Lärmschutz

Klang statt Krach im Musikraum

Musizieren in der Mietwohnung sorgt oft für Ärger mit Nachbarn. Wer kein Geld für einen Proberaum hat, dafür aber handwerkliches Geschick, kann das Musikzimmer zumindest teilweise dämmen. Aber man braucht gutes Material dafür.

"Wir waren eingeschränkt beim Musikmachen, und auf Kopfhörer hat man auch nicht immer Bock", sagt Chris Erkal. Gerade abends hat es oft Stress mit den Nachbarn gegeben. Der 21-jährige Student hat schon in mehreren Bands gespielt und macht heute elektronische Musik. "Als Band kann man ohne Proberaum fast nicht existieren, und in vielen Städten sind die rar und teuer." Die Alternative ist ein Musikraum in den eigenen vier Wänden. Mit ein paar handwerklichen Maßnahmen entsteht auch hier ein annehmbarer Sound - und die Nachbarn gehen nicht so schnell die Wände hoch.

Verzerrtes Klangbild

Beim Thema Klangqualität stehen Musiker immer vor dem Problem, dass Schall grundsätzlich von den Wänden widerhallt. Die Folge: Einzelne Schallwellen überlagern sich und sorgen für ein verzerrtes Klangbild, erklärt Ralph Roufflair von der DIY-Academy (Köln): "Was der Musiker spielt, wird dann nicht richtig wiedergegeben." Um das zu verhindern, müsse Schall gedämpft werden. Dafür eignen sich PUR-Schaumstoffe mit Waben- oder Noppenform, die in unterschiedlichen Stärken an Wände geklebt werden. Die Wand selbst sollte sauber, trocken, fettfrei und nicht sandend sein.

Tapeten ziehen Heimwerker am besten vorher ab, sonst löst der Kleber für Noppenschaum womöglich den Tapetenkleber. "Für einen besseren Klang reichen schon relativ dünne Schaumstoffplatten bis vier Zentimeter Stärke, die mit einem geeigneten Kleber auf die vorbereitete Wand aufgeklebt werden."

Das Dämpfen des Schalls ist eine Sache, das Vermeiden von Schallbrücken die nächste: Luftschall trifft zum Beispiel auf ein Fenster und bringt es zum Vibrieren. Ist die Verbindung zum Mauerwerk starr, überträgt das Fenster den Schall eins zu eins in den Gebäudekörper, erläutert Roufflair: "Auch das führt zu Verzerrungen." Zum Entkoppeln des Schalls seien Gummidichtungen sinnvoll. Fenster sollten zunächst mit einer Platte und Dämmstoff auf der Innenseite verkleidet werden. Dort, wo die Platte anschließt, bringt der Musiker dann ein Gummidichtungsband an. Das Gleiche macht er mit der Tür.

Damit Schall nicht durch den Fußboden wabert, eignen sich Bautenschutzmatten. "Die sehen aus wie zusammengeklebte Radiergummis und schlucken Schall ohne Ende", erklärt Roufflair. In Stärken von zwei bis drei Zentimetern seien sie in jedem Baumarkt zu bekommen. Aber auch ein dicker Teppich könne helfen.

Fürs Schlagzeug bietet sich zusätzlich ein Holzpodest mit Gummifüßen an. Zum Ankleben von Noppenschaum reicht normales Malerwerkzeug: Schere, Cutter-Messer, Tapeziertisch, Zollstock oder ein Stift, sagt Roufflair.

"Bei Schaumstoffen würde ich im Internet suchen. Die gibt es dort in allen Qualitäten." Der Quadratmeter koste zwischen drei und zehn Euro. Feuerhemmend sollte das Material sein. "Das ist wichtig, denn Musiker arbeiten oft mit elektrischen Geräten wie Verstärkern."

Was für einen guten Sound reicht, stimmt noch nicht die Nachbarn zufrieden: "Nach außen hin haben diese Maßnahmen alle kaum Wirkung auf die Schallisolierung", sagt Gottfried Behler vom Institut für Technische Akustik der RWTH Aachen: "Wenn ein Musiker Schlagzeug spielt, kann er machen, was er will - diesen Schall bekommt er nie weg." Dabei sei es viel schwieriger, tiefe Frequenzen nach außen zu dämmen als hohe. "Über den Bass kommen die meisten Beschwerden aus der Nachbarschaft."

Probleme mit dem Bass

Bassgitarristen und Schlagzeuger müssen viel Geld in die Hand nehmen. Richtigen Schallschutz bietet Behler zufolge nur eine schwere, weiche Gipskartonschale, die isoliert vor die Wand gesetzt wird und Schall hinreichend entkoppelt. "Die können Heimwerker rundherum anbringen, aber dabei geben sie schnell einige Tausend Euro aus." Das Problem fängt dann an der Decke an: "So etwas an die Decke zu dübeln, ist schwer. Das macht man nicht mal eben alleine."