Garten

Biotope benötigen kaum Pflege

Der Frosch sitzt behäbig auf seinem Seerosenblatt. Libellen sausen darüber hinweg. In Abständen piepst es aus der Heckenrose, wenn das Rotkehlchen mit dem Schnabel voll Beute angeflogen kommt, um den Nachwuchs zu füttern. Mensch und Natur zusammenbringen: Dieses Ziel steht oft dahinter, wenn ein Naturgarten angelegt wird.

Dabei klingt "Natur und Garten" eigentlich wie ein Widerspruch. Beide Begriffe bezeichnen entgegengesetzte Pole: Natur entwickelt sich gänzlich ohne Zutun des Menschen. Ein Garten entsteht nur durch die planende und steuernde Menschenhand. Dazwischen liegt der Naturgarten. Je nach Einstellung seines Besitzers tendiert er mehr zur reinen Natur oder zum Garten.

Wer einfach abwartet, was in seinem Garten passiert, sieht sich allerdings zunehmender Verbuschung gegenüber. Machen sich erst noch Wildblumen breit wie Löwenzahn, Scharfer Hahnenfuß, Wiesenschaumkraut und Wilde Möhre, wird bald Brombeer-Dickicht daraus, aus dem sich Holunder, Ahorn, Kirschen, Birken und anderes mehr erheben. Nur Mähen und Zurückschneiden eröffnen dann Wege durchs Grün. Damit ist der erste Schritt von der Wildnis zum Garten vollzogen.

Den Puristen zu spartanisch

Trotzdem ist diese Gartenform sogar den Puristen unter den Gartenbesitzern meist zu spartanisch. Also befestigen Steine, Klinker, Platten oder Holz überall dort den Boden, wo viel gegangen und gesessen wird. Andere gehen noch weiter und legen Gartenteich, Kräuterspirale, Farngarten, Gemüsegarten und Obstgehölze an. Die passenden Pflanzen müssen aber noch an die richtige Stelle gesetzt werden.

Viele Naturgarten-Besitzer schwören auf heimische Pflanzen. Blumenbinse, Froschlöffel und Froschbiss dürfen sich am und im Teich ausbreiten. Nicht aber das Hechtkraut aus Amerika oder die Japanische Sumpfiris. Wer es streng nimmt, verzichtet auf Kultiviertes wie Kirsche und Pflaume oder Mediterranes wie Currykraut und Lavendel. Stattdessen liefern Heckenrose, Kornelkirsche und Mispel essbare Früchte und Feldthymian, Pimpinelle und Minze die Kräuter.

Für sie alle ist der richtige Standort wichtig. Denn nur wenn Gartenteich und Kräuterspirale in der Sonne liegen und der Farngarten seinen Schatten bekommt, wachsen die Pflanzen zufriedenstellend. Das bedeutet sorgfältige Planung. Deren Ergebnis sind reizvolle Gartenbilder aus den oft übersehenen Schönheiten.

Oft interessiert die Frage gar nicht, ob heimisch oder fremdländisch, wild oder gezüchtet. Denn dann müsste auch auf die Pracht der Astern, Sonnenhüte, Gartenrosen und Zwiebelblumen, auf die Aromen der Mediterranen, der Beeren- und Steinobst-Früchte verzichtet werden, die im Laufe der Jahrhunderte Bestandteil unserer Gartenkultur geworden sind.