Sicherheit

Doppel-Schock nach dem Einbruch

Ein Einbruch in der eigenen Wohnung ist immer ein großer Schock - und er kann darüber hinaus noch ärgerlichen Streit mit der Versicherung nach sich ziehen. Denn wenn es um Schadenersatz geht, kommt es auf die Vertragsbedingungen an, ob die Versicherung zahlt. Wer Grundlegendes nicht beachtet hat, riskiert, dass er am Ende keinen Cent bekommt - und ihm auch das Gericht bestätigt, dass er keine Ansprüche anmelden kann.

Bei der Absicherung gegen Einbrecher ist zum Beispiel zu beachten, wie der Wohnraum nach den Bedingungen der Versicherung zu sichern ist. Die Tatsache, dass eine Immobilie mit einem Schloss gesichert war, reicht laut Infodienst Recht und Steuern der LBS alleine nicht aus, um einen Anspruch zu begründen. Handelte es sich beispielsweise um ein völlig marodes, verrostetes Schloss, muss der Eigentümer den Schaden selbst tragen.

Fiktive Reparaturkosten

Gerichte verlangen, dass der Einbrecher bei der Tat "eine dem Hindernis angemessene Kraftanstrengung" aufbringen musste. Das Landgericht Essen (Az. 15 S 297/08) verweigerte einem Garagenbesitzer, dem vier Autorreifen gestohlen worden waren, mit dieser Begründung den Schadenersatz. Die korrodierten Verschlussbolzen des Tores hätten es dem Dieb zu leicht gemacht.

Wurden bei einem Einbruch auch Gebäudebestandteile beschädigt, kann man sich durchaus an seine Versicherung wenden. Allerdings kommen solche Forderungen nach einem Urteil des Amtsgerichts Karlsruhe (Az. 6 C 535/10) erst dann in Betracht, "wenn sie dem Versicherungsnehmer tatsächlich entstanden sind". Im verhandelten Fall hatte der Betroffene rund 1000 Euro geltend gemacht, ohne dass ein beschädigtes Garagentor repariert worden wäre. Der Richter stellte fest, die Versicherung sei nicht zum "Ersatz von fiktiven Reparaturkosten" verpflichtet, zumal noch nicht einmal ein Kostenvoranschlag vorgelegen habe.

Ersatzlösung reicht aus

Kommt ein Versicherter mit einer reparierten Ersatzlösung über Jahre hinweg gut zurecht - in diesem Fall für eine beschädigte Tür - kann der Schadenersatz ebenfalls entfallen. Der Betroffene hatte eine ursprünglich industriell eingebrachte Niete, die beim Einbruch zerstört worden war, durch eine andere Niete ersetzt. Nach Ansicht des Oberlandesgerichts Köln (Az. 9 U 241/10) funktionierte die Tür "einwandfrei". Die Reparaturmethode sei offenkundig geeignet und ein kompletter Austausch der Tür nicht nötig.

Nehmen sich Versicherte beim Abschluss eines Vertrages nicht die Zeit, die Formulare selbst auszufüllen, kann sich das später rächen. Wer das Ausfüllen einem Makler überlässt und ihm so sehr vertraut, dass er die Angaben nicht mehr kontrolliert, geht unter Umständen leer aus, wenn der Versicherungsfall eintritt: Denn hat der Makler einen Fehler gemacht, muss sich der Versicherte das selbst anrechnen lassen, hat das Oberlandesgericht Frankfurt/Main (Az. 3 U 68/08) entschieden. Im konkreten Fall war der Antragsteller beim Abschluss einer Hausratversicherung nach den Vorschäden in den zurückliegenden fünf Jahren gefragt worden. Auf dem Formular fehlten dann allerdings zwei Einbruchdiebstähle aus diesem Zeitraum mit Schäden in Höhe von 1400 und 5300 Euro. Das kam einer arglistigen Täuschung gleich, entschieden die Richter. Daher musste die Versicherung für den neuen Schadensfall nicht zahlen.

Tückische Katzenklappe

Äußerst fatal kann es sich für einen Immobilenbesitzer auswirken, wenn er selbst unwissentlich dem Einbrecher die Arbeit erleichtert hat. Das war der Fall, als ein Mann eine Katzenklappe in seine Wohnungstür einbauen ließ. Diese Öffnung lag 80 Zentimeter über dem Boden und ermöglichte es einem Eindringling, mit den Armen hindurchzugreifen und ein Fenster zu öffnen. So konnte der Straftäter mühelos eindringen. Nach Überzeugung des Amtsgerichts Dortmund (Az. 433 C 10580/07) handelte es sich von Seiten des Versicherten um eine grobe Fahrlässigkeit. Die gestohlenen Gegenstände im Wert von etwa 1500 Euro mussten nicht ersetzt werden.

Einbrecher gehen oft ziemlich rabiat vor, wenn sie in eine Immobilie eindringen. Ein Wohnungsbesitzer machte deswegen die Reparatur von Kratzern im Parkettboden geltend. Die Schäden seien beim Aufstemmen der Tür entstanden. Ein vom Amtsgericht Hannover (Aktenzeichen 502 C 3388/09) bestellter Sachverständiger konnte zwar nicht völlig ausschließen, dass es sich um Einbruchsspuren handelte. Er hielt es jedoch ebenso für möglich, dass im Laufe der Zeit kleine Steinchen die Kratzer verursacht haben. Nachdem es sich um einen sieben bis acht Jahre alten Parkettboden handelte, schloss sich das Gericht der zweiten Erklärungsvariante an. Das schien den Juristen "eher plausibel".