TÜV

Oft stimmt die Wohnfläche nicht

Steht mir wirklich die Quadratmeterzahl zur Verfügung, die ich monatlich bezahle? Eine Frage, die sich Mieter nur selten stellen.

Wer in eine neue Wohnung zieht, verlässt sich in der Regel auf die Angaben im Mietvertrag oder vertraut auf sein Augenmaß. Ein Fehler, sagt Carsten Rohlfs vom TÜV Rheinland. "Bei etwa zwei Dritteln aller Mietwohnungen ist die Wohnfläche falsch berechnet und die im Mietvertrag eingetragene Quadratmeterzahl stimmt nicht mit der tatsächlichen überein", sagt der Bausachverständige und beruft sich dabei auf Schätzungen des Mieterbundes sowie seine Erfahrungen. Das bedeute, dass viele Mieter jeden Monat für Quadratmeter zahlen, über die sie gar nicht verfügen. Ist die Wohnfläche falsch berechnet, setze sich der Fehler auch in der jährlichen Nebenkostenabrechnung sowie in eventuellen Mieterhöhungen fort, da die Wohnfläche als Umlageschlüssel dient.

"Immer wieder kommt es vor, dass wir beauftragt werden, Privatwohnungen nachzumessen und dann zu ernüchternden Ergebnissen gelangen", sagt Rohlfs.

Der Gesetzgeber erlaube Größenabweichungen von bis zu zehn Prozent. Erst wenn die Abweichung höher ausfalle, könnten Mieter versuchen, zu viel bezahltes Geld zurückzufordern.

Eine Garantie für eine Rückzahlung gebe es allerdings nicht, sagt der Experte. Denn es existiere keine rechtlich bindende Norm für die Berechnung der Wohnfläche in Privatwohnungen. Bei gewerblichen Objekten hingegen gilt die Norm DIN 277, für öffentlich geförderten Wohnraum ist die Wohnflächenverordnung bindend. Beide werden zwar häufig auch auf Privatwohnungen angewendet, darauf berufen können sich Mieter jedoch nicht.

Entscheidend sei dabei immer, was auch im Mietvertrag steht. "Wenn der Vertrag die Klausel enthält, dass die Quadratmeterzahl nicht zur Festlegung des Mietgegenstands dient, haben Mieter auch bei größeren Abweichungen keine Chance, etwas dagegen zu unternehmen", erklärt Rohlfs. Deshalb empfiehlt der Experte, dass Mieter vor Vertragsabschluss die Wohnung nachmessen lassen und sich die tatsächliche Wohnungsgröße vom Vermieter dann im Vertrag garantieren lassen.