Versicherungen

Rechnet sich ein Schutz vor Mietausfall?

Wenn Mieter nicht zahlen, steht manchmal die Existenz des Vermieters auf dem Spiel: Auf insgesamt 2,2 Milliarden Euro schätzt die Eigentümer-Schutzgemeinschaft Haus & Grund die jährlichen Mietausfälle in Deutschland. Das entspricht rund zwei Prozent der jährlichen Mietzahlungen.

"Die rückständigen Mietzahlungen sind allerdings nicht gleichmäßig verteilt, sondern treffen einzelne Vermieter sehr viel stärker", erklärt Haus & Grund-Präsident Rolf Kornemann. Bei privaten Vermietern stehe bei einem längeren Ausfall der Mietzahlungen nicht nur die Finanzierung der Immobilie in Frage. Es drohe sogar die Insolvenz und häufig der Verlust der privaten Altersvorsorge. "Auch notwendige Renovierungs- oder Energiesparmaßnahmen an den Gebäuden sind dann nicht mehr finanzierbar", warnt Kornemann.

Eine Ursache für Mietausfälle, so der Haus & Grund-Präsident: Betrug durch so genannte Mietnomaden. Kaum in eine neue Wohnung eingezogen, zahlen sie keine Miete, verursachen teure Schäden und verschwinden meist genauso schnell wieder von der Bildfläche, wie sie aufgetaucht sind. Der Vermieter bleibt auf Mietausfall und Renovierungskosten sitzen. "Mietnomaden richten bei vielen Vermietern zum Teil existenzbedrohende Schäden an", heißt es von der Grundeigentümer-Vereinigung. Drei Viertel aller Vermieter haben dementsprechend Angst davor, an einen Mietnomaden zu geraten, ergab eine Umfrage des Online-Portals Immobilienscout24.

Diese Angst machen sich findige Geschäftsleute zunutze: Sie bieten Versicherungsschutz gegen Mietausfälle an. "Mehr Schutz - weniger Sorgen", wirbt etwa das Online-Portal Vermietsicher.de für seine Mietausfallversicherung. "Vor unerwünschten finanziellen Konsequenzen wie Zahlungsausfällen bei Mietzins und Nebenkosten sowie Renovierungs-, Reinigungs- und Reparaturkosten bleiben Vermieter auf diese Weise verschont", betont Geschäftsführer Robert Litwak. Vermietsicher.de arbeitet dabei mit der Rhion Versicherung zusammen, die zur RheinLand Versicherungsgruppe gehört.

Kaution verbrauchen

Das Prinzip einer solchen Mietausfallversicherung ist einfach: Bei Vermietsicher.de stehen dem Vermieter zwei Grundabsicherungen zur Verfügung, entweder der Schutz vor Mietausfall für ein halbes Jahr bis 5000 Euro oder für ein Jahr bis 10 000 Euro, dafür werden aufs Jahr gerechnet 59 Euro fällig, also rund fünf Euro im Monat. Sobald die durch den Mieter verursachten Schäden die Kautionshöhe übersteigen, springt die Versicherung ein. Zum Schutz vor Sachschäden und Renovierungskosten können Vermieter zudem optional eine Zusatzpolice abschließen.

Das klingt zunächst einmal verlockend. Und Vermietsicher.de ist nicht der einzige Anbieter: Mit Helvetia und der R+V Versicherung bieten weitere Versicherer Mietausfallpolicen an. Die R+V versichert gegen einen Jahresbeitrag von 99,90 Euro Mietausfälle und Schäden an der Wohnung von bis zu 15 000 Euro, alternativ kann man sich für 54,90 Euro Jahresbeitrag bis zu einer Versicherungssumme von 5000 Euro absichern. Die Helvetia verlangt lediglich eine Prämie in Höhe von drei Promille des Jahresmietwertes, also beispielsweise 30 Euro im Jahr bei 10 000 Euro Jahreskaltmiete. Die Police kann allerdings nur abgeschlossen werden, wenn man auch seine Gebäudeversicherung bei der Helvetia hat. Abgedeckt wird ein Mietausfall von bis zu einem Jahr, wobei der Vermieter im Schadenfall eine Selbstbeteiligung von 20 Prozent tragen muss.

Allein: Wie viele Mietnomaden es wirklich gibt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Eine Studie der Forschungsstelle Immobilien an der Universität Bielefeld kam im vergangenen Jahr zu dem Schluss, dass das Problem gar nicht so gravierend ist wie gedacht: Demnach habe es von 2006 bis 2010 lediglich rund 200 Mietnomadenfälle in Deutschland gegeben. "Diese Zahlen belegen, es existiert kein nennenswertes Mietnomadenproblem in Deutschland", sagt Franz-Georg Rips, Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB). Der Mietnomade an sich ist damit eher ein Phantom - und gegen ein Phantom muss man sich auch nicht versichern.

"Wenn es so wenig Fälle gibt, macht es wenig Sinn, sich dagegen mit einer Versicherungspolice zu schützen", meint Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Hinzu komme, dass der Versicherungsschutz aufgrund vieler Leistungsausschlüsse eingeschränkt sei. In den seltenen Fällen, in denen wirklich etwas passiert, helfen nämlich Mietausfallversicherungen nur bedingt weiter: Denn dann können die Schäden schnell die maximale Versicherungssumme in Höhe von - je nach Police - 5000 bis 15 000 Euro übersteigen. Und auf den darüber hinaus gehenden Kosten bleibt der Vermieter in jedem Fall sitzen. Ein weiterer Knackpunkt bei Mietausfallversicherungen: Der Versicherungsschutz greift nur, wenn die Kaution in voller Höhe vom Mieter hinterlegt wurde und dieser gegen die Forderungen des Vermieters keine Einrede erhebt. Das ist jedoch selten der Fall: Meist wird von säumigen Mietern ein angeblicher Wohnungsmangel als Begründung angeführt - und dann zahlt die Versicherung nicht.

Ein alternatives Modell bietet das Factoring-Unternehmen Readyfact. 2007 gegründet, kauft die Firma Vermietern offene Mietforderungen ab, um das Geld dann auf eigenes Risiko einzutreiben. Auf diese Weise fließt deutlich schneller Geld als bei Mietausfallversicherungen. Bei Abschluss des Factoring-Rahmenvertrages kann der Vermieter zwischen Kontingenten von sechs, neun oder zwölf Monats-Mietforderungen auswählen, die während der Vertragslaufzeit im Bedarfsfall an das Unternehmen abgetreten werden können.

Bonität prüfen

Zuvor prüft das Unternehmen jedoch die Bonität der Mieter. Das allerdings kostet pro Mieter 19,50 Euro, bei schlechter Bonität bietet Readyfact keine Absicherung. Für die akzeptierten Mieter verlangt das Unternehmen eine Gebühr, die sich an der auf diese Weise abgesicherten Monatsmiete bemisst. Der Haken daran ist der vergleichsweise hohe Preis: Wer beispielsweise eine Netto-Monatsmiete von 500 Euro ein Jahr lang absichern will, muss dafür eine Jahresgebühr von 294 Euro berappen. "Vermieter sollten sich lieber die Zeit nehmen, vor Abschluss eines Mietvertrags genügend Auskünfte über den künftigen Mieter einzuholen", rät BdV-Expertin Boss. So lasse sich das Risiko begrenzen. "Eine Schufa-Auskunft und ein Anruf beim vorherigen Vermieter sind meist viel hilfreicher als der Abschluss eines teuren Versicherungsproduktes."

Gegen Mietausfälle, die durch Naturereignisse wie Sturm oder Blitzschlag oder auch durch eine Gasexplosion, einen Brand oder einen Wasserrohrbruch entstehen, kann man sich übrigens deutlich günstiger absichern: Vielfach bieten Wohngebäudeversicherungen den entsprechenden Schutz - und das zu deutlich besseren Konditionen.