Wohntrend

Die lindgrüne Ära ist eingeläutet

Wie sehen eigentlich die Farbtrends für die Wände in diesem Jahr aus? Andreas Tonsor hat darauf eine einfache Antwort: "Der Farbton ist nicht wichtig, alles ist erlaubt bis auf strahlendes, nicht abgetöntes Weiß. Entscheidend ist die Qualität des Farbproduktes", sagt der Inhaber eines familiengeführten Fachgeschäftes für Raumgestaltung.

Weit über dem Standard von Dispersionsfarben haben sich einige Hersteller dran gemacht, umweltverträgliche, atmungsaktive und offenporige Produkte mit einem weit höheren Pigmentanteil herzustellen. "Dadurch ist die Farbintensität viel stärker, die Pigmente reflektieren das Licht", so der Fachmann, für den Farben Emotion pur sind. "Die Wohnung möglichst neutral zu streichen, damit beispielsweise Bilder besser zur Geltung kommen, ist ein Trugschluss, und weiße Wände fördern viel weniger die Stimmung als farbige", so Tonsor, der auch ein neues Kundenverhalten feststellt: "Sie sagen nicht mehr, wir müssen, sondern wir wollen streichen." Ein Bild an einer dunkelroten oder tief grünen Wand etwa sei viel präsenter. Bekennt man sich zur Farbe, sollte man Räume komplett, also Decke inklusive, streichen.

Eine pigmentreiche Farbe sorgt bei einem Elefanten-Grau-Grundton dafür, dass das Grau je nach Lichteinstrahlung mal rötlicher, mal sandfarbener erscheint. So kann auch ein kleiner Raum, das Gäste-WC beispielsweise, in braun-schwarz mit einem goldenen Spiegel dekoriert, viel größer wirken. Zudem ist zuviel weiße Fläche auch nicht gut für die Augen, es ist zu hell und zu grell. Man müsste, überspitzt gesagt, wie im Sonnenschein in einer weißen Winterlandschaft eine Sonnenbrille tragen. Zimmerwände jenseits weißer Raufaser bieten auch ungeahnte und zudem weniger Aufwand erfordernde Möglichkeiten als gemeinhin angenommen.

Keine Lust mehr auf ein Wohnzimmer mit neutraler Farbe? Kein Problem. Möbel in die Mitte des Raumes gerückt und mit Pinsel und Farbe die lindgrüne Ära eingeläutet. Allerdings muss, wer auf hochpigmentierte Farben umsteigt, der Raufasertapete ade sagen. Zur Wirkung kommt sie auf tapetenfreien, verputzten wie auch unverputzten Wänden.

Die Wände wirken aber auch durch Tapeten oft sehr attraktiv und einladend. Es muss nicht immer vollflächig sein. Andreas Tonsor hat in einer Sushi-Bar eine schwarze Tapete mit gelb-orange Kois geklebt, allerdings als im oberen, grau gestrichenen Wanddrittel angesetzte, schmaler geschnittene Bordüre.

"Tapeten dürfen auffallen", meint Rudolf Dietzmann, Inhaber eines Farben- und Tapetenhauses in Berlin. "Blockstreifen- sowie Crushtapeten in Knitter- und Faltenoptik sind angesagt, Stofftapeten sind weiter ein Nischenprodukt und Tattoos für die Wand sind nur bei jungen Leuten ein Thema", unterstreicht der Spezialist.

Den Trend schlechthin für dieses Jahr hätte Dietzmann auch niemals für möglich gehalten. "Alle wollen goldene Tapeten, glänzend, mit und ohne Muster, unifarben oder in Kombination mit Rot und Schwarz. Auch Exoten wie goldene Metallfolien mit Zweigen aus Glasperlen sind momentan sehr begehrt", sagt er.