Architektur

Ein Haus ohne Heizung und Türen

Beatrice Mosca und Wolfgang Schöning haben sich ein Passivhaus mit vielen Raffinessen gebaut

Das Gebäude wirkt zeitlos und urban - zu Recht, denn hier steht ein Passivhaus, ein energieeffizienter und nachhaltiger Neubau.

Von den Bauherren, dem Architektenehepaar Wolfgang Schöning und Beatrice Mosca, entworfen, ist das dreistöckige Stadthaus ein Paradebeispiel für modernstes Energiemanagement in einem konventionellen Bau. "Wir haben uns ganz bewusst für ein zukunftsträchtiges Haus entschieden", sagt Wolfgang Schöning. "Zum einen wollten wir den Energieverbrauch niedrig halten, so dass das Haus auch in zehn Jahren nicht veraltet ist." Zum anderen sei es ein träges Haus, das heißt, es wurde nicht mit Holz, sondern mit Wänden aus Kalksandstein und Decken aus Beton gearbeitet, um viel Masse zu erzeugen. "Diese Masse speichert Energie, sprich Wärme, und gibt sie nur langsam wieder ab", erklärt der Architekt: "Man muss kaum zusätzliche Wärme hinzufügen, auch nicht im Winter."

Teure Fenster

Ein weiterer Vorteil der konventionellen Bauweise sei die Freiheit in der Wahl der Fenstergrößen. Zumal dreifachverglaste Scheiben heute dafür sorgen, dass ein Haus mehr Wärme hält als abgibt. Von gläsernen Wärmebrücken also keine Spur. "Solche Fenster sind natürlich nicht ganz billig", gibt Schöning zu. "Aber sie zahlen sich langfristig aus." So sind die großen, hoch isolierten Fenster nicht nur Teil des Passivhauskonzepts, sondern als Front des Gebäudes ästhetisches Element und Lichtquelle zugleich. Zwar sei es in einem gut belüfteten Passivhaus nicht unbedingt notwendig, dass man die Fenster öffnen könne, aber es sei einfach angenehm, den Tag und die Umgebung, die Gerüche und Geräusche durch ein offenes Fenster wahrzunehmen, sagt Schöning.

Dabei war seine Frau bei dem Gedanken an ein Haus ohne Heizung im ersten Moment besorgt. "Ich komme aus Florenz", erzählt sie. "In den alten Steinhäusern wird es im Winter bitter kalt. Ich konnte mir nicht vorstellen, in Berlin ohne Heizung zu leben. Aber das Haus hält die Wärme, ohne dass die Luft trocken wird. Ich finde es sehr angenehm." Zwar haben sie einen Kamin eingebaut, der über eine Wandheizung das gesamte Haus erwärmt. Aber er muss selten befeuert werden. Noch sei auch die Kaminecke nicht fertig. "Wir haben lange überlegt, wie wir den Bereich gestalten wollen, und haben uns jetzt nach zwei Wintern für eine schwarze Keramikbank entschieden, die noch angefertigt wird", sagt Wolfgang Schöning.

Ein weiteres Projekt sei die große Schiebetür, die das Wohn- und Esszimmer von der Küche trennt. Wie sie am Ende aussehen soll, ist noch nicht klar. Momentan besteht sie aus einem Holzrahmen, der mit braunem Packpapier bezogen ist. Durch eine Öffnung, die wie ein Fenster wirkt, kann man auch bei geschlossener Schiebetür vom Eingang bis auf die Terrasse blicken.

Versteckte Küche

Denn wie in einem Loft wird die Küche in diesem innovativen Haus direkt vom Eingang aus betreten. In eleganten, deckenhohen Schränken gegenüber des großzügigen Küchenblocks verbergen sich Ofen, Kühlschrank, Geschirr, Utensilien und eine weitere Arbeitsfläche. "Ich koche gerne", verrät Beatrice Mosca und ergänzt: "Mir war es daher wichtig, dass ich genug Platz habe, auch wenn wir die Küche ansonsten verstecken."

Das Loftgefühl des Erdgeschosses setzt sich in den zwei oberen Etagen durch offene Räume und die übergroßen Fenster fort. "Man kann zwar von außen reinschauen, aber irgendwie stört das nicht", sagt Mosca. "Ich fühle mich im Haus geschützt." Ein Grund dafür seien die versteckten Fensterrahmen. So wirken die Scheiben eher wie gläserne Wände als wie Fenster, die sich öffnen lassen. Außerdem gibt es keine Türen - mit Ausnahme des Gäste-WCs im Erdgeschoss. "Noch kommen wir gut ohne aus", erklärt Mosca. "Türen können wir immer noch nachrüsten." Das Haus sei eben ein lebendiges Projekt, das sich erst mit der Zeit entwickelt.

Stadthaus mit Garten

"Wichtig war uns, dass wir die Energiehülle fixieren", ergänzt ihr Mann. "Die Gestaltung der Räume kann man immer variieren, aber die Hülle eines Hauses verändert man nicht so leicht." Dass das Thema Nachhaltigkeit auch im Innenraum wichtig ist, zeigen die Fußböden und die Treppe, die aus massiver, weiß gelaugter Eiche gefertigt sind.

Insgesamt bietet das Stadthaus mit Gartenzugang ein ganz anderes Lebensgefühl als die Wohnung, in der die Familie zuvor gewohnt hat. Aber es reflektiert durch Bauweise und Standort eine Vision moderner Urbanität, die geprägt ist von der umliegenden Natur und den innerstädtischen Annehmlichkeiten.