Regalserie

Das Buch verschwindet aus dem Wohnzimmer

"Bookless" nennt sich eine neue Regalserie, die auch ohne Romane und große Bildbände gut aussieht

Dass auf solch kleine Geräte wie den Kindle oder das iPad ganze Bibliotheken passen. Dass man das opulente Bücherregal zuhause deswegen nicht mehr zwingend benötigt. Und so ist die zunehmende Digitalisierung nicht nur eine Herausforderung für die klassischen Verlage, sondern auch für die Möbelindustrie. "Wenn die Menschen keine Bücher mehr unterbringen müssen, kaufen sie auch keine Bücherregale mehr", sagt Leo Lübke, geschäftsführender Gesellschafter des ostwestfälischen Familienunternehmens Interlübke. Zusammen mit dem Berliner Möbelhaus Hübner stellte Lübke in dieser Woche die Neuheiten der Branche vor.

Die Antwort auf die Digitalisierung lautet für seine Firma "Bookless". So nennt sich eine neuartige Regalserie, die gleichzeitig filigraner Setzkasten und Raumteiler sein kann. "In gewisser Weise ist das die Befreiung des Wohnzimmers, die Regale wirken selbst ohne Inhalt", sagt Lübke. Es gehe heute im Wohnumfeld nicht mehr so sehr darum, Dinge zu verstecken, sondern sie zu zeigen, "wie ein Display". Stehen die Regale klassisch an der Wand, sind sie dennoch einige Zentimeter abgerückt und lassen Platz für einen hell schimmernden Lichthof.

Neben der Verschmelzung von Licht und Möbel gibt es 2012 auch einen weiteren Trend: das Zusammenspiel mit Musik. Dabei werden Verstärker und Boxen ein integrativer Bestandteil der Einrichtung. Lübkes Firma kooperiert hierfür mit einem schottischen Hifi-Geräte-Hersteller. "Das Problem, dass ein Möbelstück selbst schon ein Resonanzkörper ist, haben wir nach zwei Jahren Entwicklung gelöst", erklärt Lübke. Ob das die Berliner überzeugen kann? "Die Menschen hier wohnen recht klassisch, aber durch Zuzüge kommen viel frischer Wind und neue Ansprüche in die Stadt", meint Albert Türklitz, der Geschäftsführer von Möbel Hübner.