Immobilien

Mit billigem Geld ins eigene Haus

Der Wohnungsbau hat im vergangenen Jahr deutlich angezogen: 2011 wurden rund 228.000 Wohnungsneubauten genehmigt, knapp 22 Prozent mehr als 2010, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Damit setzte sich der positive Trend fort, der bereits 2010 eingesetzt hatte. Damals waren im Vergleich zum Vorjahr 5,5 Prozent bundesweit mehr Wohnungen genehmigt worden.

Der Grund für den Aufschwung: Kredite fürs Eigenheim oder den Kauf einer Wohnung sind zurzeit so billig wie selten in Deutschland. Die seit 2008 anhaltende Niedrigzins-Politik im Euro-Raum hat maßgeblich zum Rückgang der Bauzinsen beigetragen. Der Anteil der Deutschen, die in den eigenen vier Wänden wohnen, ist laut Statistik in den vergangenen Jahren weiter gestiegen und betrug 2010 im bundesweiten Durchschnitt 45,7 Prozent.

Mehr Single-Haushalte

Die im Jahr 2011 deutlich gestiegenen Baugenehmigungen sind nach Jahren des Rückgangs ein positives Signal für den Wohnungsmarkt. Diese Trendumkehr sei zu begrüßen und dringend erforderlich, um den bereits bestehenden Wohnungsmangel in wachsenden Großstadtregionen in Deutschland nicht weiter zu verschärfen, erklärte Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, zu den neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. "Nun kommt es darauf an, die politischen Rahmenbedingungen so auszugestalten, dass dieser Trend auch langfristig anhält - und alle Einkommensschichten bedient, insbesondere auch die niedrigen und mittleren Einkommen", sagt Gedaschko. "Denn in Zukunft wird es mehr und mehr Single-Haushalte geben und die Altersarmut wird durch das sinkende Rentenniveau und fehlende Altersvorsorge zu einem immer größeren Problem. Günstiges Wohnen wird daher immer wichtiger."

Seit Anfang der 90er-Jahre hat es keinen derartigen Anstieg der Bautätigkeit mehr gegeben. Besonders stark stiegen 2011 die Genehmigungen von Wohnungen im Geschosswohnungsbau. Sie wuchsen gegenüber dem Vorjahr um rund ein Viertel. Getragen wurde die Nachfrage vor allem durch den Neubau von Eigentumswohnungen, die um rund 42,4 Prozent zulegten, während sich die Genehmigungen bei neuen Mietwohnungen lediglich um 10,2 Prozent erhöht haben. Insgesamt wurden im Geschosswohnungsbau damit 2011 rund 85.000 Wohnungen auf den Weg gebracht.

"Angesichts des demografischen Wandels und der zunehmenden Zahl an Single-Haushalten ist der steigende Bedarf an kleineren Mietwohnungen keine überraschende Entwicklung", betont Gedaschko. "Allerdings wird der Wohnungsneubau auch 2011 wieder vorrangig im oberen Preissegment stattgefunden haben. Für sozial schwächer gestellte Menschen wird Wohnraum dagegen Mangelware."

Denn eine Umfrage des GdW zum Neubau der rund 3000 in seinen Regionalverbänden organisierten Unternehmen hat gezeigt: Neubau fand vorrangig im oberen Preissegment statt. Dort liegen die Kaltmieten im Durchschnitt bei acht Euro je Quadratmeter. Im unteren Preissegment (Durchschnitt 5,74 Euro) wurde in Westdeutschland nur jede fünfte neue Wohnung errichtet. Dabei konzentriert sich der Bedarf auf wirtschaftlich dynamische Ballungsgebiete wie München, Hamburg, das Rhein-Main-Gebiet, aber auch Potsdam. Viele Regionen in Ostdeutschland haben dagegen noch mit Leerständen zu kämpfen, auch wenn diese dank erfolgreicher Rückbaumaßnahmen stetig sinken.

"Diese Umfrage hat bestätigt: Neubau ist durch die Anforderungen an die Energieeffizienz, aber auch durch die Preise für den Baugrund so teuer geworden, dass er sich in vielen Fällen nur noch im oberen Mietpreissegment rechnet", so Gedaschko. Das bedeute aber auch, dass gerade in den unteren Mietpreissegmenten, in denen der Wohnungsneubau besonders in den Ballungsgebieten dringend notwendig wäre, zu wenig passiere. "Um auch sozial schwächer gestellten Menschen weiterhin ausreichend Wohnraum bieten zu können, müssen die Bundesmittel für die Wohnraumförderung auch ab 2013 in mindestens gleicher Höhe von 518 Millionen Euro pro Jahr fortgesetzt werden", mahnte der GdW-Präsident.

45,2 Quadratmeter im Schnitt

Fast in der Hälfte der 37 Millionen bewohnten Wohnungen in Deutschland lebten 2010 die Eigentümer selbst. Die Quote betrug 45,7 Prozent - 4,1 Prozentpunkte mehr als vier Jahre zuvor, wie das Statistische Bundesamt errechnete. Im Westen (ohne Berlin) waren es sogar 48,8 Prozent. Die Hauptstadt selbst liegt mit einer Quote von 14,9 Prozent abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Im Schnitt bewohnte 2010 jeder Einwohner in Deutschland - ob Eigentümer oder Mieter - 45,2 Quadratmeter. In Berlin sind es mit 51,6 Quadratmetern deutlich mehr. Die Mieter werden allerdings stärker zur Kasse gebeten als vor vier Jahren - vor allem bei den Nebenkosten. Der Anteil ihrer Ausgaben für die Kaltmiete am Einkommen ist mit im Schnitt 22,5 Prozent konstant. Für Rentner und Alleinerziehende ist die Belastung aber deutlich größer. Absolut gesehen stieg auch die Kaltmiete. So bezahlten die Mieter insgesamt im Durchschnitt 6,37 Euro pro Quadratmeter im Monat und damit 43 Cent mehr als 2006. Die warmen Nebenkosten lagen 2010 bei 1,25 Euro je Quadratmeter. Die kalten Nebenkosten beziffern die Statistiker bundesweit auf rund einen Euro.