Holzhäuser

Ein angenehmes Klima

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"Das brennt ja wie Zunder" hört man häufig, wenn es um den Bau von Häusern aus Holz geht. Schließlich ist ein Haus eine Investition fürs Leben und soll auch möglichst lange stehen. Also baut der Häuslebauer meist auf Ziegel und Beton. Dass man aber auch mit Holz beständig und sicher bauen kann, meint Architekt und Brandschutzexperte Reinhard Eberl-Pacan.

"Wer schon mal versucht hat, in einem Kamin ein Feuer zu entzünden, weiß wie schwer es ist, Eichen- oder Buchenscheite in Brand zu bekommen. Kleine dünne Fichtenspäne fangen dagegen schnell Feuer. Der Fachmann würde sagen, Laubholz (Hartholz) ist schwer, Nadelholz (Weichholz) dagegen normal entflammbar", erklärt der Experte.

Wer also ein Holzhaus bauen möchte, sollte auf Harthölzer setzen und kann sich "über weitere Vorteile hinsichtlich Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Wohnkomfort und Behaglichkeit freuen", listet der Fachmann die Gründe auf.

Bessere Dämmwirkung

"Denn während bei der Herstellung von massiven Baustoffen viel Energie verbraucht und damit Kohlendioxid erzeugt wird, bindet Holz beim Wachsen dieses Gas", fügt er an und lobt "die wesentlich bessere Dämmwirkung als zum Beispiel bei Beton oder Ziegelmauerwerk", was wiederum schlankere Konstruktionen möglich mache. "Im Stadtbild sorgen Holzfassaden für einen angenehmen Kontrast zu üblichen Stein- und Putzfassaden", findet Reinhard Eberl-Pacan.

Ein gelungenes Beispiel für ein sicher gebautes Holzhaus ist das Haus von Marina und Uwe Schmidtmann aus Berlin-Mahlsdorf. Uwe Schmidtmann, ebenfalls Architekt, hat das Haus für sich und seine Familie vor gut zehn Jahren entworfen und dabei voll "auf die Vorzüge von Holz gesetzt", sagt er.

"Wenn man ein Holzhaus bautechnisch richtig plant, ist es sogar beständiger als Mauerwerk", widerspricht Uwe Schmidtmann dem Vorurteil, ein Holzhaus würde nicht lange halten. "Das Image ist in Berlin und Brandenburg negativ. In Süddeutschland oder Österreich ist das anders. Dort werden sogar Holzhäuser für die öffentliche Hand gebaut, wie Feuerwachen oder Kirchen", hebt er hervor und erklärt die Konstruktion seines Hauses: "Von außen besteht unser Haus aus naturgrauem Lärchenholz und Zinkdächern in Verbindung mit farbigen Fenstern. Die Konstruktion hat ein tragendes Holzskelett, das mit Lehmziegeln ausgemauert wurde. Die Außenwände wurden mit dreißig Zentimeter Zellulose gedämmt". Darüber hinaus seien die Fenster dreifach verglast. Das Haus werde mit einer raumweise regelbaren Lüftungsanlage mit Wärmetauscher betrieben, unterstützt durch eine Gasheizung und eine thermische Solaranlage. Zusätzliche Wärme spendet noch ein Kamin im Wohnzimmer.

"Die Lehmwände und der Holzboden sind nicht nur ökologisch nachhaltig, sondern sie sorgen auch für ein angenehmes Klima", sagt Uwe Schmidtmann und seine Frau, Marina Schmidtmann, pflichtet ihm bei. "Wir haben in diesem Raum heute eine Luftfeuchtigkeit von 53 Prozent. Das ist sehr angenehm und die Luft wird auch im Winter nicht trocken", stellt sie beim Blick auf das Hygrometer fest und schlussfolgert: "Seit wir in dem Haus leben, sind wir weniger erkältet."

Marina Schmidtmann war von Anfang an von der Idee ihres Mannes begeistert, ein Holzhaus zu bauen. "Wir wollten ökologisch bauen", betont sie. "Sollte das Haus mal abgerissen werden, sollten möglichst alle Stoffe, Holz, Lehm, Zellulose, abbaubar sein", bemerkt sie und hebt außerdem das anregende Holzambiente hervor. "Ich mag Holz. Ich finde es sehr angenehm, auch als Möbel", sagt sie.

Relativ kurze Bauzeit

Sorge, ihr Haus könnte im Falle eins Feuers schnell abbrennen, haben Uwe und Marina Schmidtmann nicht. "Holz kann brennen, es sollte nur gewährleistet werden, dass der Restquerschnitt im Brandfall nach dreißig Minuten noch tragfähig ist. Bei unserem Holzhaus sind die tragenden Teile zwei- oder dreiseitig bekleidet, teilweise mit Lehm, sodass die Gefahr eines Brandes eher minimal ist", berichtet Architekt Schmidtmann. "Lärchenholz hält darüber hinaus bis zu siebzig Jahre", stellt er fest und liefert neben der Langlebigkeit einen weiteren Vorteil für den Bau mit Holz: "Die Bauzeit ist relativ kurz", sagt er. So habe der Bau des Hauses lediglich sieben Monate gedauert. Der Grund ist einfach. "Anders als beim Massivbau hat man keine Trockenzeiten zu beachten", erklärt Schmidtmann.

Lediglich die Kosten unterscheiden sich kaum von denen für ein Massivhaus. "Auch ein Holzhaus ist kein Haus von der Stange und sollte exakt geplant werden", sagt der Bauexperte. "Von einem guten Architekten gibt es kein Objekt aus der Kiste. Es ist wichtig, persönliche Wünsche und familiäre Bedürfnisse in die Planung mit einzubeziehen."

Aber baut ein Architekt anders, wenn er das Haus für sich und seine Familie baut? Uwe Schmidtmann überlegt und sagt: "Ja, denn man selbst weiß über die Prozesse des Bauens Bescheid. Man weiß aber auch, wie das eigene Leben abläuft, was wichtig ist, was sich verändert und kann das automatisch einplanen", erklärt er. Viele Auftraggeber erzählen einem seine Wünsche hingegen erst nach und nach und oft habe man das Problem, das die Wünsche nicht mit dem Leben übereinstimmen. "Denn Häuser, auch Holzhäuser, sollten ein Leben lang halten und nicht nur für den Jetzt-Zeitpunkt geplant werden", gibt Schmidtmann zu bedanken.

Für Patchwork-Familien biete sich ein Fertighaus in Holzbauweise an, wirbt auch der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) für das Produkt. Viele Menschen könnten unter einem Dach wohnen und dennoch jeder einzelne ausreichend Freiraum habe. "Holz-Fertighäuser bieten viel Raum für freie Planung und können individuell gestaltet werden. Auch im Nachhinein können die Räume leicht kind- oder altersgerecht umgebaut werden", Sagt Hauptgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas.