeutsche Gesellschaft TLG Immobilien. Und die BayernLB schiebt demnächst auch den Verkauf ihrer Immobilientochter GBW mit 33.000 Einheiten in Süddeutschland an. Der Bund will allerdings vermeiden, dass der Verkauf der in Berlin residierenden TLG, der 12.000 Wohnungen und 300 Gewerbeimmobilien gehören, zum Wahlkampfthema wird. So soll es eine Sozialcharta geben, die Mieterrechte und Instandhaltungen auf Jahre festschreibt und Luxussanierungen verbietet. "Die Liste der TLG-Interessenten dürfte lang sein", behauptet ein Branchenkenner. "Der deutsche Immobilienmarkt ist sehr solide und es gibt viel ausländisches Kapital, das dringend Anlagemöglichkeiten sucht." Bei den Interessensbekundungen, die bis zum 16. April beim beauftragten Investmenthaus Barclays abgegeben werden müssen ist allerdings fraglich, ob für ein verstreutes Portfolio mit einigen Perlen ein Milliarden-Betrag auf den Tisch gelegt wird.

Schon in den Boomjahren nach der Jahrtausendwende waren Finanzinvestoren auf dem deutschen Immobilienmarkt einkaufen gegangen. Prominentestes Beispiel: Der US-Finanzinvestor Fortress, der bundesweit Wohnungsbestände der öffentlichen Hand zusammenkaufte, dann die Gagfah 2006 an die Börse brachte.

Die Speymill Deutsche Immobilien Company (SDIC) wurde 2006 mit Sitz auf der Isle of Man gegründet. Über die Jahre kaufte die Firma vorzugsweise kleine Portfolien im ganzen Land zu und blieb damit unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle. Der Wohnungsbestand liegt heute unter anderem in Berlin, Leipzig, Dresden, Köln und Frankfurt. Derzeit verhandelt Speymill mit den Gläubigern über einen Restrukturierungsplan.

Cerberus ist auf dem deutschen Wohnungsmarkt schon längst kein unbekannter Investor. Die Beteiligungsgesellschaft brachte vor einem Jahr zusammen mit Goldman Sachs den Berliner Wohnungskonzern GSW mit großem Erfolg an die Börse. Nach dem Komplettausstieg hat Cerberus nun wieder Finanzkraft für neue Zukäufe.