Interview

100 Euro im Jahr für Pflanzen

Gefragt sind Duftgehölze wie Rosen und Jasmin zudem Großgräser und Bambus

Berliner Morgenpost:

Welche Gehölze liegen im Trend?

Frank Schoppa:

Gehölze, die einen optischen Reiz setzen und einen Zusatznutzen haben. Obstgehölze in Zwergform sind der Renner. Aufgrund ihrer niedrigen Höhe können selbst Kinder im Garten das Obst mitpflücken. Aber auch Duftgehölze wie Rosen und Jasmin sind gefragt. Im Trend ist auch Natürlichkeit mit besonderer Wirkung, beispielsweise das Rauschen im Wind von Großgräsern oder Bambus. Der langsam wachsende Japanische Ahorn ist wegen seiner Farbe extrem dekorativ, beispielsweise als Kübelpflanze auf der Terrasse.

Welche Vorteile bietet der Facheinzelhandel?

Es gibt den klassischen Wettbewerb zwischen Baumschulen, Gärtnereien und Gartencentern einerseits und den Baumärkten, Lebensmittelhändlern und Discountern andererseits. Hier sind Klassiker wie Thuya, Forsythie und Kirschlorbeer zu Niedrigpreisen ein Lockmittel für die Kundschaft. Sie kommen millionenfach auf den Markt, in dieser Auflage kann der Fachhandel nicht mithalten. Aber Beratung und üppige Sortierung kann nur er vorhalten. Und wer für die Terrasse ein schönes, langlebiges Gehölz haben möchte, bekommt es im Fachhandel richtig geschnitten, gepflegt und gedüngt - plus Service. Weil das Wissen in der Bevölkerung abnimmt, muss es mitgeliefert werden - auch mit Bildetiketten und Info-Material zur Pflege.

Hat es jetzt auch größere Preiserhöhungen gegeben?

Wir haben im Gartenbau eine Preissteigerung aufgrund gestiegener Lohn- und Energiekosten sowie höherer Betriebsmittelpreise wie etwa für Dünger. Die Endverbraucherpreise sind über die gesamte Angebotspalette gesehen in einer normalen Spanne zwischen einem und fünf Prozent gestiegen.

Da der gesamte Markt ein mitteleuropäischer ist, steht er von daher unter Preisdruck. Riesige Gewinnmargen können nicht erzielt werden.

Welche Auswirkungen hat das gegenwärtig auf die heimischen Baumschulen?

Wir haben einen klaren Strukturwandel wie in der Landwirtschaft. Die Betriebe müssen sich spezialisieren, müssen wachsen, um Gehölze rationell produzieren zu können. Zwar ist ihre Zahl in den vergangenen Jahren geschrumpft. Die Durchschnittsgröße einer Baumschule hat binnen zehn Jahren bis zum Jahr 2010 aber um 2,5 Hektar auf zehn Hektar zugelegt. Diese Tendenz wird sich fortsetzen.

Welche Chancen hat der Export?

Der Export von Baumschulware hat kontinuierlich zugenommen, da haben wir echtes Wachstum. In Russland ist ein enormer Bedarf aufgelaufen, der logistisch immer schneller befriedigt werden kann. Auch in anderen Ländern Mittel- und Osteuropas legen die Bau- und Wohnungswirtschaft sowie die Verkehrsinfrastruktur zu, was letztendlich für Pflanzenbedarf sorgt. Und die Qualität deutscher Baumschulware - vom Bodendecker bis zum Alleebaum - hat international einen exzellenten Ruf. England, Frankreich und Skandinavien sind weitere wichtige Ausfuhrmärkte. Schleswig-Holstein zum Beispiel ist auf dem Weg, 20 Prozent Exportanteil am Gesamtumsatz von 250 Millionen Euro zu knacken. Vor zehn Jahren lag der Anteil bei der Hälfte.

Welche Erwartungen gibt es für das Inlandsgeschäft?

Zuletzt hat jeder Bundesbürger jährlich 102 Euro für Blumen und andere Pflanzen ausgegeben, das ist ein Gesamtvolumen von 8,4 Milliarden Euro. Witterungsabhängig pendeln die Ausgaben in einer Spanne von 100 Euro bis 109 Euro. Das zeigt: Garten und Pflanze sind im Zeitgeist. Infolgedessen haben auch Dienstleister wie Garten- und Landschaftsbauer volle Auftragsbücher. Wir hoffen, dass das auf gutem und hohem Niveau bleibt.