Winterjasmin

Einsamer Farbtupfer im Winter

Noch zeigt das Thermometer in den Niederungen Temperaturen über dem Nullpunkt. Doch es wird kälter, und Ende Januar könnte ein später Winter hereinbrechen. Einige Rosen kann man zurzeit bewundern, aber neue Blüten im Garten sind Raritäten. Die gelben Tupfen am Winterjasmin (Jasminum nudiflorum) sind die Ausnahme.

"Das Gehölz trägt an den kahlen Trieben primelgelbe Blüten", beschreibt Prof. Jürgen M. Bouillon, der Gehölzverwendung und Vegetationstechnik an der Hochschule Osnabrück lehrt, diese Art.

Die Blütezeit des Winterjasmins liegt eigentlich zwischen Januar und März. "Dieser Zeitraum verschiebt sich schon mal", sagt Bouillon aber. "In einem milden Winter öffnen sich die Blüten vor Weihnachten, und ebenso verzögert sich die Blütezeit, wenn der Winter härter ist." Während des Winters sind die Triebe blattlos. So erklärt sich auch der Artname "nudiflorum", der übersetzt soviel wie nackt beziehungsweise kahl blühend bedeutet. Da die jungen Zweige grün sind, entsteht leicht der Eindruck eines immergrünen Gehölzes.

Nicht nur im Garten, auch innerhalb der Gattung Jasminum nimmt diese Art eine Sonderstellung ein. "Im Unterschied zu anderen Arten duften die gelben Blüten des Winterjasmins nicht", sagt Bouillon. Regelrecht berauschend dagegen sei der Duft des Arabischen Jasmins (Jasminum sambac) und des Echten Jasmins (Jasminum officinale), die beide weiße Blüten tragen, aber gar nicht beziehungsweise nur bedingt winterhart sind.

Als Gartenpflanze hat der Winterjasmin einen großen Vorteil: "Der Strauch ist anspruchslos", erklärt Bouillon. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Chine. "Dort wächst sie an Hängen und Schluchten." Frischer Boden werde recht schnell von dem dickichtartig wachsenden Strauch besiedelt. "So kann man Winterjasmin ohne besondere Bodenvorbereitung pflanzen." Allerdings müsse auf die Sonneneinstrahlung geachtet werden. "Je sonniger Winterjasmin steht, desto besser blüht er", sagt Bouillon. "Außerdem ist ein Platz in Hausnähe vorteilhaft, weil der Dachüberstand die Blüten im Winter vor Nässe schützt."

Der Wuchs von Jasminum nudiflorum könne als strauchig beschrieben werden, erklärt Höggemeier. "Es ist auf jeden Fall keine Kletterpflanze in dem Sinn, dass sie Kletterorgane entwickelt." Vielmehr handele es sich um einen sogenannten Spreizklimmer. "Man kann die Zweige gut an Kletterhilfen durchschieben", empfiehlt Bouillon. So können Wände mit dieser Pflanze begrünt werden.

"Da die weichen Triebe sich auf den Boden legen und rasch neue Wurzeln bilden, entsteht meist ein Dickicht", sagt er. "Daher ist es ratsam, die Sträucher direkt nach der Blüte zurückzuschneiden." Damit verhindere man, dass sich die Pflanze stark ausbreitet. Zäune und Spaliere im Vorgarten, aber auch Mauerkronen könne man bepflanzen. "Für eine Dachbegrünung mit einer Substratauflage von mindestens 15 Zentimetern Höhe eignet sich der Strauch ebenso wie für Tröge", rät der Pflanzenexperte außerdem. Im Kübel allerdings muss man die Wurzeln des Winterjasmins vor Frost schützen.