Modernisierung

Weniger Geld für die Energiesanierung

Die Bundesregierung ist mit ihren ehrgeizigen Klimaschutzzielen am Wohnungsmarkt gescheitert. Das zeigen Zahlen der Staatsbank KfW und des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

Danach haben Wohnungsgesellschaften und private Eigentümer ihre Anstrengungen zur energetischen Sanierung ihrer Immobilien drastisch zurückgefahren, seit 2009 die Auflagen der Energieeinsparverordnung (EnEV) um 30 Prozent verschärft wurden, ohne einen Förderausgleich zu schaffen.

Unterlagen der KfW zeigen, dass die Sanierungszahlen allein im vergangenen Jahr um 77 Prozent eingebrochen sind. Waren 2010 mit Hilfe von Darlehen und Zuschüssen der Staatsbank noch insgesamt 868.577 Wohnungen und Eigenheime energetisch modernisiert worden, sank die Zahl 2011 auf nur noch 200.762 Einheiten. Die Ursache dafür sehen Vertreter der Wohnungswirtschaft in der starken Kürzung der Fördermittel. 2010 hatte die KfW noch rund fünf Mrd. Euro an Fördergeldern ausreichen können. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 2,9 Mrd. Euro.

Unternehmen sind vorsichtig

Ein Vergleich mit GdW-Daten zeigt, dass Privateigentümer bei der energetischen Modernisierung noch stärker auf die Bremse getreten sind als Wohnungsgesellschaften. 2009 hatten die 3000 Unternehmen des GdW über das KfW-Programm "Energieeffizient Sanieren" noch Fördermittel für die Modernisierung von mehr als 130.000 Wohnungen abgerufen. Im vergangenen Jahr wurden nur noch Förderanträge für lediglich 50.000 Wohnungen gestellt. "Die Sanierungsquote ist damit um rund 62 Prozent eingebrochen", sagt GdW-Präsident Axel Gedaschko. In Bundesländern mit knappem Wohnraumangebot und hohen Mieten ging die Quote allerdings stärker zurück.

Die Zahlen zeigen, dass die Bundesregierung mit der Verschärfung der EnEV im Jahr 2009 ihre klimaschutzpolitischen Ziele konterkariert hat. Berlin will bis 2050 die Kohlendioxidemission im Wohnungsbereich um 80 Prozent reduzieren. Das bei der Verfeuerung fossiler Brennstoffe entstehende Gas steht im Verdacht, zur globalen Erwärmung beizutragen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten künftig pro Jahr mindestens zwei Prozent der mehr als 30 Mio. Wohnungen und Eigenheime im Land energetisch saniert werden. Derzeit werden nach einer Studie des Instituts für Wohnen und Umwelt hingegen nur 0,8 Prozent des Wohngebäudebestands pro Jahr energetisch auf Vordermann gebracht.

Um die Quote zu erhöhen, hat die Bundesregierung vor drei Jahren die Auflagen der EnEV um 30 Prozent verschärft. Wohnungsunternehmen und Privateigentümer sind seither gezwungen, Dächer und Fassaden besonders aufwendig zu dämmen, wenn sie ihre Immobilien energetisch sanieren wollen. Zuvor war die EnEV bereits 2007 um 30 Prozent verschärft worden. Gegenüber den Auflagen des Jahres 2006 sind dadurch die Kosten für energetische Sanierungsmaßnahmen um mehr als 40 Prozent gestiegen. "Privateigentümer müssen für die EnEV-gerechte Modernisierung eines 20 Jahre alten Eigenheims heute zwischen 70.000 und 100.000 Euro aufwenden", macht Corinna Merzyn, Geschäftsführerin des Verbands Privater Bauherren, die Dimension deutlich.

Investitionen gestoppt

Ursprünglich sollte die KfW in diesem Jahr 1,5 Mrd. Euro erhalten, um damit energetische Sanierungsmaßnahmen mit zinsgünstigen Darlehen und Direktzuschüssen zu fördern. Freigegeben wurden davon vom Bundesfinanzministerium bislang jedoch nur 900 Mio. Euro. Jetzt ist plötzlich wieder eine Erhöhung im Gespräch.

Das Bundesumweltministerium erwägt sogar, eine gesetzliche Sanierungspflicht für Bestandsgebäude zu schaffen, hieß es in der vergangenen Woche. Das habe dazu geführt, dass noch mehr Wohnungsunternehmen Sanierungsvorhaben auf Eis gelegt haben, sagt Ira von Cölln, Bundesgeschäftsführerin des BFW Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen in Berlin. "Nur noch 40 Prozent unserer 1600 Mitglieder planen derzeit Maßnahmen zur energetischen Sanierung." Die Gefahr bestehe, dass millionenschwere Investitionen obsolet werden, wenn die EnEV-Vorgaben verschärft werden sollten.