Abstände

Im Bad muss jeder Zentimeter stimmen

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Ein heißes Bad, eine kalte Dusche - was für uns zumeist selbstverständlich scheint, darin steckt viel Arbeit. Bevor der erste Wassertropfen aus der Leitung kommt, haben Fachleute das Bad geplant, Rohre verlegt und sanitäre Einrichtungen installiert. Planer und Handwerker müssen eng zusammenarbeiten, um diese Arbeiten mangelfrei auszuführen. Das allerdings gelingt nicht immer, beklagt der Bauherren-Schutzbund.

Das Verlegen von Abwasserleitungen ist nicht unproblematisch. Werden sie wie üblich auf Rohfußböden verlegt, fehlen oft erforderliche Aufbauhöhen. Kommt dann noch als "preiswerte" Tragschicht ein bindemittelgebundener Estrich zum Einsatz, sind besonders in gefliesten Fußböden Risse feststellbar. Mangelhafte oder nicht vorhandene Planung zieht mangelhafte Leistungen des Installateurs und des Estrichlegers nach sich. Der Fliesenleger als Letzter in der Gewerkefolge kann diese Mängel oft nicht erkennen, er ist trotzdem mitverantwortlich.

Müssen Entwässerungsleitungen bei Neubauten horizontal in Massivwänden verlegt werden, können Abmessungen der Schlitze und Wanddurchbrüche vorab planerisch bestimmt werden. Horizontalschlitze ohne statische Maßnahmen in vorhandene Wände geschnitten, gefährden die Standsicherheit des Gebäudes. Die Folge: Rissbildungen in Wänden und Decken.

Hohlräume vollstopfen

Was kann passieren? Klagen Bewohner über mangelnden Schallschutz, liegt es oft daran, dass Abwasserleitungen ohne schallentkoppelnde Materialien oder schalldämmende Rohrbekleidungen montiert wurden. Hohlräume in Schlitzen müssen immer mit Faserdämmstoffen ausgestopft werden, um Resonanzeffekte zu verhindern, raten die Bauexperten. Oft sind Decken- und Wanddurchbrüche nicht verschlossen. Das lässt sogenannte Haustelefone entstehen - alle müssen überall alles mit anhören.

Unkenntnis, Kosten- und Zeitdruck führen oft dazu, dass Entwässerungs- bzw. Entlüftungsleitungen ohne elastische Abdichtungsbauteile durch Massivkonstruktionen bzw. Folienabdichtungen geführt werden. Die Folge sind Heizenergieverluste und Feuchteschäden durch Konvektion oder Kondensat an den undichten Stellen im Dach, ebenso Wasser im Keller und Sockel.

Auch bei Versorgungsleitungen für Kalt- und Warmwasser oder für die Heizung im Vor- und Rücklauf können ähnliche Mängel auftreten. Energieverluste sind bei Warmwasserleitungen an Formteilen und Abzweigungen bzw. Armaturen in Heizungs- und Hausanschlussräumen zu verzeichnen, die gar nicht oder nicht nach der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) wärmegedämmt sind.

Wasch- und Spülmaschinen, die in der Regel mit Warmwasser arbeiten, sollten besonders in Neubauten oder bei größeren Sanierungen über das zentrale Warmwassersystem des Gebäudes versorgt werden. Warmwassererzeugung mit Gas, Heizöl oder regenerativ ist primär energiesparender als die mit elektrischem Strom.

Fugen lassen Wasser durch

Nicht selten werden Versorgungsleitungen ohne Abstand zu Wänden verlegt. Oft ist der Belastungsdruck durch Möbel dort am größten, die Estrichstärke jedoch am geringsten. Als Folge entstehen Risse in Bodenbelägen entlang der Wände. Schadensvorbeugend wären Rohrleitungsabstände von 30 bis 50 Zentimeter zu den Wänden.

Auch eine Verformung der Badewanne durch das Gewicht von Wasser und badender Person kann die elastischen Fugen zwischen Wannenrand und Fliesen abreißen und Wasser eindringen lassen. An diesen Stellen sollte besser doppelt abgedichtet werden, meinen die Experten. Besonders sorgfältig müssten immer Wannen aus Kunststoff eingebaut werden, rät Bauherrenberater Hermann Bockstiegel (Osnabrück): Grundsätzlich sollte auch ein Bauherr immer darauf achten, dass die Abmessungen der Einrichtungen schon in den Planungsunterlagen stehen und vor Ort verbindlich angezeichnet werden.