Verbraucher

Wenn die Heizung versagt

Ob in Kindergärten, Betrieben oder Privathäusern: Bei der Eiseskälte geben immer mehr Heizungen den Geist auf. Die zweistelligen Minustemperaturen quer durch Deutschland ließen zu Wochenbeginn vor allem ältere Brenner in Serie ausfallen und Tausende Menschen in der Kälte sitzen, wie Hans-Günter Hagelgans von der Sanitär- und Heizungsinnung in Berlin berichtet. Die Monteure seien im Dauereinsatz, hieß es in der gesamten Republik.

Wer auf die Schnelle keinen Heizungsfachmann ins Haus bekommt, sollte versuchen, mit Heizlüftern und Radiatoren elektrisch zuzuheizen, damit die Leitungen nicht einfrieren. Mieter dürfen notfalls sogar in eine günstige Pension ziehen, um der Kälte daheim zu entrinnen. "Heizungsanlagen, die jetzt permanent auf Hochtouren laufen, sind extrem gefordert", erläutert Fachmann Hagelgans - ganz gleich, ob mit Öl, Gas oder Fernwärme geheizt wird. Normalerweise sei die Heizlast etwa für Berlin bis minus 14 Grad Celsius, in Bayern bis minus 18 Grad ausgelegt. Sinkt das Quecksilber noch tiefer, streiken schnell die Steuergeräte, die Ölvorwärmung gerät ins Stottern, Regelsystem und Schalter fallen aus. Bei Gasheizungen stimmt oft der Druck nicht mehr, die Anlage schaltet sich dann zur Sicherheit ganz ab, wie Robin Raschke von der Münchner Innungsfirma Obermeier berichtet.

Notdienst hat 12 Stunden Zeit

Richtig problematisch wird es, wenn Erdöl - in unbeheizten Kellern oder Garagen gelagert - bei der klirrenden Kälte verklumpt. "Das kann derzeit trotz Kältezusätzen passieren, auch in überirdisch verlegten Ölleitungen aus Erdtanks heraus", erläutert Oliver Klapschus vom Fachdienst heizöl24.de. Dann könne man nur noch abwarten, bis es wärmer wird. Bis dahin sei die Heizung häufig ein Totalausfall. Betroffen seien viele Gastronomiebetriebe oder Wochenendhäuser. "Bleibt es weiter so extrem kalt, können auch die Großtanklader, die für Nachschub sorgen, Probleme kriegen", ist Klapschus besorgt.

Wer mit einem Heizungsproblem kämpft, dürfte es momentan in ganz Deutschland schwer haben, rasch einen Notdienst zu organisieren. Bei den meisten Sanitär- und Heizungsfachleuten laufen die Telefone schon seit Tagen heiß. Auch am Wochenende. "Kindergärten, Schulen oder Altenheime haben Priorität, dazu kommen die Stammkunden und Betriebe, die einen festen Wartungsvertrag haben", sagt Hagelgans. Alle anderen müssten sich oft gedulden - obwohl Monteure theoretisch in Notfällen innerhalb von zwölf Stunden parat stehen sollten.

Wer als Mieter plötzlich in der Kälte sitzt, sollte sofort seinem Vermieter Bescheid geben, rät Dietmar Wall vom Deutschen Mieterbund. Ist der verreist oder nicht zu erreichen, kann der Mieter auch selbst einen Handwerker rufen. "Am besten, der Mieter hat Zeugen dafür, dass er die Reparatur im Notfall selbst in Auftrag gab", rät Wall. Damit die Leitungen nicht einfrieren, ist es wichtig, bis zum Eintreffen des Notdienstes mit Heizlüftern oder Radiatoren zuzuheizen. Sonst können große Schäden entstehen. Die Kosten fürs Zuheizen dürfen dem Vermieter später in Rechnung gestellt werden. Dazu sollten Mieter notieren, wie lange die Geräte in Betrieb sind.

Fallen die Temperaturen in der Wohnung unter 15 oder 16 Grad, könnten Mieter notfalls auch in eine Pension oder ein günstiges Hotel um die Ecke ziehen, betont Wall. Die Ausgabe sei für den Vermieter unter dem Strich womöglich sogar billiger als der Kauf mehrerer Radiatoren, gibt er zu bedenken. Wird die Mindesttemperatur von 20 bis 22 Grad Celsius in Mietwohnungen im Winter nicht erreicht, kann der Mieter grundsätzlich einen Mangel geltend machen. Der Besitzer ist dann verpflichtet, zu reagieren.