Umfrage

Widerstreit der Geschlechter

Wenn es um den Traum vom Wohnen geht, werden einige Klischees zur Realität. Zumindest werden einige geschlechtsspezifische Besonderheiten erkennbar. So wünschen sich Männer nicht nur vorrangig eine eigene Garage, sondern auch technisch anspruchsvolle Ausstattung der Wohnung. Computer und Telefone sollen überall angeschlossen werden - besser noch der Fernseher hat einen Netzwerkanschluss.

Frauen dagegen legen mehr Wert auf eine moderne Einbauküche, einen Hauswirtschaftsraum und den berühmten begehbaren Kleiderschrank. Überhaupt ist Stauraum bei Frauen ein wichtigeres Thema. Aber es gibt auch wesentliche Gemeinsamkeiten: Für Männer wie Frauen ist beispielsweise ein Einfamilienhaus der Wohntraum Nummer eins. Das ergibt eine repräsentative Umfrage, die vom IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung im Auftrag von Interhyp durchgeführt wurde.

Signifikante Unterschiede zeigen sich allerdings bei der Größe der Immobilie. Frauen sind mit gut 142 Quadratmetern glücklich, Männer brauchen zehn Quadratmeter mehr. Die großen Jungs möchten zudem gerne mit Technik spielen, freilich sinnvoll: So wünscht sich beispielsweise gut jeder zweite Mann eine computergestützte Hausautomation, also gleich mit zentraler Steuerung für das Stromnetz, Garagentor und Rollläden - aber nur 37 Prozent der Frauen wollen dergleichen. In das althergebrachte Bild passt zudem, dass die Damen mehr Wert auf eine moderne Einbauküche (87 Prozent) und einen Hauswirtschaftsraum (60 Prozent) legen. Ebenso wenig kurios: Beide Geschlechter hätten am liebsten eine Gästetoilette.

Was den Standort der Immobilie angeht, träumen die meisten Frauen davon, aus dem eigenen Heim auf die Wogen der See zu schauen. So gaben 24 Prozent der befragten Damen an, sie würden gerne am Meer leben. Unter den Männern sind es nur 18 Prozent. Das sogenannte starke Geschlecht bevorzugt das Wohnen am Stadtrand, für das sich ein Viertel von ihnen aussprach, aber nur 17 von 100 Frauen. Obwohl Frauen häufig die höhere Sozialkompetenz zugeschrieben wird: Ein Garten steht hingegen bei beiden Geschlechtern hoch im Kurs (77 Prozent).

"Der Wohntrend Nummer eins für Männer und Frauen ist grün", stellt Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG, fest. Das zeigt sich auch in der hohen Beliebtheit energiesparender Isolierungen bei allen Befragten - wenn auch hier vielleicht nicht der Klimaschutz, sondern die Ersparnis bei Heizkosten im Vordergrund steht. Und selbst wenn Männer mehr Gefallen an Solaranlagen zur Stromerzeugung und Wärmegewinnung haben, sie finden bei beiden Geschlechtern mit mehr als 60 Prozent eine hohe Zustimmung. In gar nicht so wenigen Fällen können sich die Partner sogar überhaupt nicht auf Hausgröße, Lage und Ausstattung einigen. Die Praxiserfahrung deutscher Architekten zeigt: Vier von 100 Bauvorhaben scheitern wegen Partnerstreits.

Die Architekten selbst können dabei relativ wenig für einen echten Interessenausgleich sorgen. Denn die überwiegende Mehrheit der praktizierenden Baumeister ist männlich. Zwar sind während des Studiums die weiblichen Absolventen in Deutschland noch leicht in der Mehrheit. Später jedoch kehrt sich das Verhältnis ins krasse Gegenteil: Die Frauenquote betrug im vergangenen Jahr nur rund 27 Prozent. Sofern die männlichen Architekten die Vorlieben ihrer Geschlechtsgenossen teilen, bleiben begehbare Kleiderschränke also auch in Zukunft eher die Ausnahme.