Urteil

Vogelfüttern ist "sozialadäquates Verhalten"

Wenn Mieter gelegentlich auf ihrem Balkon Vögel füttern, kann ihnen dies weder verboten werden noch rechtfertigt es eine Mietminderung der Nachbarn. Die persönliche Entfaltungsmöglichkeit eines Menschen dürfe nicht so sehr eingeschränkt werden.

Der vertragsgemäße Gebrauch einer Wohnung wird nach LBS-Information durch eine maßvolle Fütterung nicht überschritten, entschied das Landgericht Berlin (Az. 65 S 540/09).

In dem Fall hatte es sich ein Mieter zur Angewohnheit gemacht, von seinem Balkon aus Vögel zu füttern. Das führte zu einer Verschmutzung durch Vogelkot und Futterreste, von der auch die Nachbar-Balkone leicht betroffen waren. Sie beschwerten sich darüber, dass die Tiere noch durch aufgestellte Wassergefäße angelockt würden. Die Verunreinigungen wurden mit Fotos dokumentiert. Darauf waren Vogelkotspuren deutlich zu sehen.

Das Urteil: Trotz der Verschmutzungen war das Füttern der Tiere hinzunehmen. Solch ein Verhalten liege schon in der Natur eines Balkons, so die Richter, denn "er soll eine Verbindung in die äußere Umwelt vermitteln, ohne dass das Gebäude, in dem sich die Wohnung befindet, verlassen werden muss". Zu dieser natürlichen Umwelt gehöre auch, dass Insekten, Regen, Wind, Sturm und Vogelkot auf die Balkone einwirken. Das Füttern von Vögeln sei außerdem ein sozialadäquates, verbreitetes Verhalten. Anders müsse man den Fall bewerten, falls die Verschmutzungen zu stark werden, wenn viele Tauben angelockt würden. Dann sei auch an Mietminderung der Nachbarn zu denken.